Verkehrssicherheit
Radfahren ohne Fahne und Bundes-Blitz-Marathon

Für eine Senkung der Promillegrenze für Radfahrer haben sich die Innenminister ausgesprochen. Wo künftig das Limit liegen soll, ließen sie aber offen. Autofahrern droht im Oktober ein Blitz-Marathon.
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Hannover/DüsseldorfFür Deutschlands Radfahrer soll nach dem Willen der Innenminister künftig eine deutlich niedrigere Promillegrenze gelten. „Mit 1,6 Promille kann man nicht mehr sicher auf zwei Rädern fahren“, sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Niedersachsens Ressortchef Boris Pistorius (SPD), zum Abschluss des Treffens der Länderchefs.

Wegen der besorgniserregenden Zahl von Unfällen mit betrunkenen Radfahrern wollen die Innenminister den zuständigen Justiz- und Verkehrsministern eine Absenkung der derzeit gültigen Grenze von 1,6 Promille empfehlen. Wo künftig das Limit liegen soll, ließen sie offen.

Bislang dürfen Radfahrer mit bis zu 1,6 Promille Alkohol im Blut straffrei radeln - vorausgesetzt, sie fallen nicht mit unsicherer Fahrweise auf oder bauen einen Unfall. Autofahrern drohen schon ab einem Promillewert von 0,5 ein Bußgeld, Punkte und ein Fahrverbot.

Anlass für die Debatte sind Zahlen über Radler-Unfälle. 2011 verunglückten nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) 3.725 Radfahrer nach dem Konsum von Alkohol. Damit standen rund 5 Prozent aller insgesamt verunglückten Zweiradfahrer unter Alkoholeinfluss. Die Zahl der unter Alkoholeinfluss getöteten Radfahrer geht aus der Statistik nicht direkt hervor.

Der ADFC plädiert dafür, den Richtwert für Radfahrer mit 1,1 Promille dem der absoluten Fahruntüchtigkeit für Autofahrer anzupassen. Allerdings gelte weiter: „Räder sind leichter zu fahren als Autos“, sagte ADFC-Sprecher René Filippek. Daher könne man nicht automatisch die Grenzwerte für Auto- und Radfahrer gleichsetzen.

Werde der Grenzwert zu niedrig angesetzt, "wird man Probleme mit der Akzeptanz kriegen", sagte der ADFC-Sprecher.

Die konkrete Erstellung eines "Verkehrslagebildes Radfahren im Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss" beschloss nun die Innenministerkonferenz der Länder. Im Vorfeld des Beschlusses hatte es eine heftige mediale Diskussion um einen möglichen neuen Grenzwert gegeben, ab dem das Fahrradfahren unter Alkoholeinfluss strafbar sein soll. Stellvertretend für diese Meinungen steht die Auffassung der Deutschen Verkehrswacht (DVW). Sie fordert die Senkung des Grenzwertes auf 1,1 Promille, weil ab 1,0 Promille der Kontrollverlust des Radfahrers einsetze und ab 1,1 Promille die Risikobereitschaft zunehme.

Viele Menschen in Deutschland würden nach Alkoholkonsum das Auto stehen lassen, aber zu „sorglos auf das Fahrrad steigen“, hatte Niedersachsens Ressortchef Pistorius zu Beginn der IMK gesagt. Zwar sei die direkte Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer durch betrunkene Radfahrer geringer als durch Autofahrer - die Selbstgefährdung sei dafür aber umso höher. Der Zeitung "Welt" sagte Pistorius, es sei jedoch nicht zielführend, die Marke auf den für Autofahrer geltenden Wert von 0,5 Promille herunterzusetzen. Aber darüber müsse mit Fachleuten geredet werden.

Bundesweiter Blitz-Marathon

Im Kampf gegen Raser auf der Straße verständigten sich die Innenminister und -senatoren der Länder außerdem auf einen bundesweiten Blitz-Marathon nach dem Konzept der NRW-Polizei. "Wir handeln bei der Verkehrssicherheit Hand in Hand. Die Unfallursache "Geschwindigkeit" macht nicht vor Ländergrenzen halt. Zu hohe Geschwindigkeit ist vielmehr überall in Deutschland der Killer Nummer eins", erklärte NRW-Innenminister Jäger. Der bundesweite Aktion soll voraussichtlich im Oktober stattfinden. Kennzeichen des Blitz-Marathons ist die Kombination von intensiver Kommunikation über die tödlichen Folgen von überhöhter Geschwindigkeit und einer angekündigten Kontrollaktion über 24 Stunden.

Der 24-Stunden-Blitz-Marathon ist ein Baustein in der langfristigen Strategie der NRW-Polizei gegen Geschwindigkeitsunfälle. "Wir bringen damit die Menschen zum Nachdenken und führen ihnen vor Augen, wie häufig sie ihr eigenes und das Leben anderer riskieren", hob Ralf Jäger hervor.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

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  • Die Kontrollen sind zu gering, da zum einen die Gefahren unterschätzt umd zum anderen anscheinend die Strafen zu niedrig sind. Ohne Regeln und wichtiger noch deren Kontrolle würde doch nur das Recht des Stärkeren gelten. Die Strafen sollten zudem individuell festgelget werden, damit sie jeden berühren und nicht einige sie weglächeln und die Portokase zücken. Aber effektive Anwendung von Kontrollen setzen auch Personal voraus und nicht nur Sparzwang von Politik und Kommunen. Ein einmaliger Blitzmarathon ist somit recht sinnlos, weil er nicht nachhaltig ist. Eine Senkung der Promillegrenzen hält nicht die Leute auf sich immer wieder betrunken hinter das Steuer zu setzen, wieder und wieder, also ist das vorsätzlich und bei der Gefahr für Leib und Leben der Mitmenschen somit nicht nur mit Geld zu bestrafen. Der Ansatz hier scheint mir richtiger.

  • Halte mich mittlerweile aus Geiz und Boshaftigkeit exakt an die Verkehrsregeln. Würden das alle tun, liefe die Abzocke ins Leere (nichts anderes sehe ich darin).

  • Wie wäre es, wenn man mal so einen Aufwand betreibt um andere gravierende Verkehrsverstöße zu verfolgen?
    Überholen des Abbiegeverkehs über Sperrflächen und durchgezogene Linien. Statt dessen zählt man an den Kreuzungen Jahrelang die Unfälle und Verkehstote. Sind genug beisammen, wird die Kreuzung von unserem Steuergeld aufwendig beampelt oder man baut eine Monsterauffahrt für zig Millionen.
    In der heutigen Zeit müsste an in der Lage sein zeitweise eine stationäre Videoüberwachung an Kreuzungsbereichen aufzustellen und solche Verstöße zu dokumentieren.
    Das würde uns viel Steuergeld sparen und es wäre bald weniger Verkehr da viele unfähige Autofahrer ihren Führerschein abgeben könnten.

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