Auto
VW Tiguan: Der Golf fürs Grobe

Hamburg (dpa-infocom) - Es hat zwar etwas länger gedauert. Doch jetzt reitet auch VW mit einem kompakten Geländewagen auf der SUV-Welle. Denn als kleiner Bruder des Touareg kommt im November der Tiguan auf den Markt.

Hamburg (dpa-infocom) - Es hat zwar etwas länger gedauert. Doch jetzt reitet auch VW mit einem kompakten Geländewagen auf der SUV-Welle. Denn als kleiner Bruder des Touareg kommt im November der Tiguan auf den Markt.

Das Feld „von hinten aufrollen“

Dass VW mit dem ersten kleinen Sports Utility Vehicle (SUV) seit dem Kübelwagen spät dran ist, wissen die Manager selbst. Schließlich wächst der Marktanteil dieser Fahrzeuge schon seit Jahren. „Wir hätten das Auto gerne schon früher angeboten“, räumt deshalb auch Vertriebsvorstand Michael Kern ein. „Aber Priorität hatten Golf, Golf Plus und Passat.“ Jetzt müsse der Tiguan das Feld eben „von hinten aufrollen“, sagt Kern und hofft auf eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie beim Touareg. Auch er kam Jahre später und fuhr seine Konkurrenten trotzdem in Grund und Boden.

8 000 Euro günstiger als der BMW X3

Damit das auch dem Tiguan gelingen kann, hat VW den Golf-Neuling nicht nur laut Kern mit einer „Wundertüte voller technischer Highlights“ bestückt und ihm neben ESP und sechs Airbags zum Beispiel ein riesiges Panoramadach, eine Rückfahrkamera oder den ersten Parkassistenten in einem Geländewagen eingebaut. Sondern vor allem wurde der Preis aggressiv kalkuliert: Er beginnt bei 26 700 Euro und liegt damit etwa 3 000 Euro über einem Allrad-Golf. Vom Hauptgegner Toyota RAV-4 trennen ihn dagegen nur 100 Euro, vom einzigen deutschen Konkurrenten BMW X3 aber fast 8 000 Euro.

20 Zentimeter länger als ein Golf

Während VW den Touareg völlig neu entwickelt hat, ist der Tiguan eigentlich ein Golf fürs Grobe. Allerdings ist er bei einem nahezu unveränderten Radstand von 2,60 Metern gut 20 Zentimeter länger als sein Plattform-Bruder. Auch in Breite und Höhe haben die Designer dem Geländegänger ein paar Zentimeter spendiert. Von außen betrachtet, lässt das den 4,43 Meter langen Wagen satt auf der Straße stehen. Und innen schafft das etwas mehr Freiheit für Kopf und Schultern. Außerdem genießt man mit der höheren Sitzposition jene Übersicht, derentwegen Geländewagen auch diesseits der Wildnis geschätzt werden.

Abschied vom Elan der Studien

Mit seinem nüchternen und klaren Design vereint der Tiguan Stilelemente von Touareg, Passat und Golf und nimmt damit Abschied vom verwegenen Flair der zwei Studien, mit denen VW das Publikum auf den Newcomer eingestimmt hatte. Trotzdem brechen die Niedersachsen immerhin mit ein paar Konventionen und bieten den Tiguan mit zwei Gesichtern an: Wer die Ausstattungsversion „Track & Field“ bestellt, bekommt deshalb eine für steilere Anstiege modifizierte Frontpartie, die ein auffälliger Unterfahrschutz zum Alltags-Abenteurer stempelt.

Innen so variabel wie der Golf Plus

Die Nähe zur Großserie zeigt auch das Innenleben, das weitgehend vom Golf Plus übernommen wurde. Wie dort kann deshalb die geteilte Rückbank nicht nur in der Neigung verstellt, sondern auch in der Länge verschoben werden, um das Kofferraumvolumen von 470 auf 505 Liter zu steigern. Mit umgeklappten Sitzen schluckt der Tiguan 1 510 Liter. Wem das nicht reicht, der kann auf einem Anhänger bis zu 2,5 Tonnen an den ausklappbaren Haken nehmen.

Erstmals nur aufgeladene Motoren

Unter der hohen Haube bietet VW erstmals in dieser Liga nur aufgeladene Vierzylinder an. Bei den Benzinern haben die Kunden die Wahl zwischen einem 1,4-Liter mit 110 kW/150 PS und einem 2,0-Liter, der 125 kW/170 PS oder 147 kW/200 PS leistet. Wer lieber Diesel tankt, bekommt den ersten Wolfsburger Vierzylinder mit Common-Rail- Technik, der aus zwei Litern Hubraum 103 kW/150 PS oder 125 kW/170 PS schöpft und in der schwächeren Version auf einen Durchschnittsverbrauch von 7,2 Litern kommt. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 189 Gramm pro Kilometer. Zum Start gibt es aber nur die Einstiegsmotoren, die stärkeren werden später nachgereicht.

Handlich, aber schwach im Antritt

Obwohl der Tiguan schwerer und größer ist als der Golf, fährt er sich ausgesprochen handlich. Auch enge Kurven durchmisst er deshalb präzise und mühelos. Nur wirkt der kleine Benziner beim Anfahren etwas angestrengt, bis Kompressor und Turbolader jenseits von 2000 Touren genügend Druck machen. Dann macht der kleine Motor aber selbst im großen Auto eine gute Figur. Und wen der zaghafte Start stört, der kann ja den Diesel kaufen oder auf die stärkeren Benziner warten.

Für das Abenteuer gerüstet

Dass der Tiguan mit serienmäßigem Allradantrieb, einer Offroad-Programmierung für die Assistenzsysteme und einer Navigation, die ohne Landkarte wieder in die Zivilisation findet, auch für Ausritte abseits der Straße gerüstet ist, mag die Ingenieure begeistern. Den Kunden wird es egal sein: „95 Prozent von ihnen“, sagt VW-Sprecher Hans-Gerd Bode, „werden wohl nie ins Gelände fahren.“

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