Leser fragen – Experten antworten
Automatikgetriebe kämpfen mit alten Vorurteilen

Dem Automatikgetriebe eilt noch immer der Ruf voraus, unsportlich zu sein und den Verbrauch zu steigern – zu Unrecht. Sind sie doch heutzutage in einigen Disziplinen den Handschaltern überlegen.
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Frage: Ich möchte mir ein neues Auto kaufen und überlege, ob es ein Modell mit Automatik werden sollte. Allerdings meint mein Nachbar, das würde den Verbrauch in die Höhe treiben, stimmt das?

Antwort von Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeug-Experte der Sachverständigen-Organisation KÜS: Die Informationen Ihres Nachbarn sind nicht ganz auf Höhe der Zeit. Vor vielen Jahren waren Automatikgetriebe tatsächlich vor allem etwas für schaltfaule Autofahrer, die zugunsten von weniger Schaltarbeit einige Nachteile in Kauf nahmen. Wie zum Beispiel eine träge Beschleunigung oder den angesprochenen verstärkten Durst des Fahrzeugs. Heute stimmt das höchstens noch für betagte Vierstufenautomaten.

Die Automatikgetriebe, mit denen die neuen Fahrzeugmodelle etwa in den vergangenen zehn Jahren ausgestattet wurden, verkehren die Vorurteile sogar häufig ins Gegenteil. Viele Autos mit Automatik sind sparsamer als die gleichen Modelle mit Handschaltung. Zudem liegen beispielsweise die Beschleunigungswerte aus dem Stand auf Tempo 100 häufig unter denen der Schaltautos.

Die Unterstützung leistungsfähiger Computer macht es möglich, dass der Automat die optimalen Schaltpunkte wählt – sei es, dass er zum Beschleunigen die Gänge ausfährt oder zum Spritsparen besonders früh hoch schaltet. Die Spreizung der Gänge, als das Verhältnis von kleinstem zum größten Gang, ist heute deutlich höher als früher, so kann der Motor immer häufiger  im optimalen Wirkungsgrad betrieben werden. Der Fahrer merkt kaum etwas von dem schnellen und geschmeidigen Gangwechsel.

Einen Nachteil hat das Automatikgetriebe dennoch: Es macht das Auto um einiges teurer. Dass ein Autobauer dafür 3.000 Euro mehr aufruft als für das gleiche Modell mit Handschaltung ist keine Seltenheit. Aus diesem Grund hat sich der Automat vor allem in den oberen Fahrzeugklassen etabliert, nicht aber bei Klein- oder Kompaktwagen.

Kommentare zu " Leser fragen – Experten antworten : Automatikgetriebe kämpfen mit alten Vorurteilen"

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  • Früher galt die Automatik ja als "unsportlich" (Was ist daran sportlich, "im Benzin zu rühren"?). Heute ist sie gerade bei Stop'n go Verkehr in Ballungszentren sehr angenehm und nervenschonend. Der Spritmehrverbrauch ist schon seit vielen Jahren kein Faktor mehr.
    Nachteile hat sie m.E. bei sehr kritischen Straßenverhältnissen. Da ist das intuitive Handeln eines erfahrenen(!!!) Autofahrers m.E. überlegen. Fragt sich, wie lange noch.

  • 3.000,- € Mehrpreis sind mittlerweile passe´.
    Für untere und mittlere Fahrzeugklassen muss man in der Regel von ca. 1.500,- bis 1.900,- € Aufpreis zahlen.

    Und immer öfter rechnet sich dieser Mehrpreis durch höhere Preise im Falle eines Wiederverkaufs.
    Auch bei klieneren Modellen!!!

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