Wirtschaftsfaktor Individualurlaub
Die rollende Freiheit der Wohnmobilisten

Seit knapp fünfzig Jahren findet der „Caravan Salon“ statt - und das mit Fug und Recht. Denn der Individualtourismus mit dem Wohnmobil hat sich zum millionenschweren Wirtschaftsfaktor gemausert.
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DüsseldorfAls die Deutschen vor rund 50 Jahren das Reisen für sich entdeckten, entschieden sich die einen für die Liegewagenzüge, die sie an Nord- und Ostseestrände, nach Bayern und sogar nach Italien, das Land ihrer Sehnsüchte, brachten. Die anderen zogen es in der Wiederaufbauphase vor, individuell zu reisen – mit Motorrad, Kleinwagen und dem Zelt immer dabei.

Als das Wirtschaftswunder sich ausbreitete, konnten sich viele Camper den Wunsch nach festeren eigenen vier Wänden auf vier Rädern erfüllen. Sie leisteten sich entweder ein „Haus am Haken“, den Wohnwagen-Anhänger (Caravan), oder aber sie entdeckten das Wohnmobil für sich. Unvergessen sind die ersten VW-Busse, die stolz von ihren Besitzern auf den Campingplätzen abgestellt wurden und ein bisschen mehr Wohnkomfort als auch das größte Zelt boten.

Aus den Anfängen in den 50er-Jahren entwickelte sich eine Urlaubsbewegung der Individualisten – nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Nach Schätzungen des Caravaning Industrie Verbands (CIVD) gibt es heute über 400.000 zugelassene Wohnmobile in Deutschland. In Europa sollen es 1,35 Millionen sein. Der Reisemobiltourismus hat sich längst zum millionenschweren Wirtschaftsfaktor entwickelt.

Die Messe Essen hatte den Trend früh erkannt. 1962 veranstaltete sie den ersten „Caravan Salon“. Er lockte 34.500 Besucher auf das Essener Messegelände, wo 61 Aussteller aus acht Ländern auf 15.000 Quadratmetern Caravans und Zubehör präsentierten. „Ich kann mich noch erinnern, dass Messebesucher auf den Stand kamen, die zwar begeistert von der Idee des mobilen Reisens waren, selbst aber noch kein Auto besaßen“, blickt Erwin Hymer, Gründer und Hauptaktionär der Hymer AG und Ehrenpräsident des Caravaning Industrie Verbands auf der Webseite der Düsseldorfer Messe zurück. In den 90er-Jahren wechselte der „Caravan Salon“ den Standort, von der Ruhr an den Rhein.

Die Branche nahm eine stürmische Entwicklung. 1994 stieß der Messeplatz Essen endgültig an seine Grenzen; der „Caravan Salon“ zog weiter nach Düsseldorf. Im vergangenen Jahr trafen sich nach Angaben der Messe Düsseldorf 171.000 Caravaning-Begeisterte. Insgesamt präsentierten 580 Aussteller aus 36 Ländern ihre Produkte – vom Caravan und Reisemobil über Zubehör, Zelte und ganze Mobilheime. Auf der 50. Veranstaltung, die vom 27. August bis zum 4. September 2011 stattfindet, sind 571 Aussteller. Die Düsseldorfer Messe rechnet mit mehr als 160.000 Besuchern.

Die Messe findet in einem positiven Umfeld statt. Die Wohnwagen- und Reisemobilbranche profitiert von dem guten Konsumklima. Die Zulassungszahlen von Caravans und Reisemobilen in Deutschland haben nach Angaben des Verbands CIVD in den ersten sechs Monaten 2011 „erheblich an Dynamik gewonnen“. Die Caravanproduktion habe um 5,6 Prozent auf 22907 Einheiten zugenommen. Deutlich stärker wuchs der Bereich der Reisemobile. Mit 20411 Fahrzeugen stieg die Produktion um 26,4 Prozent. „Diese Entwicklung hat niemand in der Branche erwartet“, sagte Hans-Karl Sternberg, Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verbands (CIVD) im Vorfeld der Messe.

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