Diesel-Affäre bei Daimler
Was der Diesel-Rückruf für Mercedes-Kunden bedeutet

Drei Millionen Diesel-Autos ruft Daimler in die Werkstätten, um ihnen zu hohe Stickoxidemissionen auszutreiben. Was etwa 70 Euro pro Fahrzeug bewirken können, wer betroffen ist, und wie es weitergeht.
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DüsseldorfNach neuen Vorwürfen in der Dieselaffäre und unter dem Druck der Diskussion über Fahrverbote weitet Daimler die schon laufende Nachrüstaktion für Diesel-Pkws massiv aus. Die laufenden „Servicemaßnahmen“ würden auf über drei Millionen Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz ausgedehnt, teilte der Stuttgarter Konzern am Dienstag mit.

Die Aktion für nahezu alle Dieselmotoren mit den Abgasnormen Euro 5 und auch der neuesten Euro 6 „werden in enger Zusammenarbeit mit den deutschen Zulassungsbehörden durchgeführt“. Mercedes muss – auf Anweisung des Kraftfahrt-Bundesamts – bereits seit Frühjahr 2016 mehr als 270.000 Fahrzeuge zurückrufen und die Abgasbehandlung nachbessern. Die deutliche Ausweitung der Nacharbeiten kommt nach Druck aus der Politik, Fahrverbote im Kampf gegen zu schlechte Luftwerte in Innenstädten zu verhängen.

Die gesamten Kosten für die Maßnahme beziffert Daimler auf rund 220 Millionen Euro, also rund 70 Euro pro Fahrzeug. Die wichtigsten Fragen und Antworten in diesem Zusammenhang im Überblick:

Was wird Daimler vorgeworfen?

Die Stuttgarter stehen unter Verdacht, dass auch ihre Dieselmodelle deutlich mehr Stickoxide ausstoßen als bislang vermutet. Neben dem US-Justizministerium ermittelt seit diesem Jahr auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen des Verdachts auf Betrug, den der Konzern vehement bestreitet. Erst in der vergangenen Woche sickerte durch, dass die Ermittler mehr als eine Million manipulierte Motoren bei Mercedes vermuten. Daimler weist den Vorwurf zurück und verweist darauf, dass alle Autos in der Vergangenheit eine legale Zulassung erhalten hätten.

Um welche Autos geht es eigentlich?

Grob gesagt: Um ziemlich viele. Um genauer zu sein: Betroffen vom laufenden Rückruf sind zwei Turbodiesel-Modellfamilien, die intern mit OM (für Öl-Motor) abgekürzt werden: der OM 642, ein V6-Turbodiesel mit drei Liter Hubraum und der Vierzylinder OM 651 mit 1,8 oder 2,1 Liter Hubraum.

Diese Triebwerke kamen und/oder kommen in sehr vielen Mercedes-Modellen zum Einsatz, teilweise sogar in Chrysler-Modellen wegen der früheren Kooperation. Bei Mercedes betroffen sind nach gleichlautenden Informationen von „Autobild“ und „SZ“ unter anderem die Baureihen W 204, W 211, W 212, W 246, C 218, W 221, W 251, W 164, X 204 und W 166 sowie bei den Nutzfahrzeugen die Baureihen 639 und 906.

Der bereits im Jahr 2005 in der C- und E-Klasse eingeführte V6-Turbodiesel (OM 642) steckt in der M-, R-, G-, GL- und S-Klasse, außerdem im GLK, CLK und CLS sowie den Vans Vito und Viano und im Sprinter. Beim OM 651 sind A-, B-, CLA- und GLA-Klasse betroffen, ebenso SLK-Roadster, S-Klasse, Vito, V-Klasse und Sprinter. Auch in seinen Hybridmodellen setzt Mercedes den OM 651 ein.

Von dem Rückruf ausgeklammert sind lediglich die Fahrzeuge mit der modernsten Motorengenerationen OM 654. Diese werden laut Daimler-Chef Dieter Zetsche auch zukünftige Emissionsstandards erfüllen können.

