Verkehrsrecht
Überholer trifft bei unklarer Verkehrslage Mitschuld

Setzt ein Motorradfahrer bei unklarer Verkehrslage zum Überholen an, kann er bei einem Unfall Mitschuld erhalten. Das gilt einem Urteil des Amtsgerichts München zufolge auch dann, wenn der Unfallgegner den Zusammenprall eindeutig verursacht hat.

dpa/tmn BERLIN/MüNCHEN. Setzt ein Motorradfahrer bei unklarer Verkehrslage zum Überholen an, kann er bei einem Unfall Mitschuld erhalten. Das gilt einem Urteil des Amtsgerichts München zufolge auch dann, wenn der Unfallgegner den Zusammenprall eindeutig verursacht hat.

Ein Überholer müsse die Verkehrslage stets umfassend im Blick haben, begründete das Gericht seine Entscheidung (Aktenzeichen: 345 C 27 884/05). Auf das Urteil weisen die Verkehrsrechtsanwälte des Deutschen Anwaltsvereins (DAV) hin.

In dem Fall hatte ein Motorradfahrer bei Dunkelheit an einer Kreuzung mehrere Fahrzeuge überholt. Dabei stieß er mit einem entgegenkommenden Auto zusammen, das auf der Suche nach einem Parkplatz wenden wollte. Der Zweiradfahrer wurde leicht verletzt und verlangte 1 500 Euro Schmerzensgeld und 6 500 Euro Schadensersatz für die ruinierte Schutzkleidung. Die Versicherung wollte jedoch nur 3 500 und 400 Euro zahlen und verwies auf eine erhebliche Mitschuld des Fahrers, da dieser stark beschleunigt und überholt habe.

Das Gericht stellte ebenfalls eine Mitschuld fest, setzte sie mit 25 Prozent jedoch niedriger an. Unfallursache sei das Wendemanöver des Autofahrers gewesen - allerdings sei auch die "Betriebsgefahr" des Motorrades zu berücksichtigen. Außerdem habe der Zweiradfahrer zum Zeitpunkt des Unfalls beim Überholen die Verkehrslage jenseits der Kreuzung nicht ausreichend überblicken können. Der Mann erhielt laut DAV Schadensersatz von 75 Prozent und 750 Euro Schmerzensgeld.

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