Airbagsysteme für Motorradfahrer
Funk schlägt Reißleine

Wirkungsvolle Schutzsysteme für Motorradfahrer zu entwickeln, ist höchst kompliziert, weil die Bewegungen des Fahrers beim Crash nur schwer vorauszuberechnen sind. Der ADAC hat nun Airbag-Westen getestet.
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MünchenWährend sich die passive Sicherheit in den letzten 10 Jahren bei Pkw sehr stark verbessert hat, zeigt eine vergleichbare Entwicklung beim Zweirad deutlich weniger Dynamik. Die besondere Schwierigkeit für einen Airbagschutz beim Motorrad: Durch das vielfältige mögliche Unfallgeschehen bewegt sich der Fahrer nur schwer vorhersehbar, vielfach wird er unkontrolliert vom Fahrzeug geschleudert.

Der ADAC hat deshalb Airbagwesten, die auf den Markt sind, getestet: mit funkgesteuerter Auslösung und mit Auslösemechanismus mittels Reißleine. Die Schutzsysteme direkt am Körper des Motorradfahrers sind die bislang beste Möglichkeit, schwerste und tödliche Verletzungen zu verhindern oder zumindest zu reduzieren.

Die Dainese D-air Street (749 Euro zuzüglich 459 Euro M-Kit) ist eine Airbagweste, die per Funk ausgelöst wird. Das M-Kit, bestehend aus Sensoren und der elektronischen Zentraleinheit, wird fest an der Maschine installiert. Von dort wird bei einem ernsten Unfall das Zündsignal an den Gasgenerator in der Weste gefunkt. Das System reagierte im Test extrem schnell und stellt bereits 45 Millisekunden nach dem Anstoß einen voll wirksamen Airbag bereit.

Es ist leicht zu handhaben, kann mit vorhandener Schutzkleidung kombiniert werden und hat ein hohes Schutzpotenzial an Rücken und Brust. Obwohl die Airbags nach einer Auslösung wieder in Stand gesetzt werden müssen und das System nur an der Maschine wirksam ist, an der das M-Kit verbaut ist, erhielt das Dainese-System das ADAC Urteil "sehr gut".

Das zweite System im Test war das Helite AirNest Jacket (549 Euro). Die konventionelle Airbagweste wird mittels Reißleine aktiviert, die vor der Fahrt am Motorrad fixiert werden muss. Auch dieses System reagierte im Crash relativ schnell, das Schutzpotential war ebenfalls hoch. Da es aber beim Primäranprall am gegnerischen Fahrzeug noch nicht wirksam ist, vergaben die Tester das Urteil "gut".
Der ADAC empfiehlt allen Motorradfahrern, Bekleidungen mit schnell wirksamen Airbagsystemen zu tragen, um so bei Kollisionsunfällen Thorax-Verletzungen zu vermeiden - nach Kopfverletzungen die zweithäufigste Todesursache bei Motorradunfällen. Die Hersteller der funkgesteuerten Schutzsysteme sollten daran arbeiten, die Elektronikkomponenten bereits bei der Fahrzeugherstellung zu integrieren.



Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

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