Gebrauchtauto-Beurteilung
Zehn Tipps für private Auto-Checker

Vom schönen Schein eines Gebrauchten dürfen sich Kunden nicht blenden lassen. Eine gute Optik bedeutet nicht, dass ein Auto technisch top in Schuss ist. Viele Mängel lassen sich ohne Schrauberwissen aufspüren.
  • 0

MünchenDer Lack glänzt wie neu, die Sitzpolster sind fleckenfrei und die Armaturen makellos. Dass dieser Gebrauchtwagen vier Jahre alt ist und rund 50 000 Kilometer auf dem Tacho hat, sieht man ihm nicht an. Der Kunde ist Feuer und Flamme, würde das Geschäft am liebsten sofort per Handschlag besiegeln. Doch langsam: Im hübschen Blechkleid könnte ein technisches Wrack stecken. Wie sich gute Gebrauchte von aufpolierten Autogurken unterscheiden lassen, erklären Experten von TÜV Süd, ADAC und der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ).

Kaufvorbereitung: Möglichst präzise Vorstellungen von Fahrzeugmodell, Baujahr und Preis erleichtern die Suche nach einem guten Wagen aus zweiter Hand. Bei der Vorauswahl ist das Internet nützlich: Autotests auf den Webseiten der Fachpresse und Erfahrungsberichte in Foren wie Motor-Talk oder Autoplenum bieten Orientierungshilfe.

Welche typischen technischen Schwächen einzelne Automodelle haben, lässt sich zum Beispiel in der Pannenstatistik auf der Homepage des ADAC oder im jährlich erscheinenden TÜV-Report nachlesen. Auf Online-Fahrzeugmärkten lassen sich übliche Preise für einen Wunschwagen ermitteln. Handelsblatt Online berichtet einmal wöchentlich am Wochenende über je eine Modellreihe im Gebrauchtauto-Check.

Fahrzeugbesichtigung: Ist ein passender Gebrauchter gefunden, sollten sich Kunden reichlich Zeit für die Fahrzeugbesichtigung nehmen. Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden.

Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann ist klar, dass die Leuchten schon einmal ausgewechselt wurden - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen: Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube: Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche: Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen.

Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Kommentare zu " Gebrauchtauto-Beurteilung: Zehn Tipps für private Auto-Checker"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%