Zwölfzylinder
Laufruhe und Leistung statt Downsizing

Die Krönung im Motorenbau ist seit jeher der Zwölfzylindermotor. Die unvergleichliche Laufruhe und gleichmäßige Leistungsentfaltung lockt seit fast 100 Jahren ein solventes Autopublikum.
  • 0

DüsseldorfDen ersten Zwölfzylindermotor pflanzte 1916 der amerikanische Hersteller Packard unter die Motorhaube eines Autos. Das Motorenkonzept hatte im Ersten Weltkrieg als leistungsstarker Antrieb für Flugzeuge einen enormen Aufschwung erlebt. In den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts wollte kaum ein namhafter Hersteller auf den prestigeträchtigen Antrieb verzichten. Trotz der dramatischen Wirtschaftssituation stellte in Deutschland Maybach 1929 den ersten Wagen mit Zwölfzylinder vor, Horch folgte 1931.

Die Anordnung von zwölf Verbrennungseinheiten in V-Form zu jeweils sechs Zylindern pro Bank erfolgte nicht nur aus Gründen des Prestiges, sondern bringt auch aus technischer Sicht Vorteile. Ein Zwölfzylinder läuft beispielsweise frei von sogenannten "Massenkräften". Das sind Kräfte, die in kleineren Motoren durch Kolbenbewegungen entstehen, die sich unterschiedlich auf den Kurbeltrieb abstützen und damit Schwingungen erzeugen.

Diese Schwingungen belasten den Motor und mindern den Laufkomfort. Darüber hinaus gewährleisten Zylinder im Dutzend Drehfreudigkeit und gleichmäßige Leistungs- und Kraftentfaltung. Dem stehen in erster Linie der hohe mechanische Aufwand, das Gewicht und der hohe Verbrauch als Nachteile gegenüber.

Nach dem Zweiten Weltkrieg strichen alle Hersteller die Zwölfzylinder aus dem Programm. Alle bis auf den italienischen Ex-Rennfahrer, Vorkriegs-Teamchef von Alfa Romeo und mittelständischen Maschinenbauer Enzo Ferrari. Der ließ 1947 einen revolutionären Rennwagen bauen. Sein Ferrari 125 C zeichnete sich durch einen V12-Motor mit gerade einmal 1,5 Liter Hubraum aus.

Die Maschine ermöglichte eine erstaunliche Drehfreudigkeit bei gleichzeitiger Standfestigkeit. Der V12 erwies sich als so ausbaufähig, dass er es auf vier Liter Hubraum und 340 PS Leistung brachte.

Das weltweite Ferrari-Monopol für Zwölfzylinder-Sportwagen unterbrach ab 1963 der italienische Unternehmer Ferruccio Lamborghini, ein unzufriedener Ferrari-Kunde, der einfach bessere Zwölfzylinder-Sportwagen bauen wollte. Während die italienischen V12-Pretiosen nur in homöopathischen Stückzahlen entstanden, entwickelte Jaguar für seinen E-Typ ab 1971 einen ganz neuen V12, erstmals komplett aus Leichtmetall. Mit dem 272 PS starken Motor wollten die Briten in erster Linie den amerikanischen Markt beglücken.

Um die Kosten des Antriebs durch hohe Stückzahlen weiter zu senken, folgte 1972 der nächste Schritt. Der Jaguar XJ erschien als erste Limousine nach dem zweiten Weltkrieg mit dem unveränderten V12 des E-Type.

Allerdings dämpfte die erste Ölkrise von 1973 nachhaltig die Lust der Verbraucher an den trinkfesten Zwölf-Endern. Trotzdem hielt Jaguar an dem Motorkonzept fest. 1987 wollte BMW als erste deutsche Premiummarke ihre 1986 neu vorgestellte Siebener-Reihe mit einem Zwölfzylinder krönen. Der 750i bot einen V12 mit fünf Liter Hubraum, der souveräne 300 PS leistete und das Firmenmoto "Freude am Fahren" mit ganz neuen Werten füllte. Der überwältigende Erfolg des Modells ließ Konkurrent Mercedes nicht ruhen.

Seite 1:

Laufruhe und Leistung statt Downsizing

Seite 2:

Kommentare zu " Zwölfzylinder: Laufruhe und Leistung statt Downsizing"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%