Um welche Modellvarianten genau es bei der aktuellen Ausweitung des laufenden Rückrufs geht, hat Daimler bislang nicht veröffentlicht, obwohl genau dies ja für Halter interessant wäre, die sich auf Werkstatttermine und mögliche drohende Wertverluste einstellen müssen.

Wie erkenne ich, ob mein Modell betroffen ist?

Entweder warte ich den Brief des Herstellers beziehungsweise der Werkstatt ab, oder ich schaue direkt am Auto nach. War die Motornummer früher noch fester Bestandteil der Zulassungspapiere, so sucht man heute dort vergeblich. Am sichersten ist es also, die Motornummer direkt vom Motor abzulesen. Dies kann jede Werkstatt bei Ihrem nächsten Besuch übernehmen. Im Serviceheft des Fahrzeugs wird die Motornummer ebenfalls vermerkt. Man sollte sie aber nicht mit der Fahrzeugidentifikationsnummer verwechseln, umgangssprachlich Fahrgestellnummer genannt.

Link zum Thema: Welches Mercedes-Modell mit welchem Motor unterwegs ist

Wie geht es für betroffene Kunden weiter?

Halter betroffener Fahrzeuge werden bei freiwilligen Rückrufaktionen, und um eine solche handelt es sich zurzeit, üblicherweise vom Hersteller direkt angeschrieben und gebeten, sich mit ihrer Vertragswerkstatt wegen eines Termins in Verbindung zu setzen. Auf seiner Facebook-Seite kündigt Mercedes-Benz genau das auf Nachfrage von Nutzern an: „Sollte Ihr Fahrzeug von unserem Zukunftsplan für Diesel-Antriebe betroffen sein, werden Sie darüber in Kürze auf dem Postweg informiert.“

Die Autos erhalten dann eine neue Software, die für niedrigere Stickoxidemissionen sorgen sollen. Die Umsetzung der Nachbesserung wird sich auch wegen der Menge der betroffenen Fahrzeuge bis weit in das kommende Jahr ziehen. Die rund einstündige Maßnahme soll für Kunden kostenlos sein, verspricht der Hersteller, den das Ganze mindestens 220 Millionen Euro kosten wird. Was angesichts eines Milliardengewinns und Rekordzahlen beim Absatz allerdings für den Konzern leicht zu verkraften sein wird.

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Was der Diesel-Rückruf für Mercedes-Kunden bedeutet

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Warum man bei der „freiwilligen“ Aktion mitmachen sollte

Kommentare zu " Diesel-Affäre bei Daimler: Was der Diesel-Rückruf für Mercedes-Kunden bedeutet"

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  • Und reist Zetsche noch International? Der nächste Haftbefehl aus den USA kommt bestimmt.

  • sorry.....hier geht´s weiter....

    ....und sichere "Abzokke"?......auf schnellste Weise....ohne große Anstrengungen.....die Kapital-Vermehrung vorzunehmen.....

    .....auf den regelmäßigen Treffen.....der Motoren-Päpste....an der TH Aachen....hätte man schon längst einen Wunder-Motor der neuesten Prägung hätte vorstellen können.....

    Warum eigentlich nicht?.......

  • ......ich habe einmal......zu einem früheren Zeitpunkt gelesen......daß der Diesel-Motor zuverlässig sauber zu bekommen sei.....die Kosten dafür aber angeblich zu hoch würden....sodaß die Vorteile des Diesel-Kraftstoffs.....durch Ersparnis + Preis ...gegenüber dem Benzin-Preis dahin wären.....

    ....wird es einfach so daher gesagt......ohne einen wirklichen Versuch.....und Entwicklung zu starten.....man denke nur an den Mulitplikator.....bedeutet die Übernahme dieser Patente....auf alle Diesel-Verbrenner-Hersteller in der Welt.....

    ....wo ist Bosch....wo sind die anderen Strategen.....der deutschen Ingenieur-Kunst?.....hätte doch schon längst ein Patent.....und einen nachfolgenden Wagen mit einem Diesel-Motor....der allerfeinsten Sorte.....auf der Straße stehen müssen....und so packt man sich an den Kopf.....und fragt sich.....sind wir müde geworden.....oder denken diese Firmen.....nur noch an die einfache

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