24h von Le Mans
Diesel-Duell an der Sarthe

Am Wochenende findet in Le Mans das traditionelle 24-Stunden-Rennen statt. Es läuft wohl wieder auf einen Zweikamp zwischen Audi und Peugeot heraus. Dieses Jahr müssen sich beide mit ihren neuen Autos beweisen.
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DüsseldorfDiese Erfolgsbilanz von Audi kann sich sehen lassen: Neun Siege in zwölf Rennen. Zieht man das Lehrjahr 1999 und den Sieg von Bentley 2003 (der ein umgebauter Audi R8 unter anderem Namen war) ab, klingt die Statistik noch beeindruckender. Einzig der Sieg von Peugeot 2009 lässt sich nicht schönrechnen. Auch in diesem Jahr wird das Duell zwischen diesen beiden Teams das Rennen bestimmen.

Doch die Prognosen gestalten sich dieses Jahr schwieriger, denn das Reglement wurde stark geändert. Mit neuen Vorschriften für die Motoren wollten die Veranstalter die Leistung begrenzen. Audi musste sich also von dem V10-Diesel mit ungefähr 600 PS verabschieden, der V12-Selbstzünder von Peugeot, der bis zu 700 PS geleistet haben soll, wandert ebenfalls zum Altmetall.

Geschlossene Autos im Vorteil

Beide setzen in diesem Jahr auf deutlich kleinere Dieselmotoren mit rund 3,7 Litern Hubraum, die Leistung sinkt auf ungefähr 550 PS. Bei Audi hatte das weitreichende Folgen. Erstmals seit 1999 treten die Ingolstädter mit einem geschlossenen Rennwagen an der Sarthe an. "Wir mussten über einen reduzierten Luftwiderstand gehen, weil jetzt in Le Mans die Motorleistung reduziert wird und die Streckencharakteristik noch immer von Geraden und Höchstgeschwindigkeit dominiert wird, dann ist ein geschlossenes Fahrzeug effizienter als ein offenes", sagt Martin Mühlmeier, Leiter Technik bei Audi Sport. Zudem ist noch ein weiterer großer Vorteil der Roadster weggefallen: der schnelle Boxenstop. Da immer weniger Mechaniker in der Boxengasse an dem Fahrzeug arbeiten dürfen, dauert ein Reifenwechsel deutlich länger als früher. Auf einen schnellen Fahrerwechsel kommt es in Le Mans nicht mehr an, da die Mechaniker sowieso langsamer sind. In der Summe überwiegen die Vorteile des geschlossenen Autos auf der Strecke gegenüber den Roadstern.

Eine weitere optische Neuheit bei den Wagen der LMP1-Klasse ist die große Seitenflosse, die das Regelwerk vorschreibt. Sie soll helfen, bei Drehern die Geschwindigkeit schneller abzubauen.

Ausgang ungewiss

Doch das neue Motorenreglement kann die Entwicklung in anderen Bereichen nicht einbremsen. Bei den offiziellen Testfahrten Ende April legten die Audis Rundenzeiten von 3:27min hin, die Peugeots lagen nur knapp dahinter. Dabei wollten die Veranstalter die Autos eigentlich so stark reglementieren, dass sie mindestens 3:30min für die 13,6km lange Strecke benötigen. Audi-Pilot Allan McNish hat sich dazu seine eigenen Gedanken gemacht. "Die Rundenzeiten in Le Mans 2010 waren auf dem gleichen Niveau wie früher mit 1.000-PS-Autos ohne Schikanen. Wir sind auf den Geraden längst nicht so schnell, fahren aber trotz der zusätzlichen Kurven die gleichen Zeiten. Da kann man mal sehen, was sich bezüglich Aerodynamik, Straßenlage und Reifen getan hat."

Ein weiterer Faktor ist das Gewicht. Zwar muss ein LMP1-Wagen mindestens 900 Kilogramm auf die Waage bringen, aber es ist für das Fahrverhalten entscheidend, wie dieses Gewicht im Auto verteilt ist. Nicht nur der großzügige Einsatz von Kohlefasern helfen beim Leichtbau, auch der kleinere Motor ist ungefähr 25 Prozent leichter als sein Vorgänger.

Das erste Aufeinandertreffen der beiden Prototypen von Audi und Peugeot gab es dieses Jahr bei dem 1.000-Kilometer-Rennen in Spa-Francochamps. Am Start lagen noch alle drei Audis vorne, doch letztendlich fuhren die beiden Peugeot einen Doppelsieg ein. Audi kam auf den Plätzen 3 bis 5 ins Ziel.

Erstmals seit vier Jahren startet am Samstag wieder ein Audi vom ersten Platz. In einem engen Abschlusstraining erwischte der Audi R18 mit der Startnummer 2 von Benoît Tréluyer, Marcel Fässler und André Lotterer mit 3:25,738 Minuten die beste Runde. Der Audi mit der Nummer 1 war auf der 13,6 Kilometer langen Strecke gerade einmal 61 Tausendstel langsamer. Der beste Peugeot auf Rang 3 hatte 0,272 Sekunden Rückstand. Ärgerlich für Peugeot: Der Wagen wurde in der letzten Schikane vor der Ziellinie von einem langsameren Fahrzeug aufgehalten, nachdem er in den ersten beiden Sektoren jeweils noch Bestzeiten hingelegt hatte.

Die Generalprobe in Spa spricht für die Franzosen, die Testtage in Le Mans und die Qualifikation für die Ingolstädter. In einem Langstreckenrennen ist allerdings nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Standfestigkeit ein wichtiger Faktor. "Le Mans ist eines der drei wichtigsten Rennen, die es auf der Welt gibt. Dass man dabei fast die Distanz einer ganzen Formel-1-Saison an einem einzigen Wochenende mit ein und demselben Auto ohne technische Änderungen absolviert, macht das Ganze so spezifisch“, betonte Audi-Motorsportdirektor Wolfgang Ullrich der Nachrichtenagentur dpa. Das Rennen bleibt also spannend.

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