Blick ins einzige Museum für Abschleppwagen
Die Abschlepper von Chattanooga

Abschleppwagen sind eine zwiespältige Sache: Bei einer Autopanne im Regen erscheinen sie als Segen, für Falschparker sind sie eher ein Fluch. Doch das kümmert George Connolly aus dem US-Bundesstaat Tennessee kaum. Der altgediente Abschleppwagenfahrer vergöttert Abschlepper aller Art, und er ist Präsident des einzigartigen Museums für Abschleppwagen in.

dpa WASHINGTON. „International Towing and Recovery Museum and Hall of Fame“ heißt etwas hochtrabend der schmucklose kleine Flachbau im Industriegebiet der Kleinstadt. Am Eingang gibt es Spielzeugautos und allerlei buntes Zubehör zu kaufen. Aber im teppichbezogenen Hinterzimmer der Ruhmeshalle sind 17 blank geputzte Schmuckstücke geparkt - Vorgänger des heutigen Abschleppwagens.

In der ehemaligen Eisenbahnerstadt war 1913 zum ersten Mal ein Auto an den Haken genommen worden - vom „Locomobile“, einem eleganten Oldtimer, dessen Heck zur Abschleppvorrichtung umgerüstet wurde. „Das seinerzeit für 6000 Dollar gebaute Auto ist der älteste Abschleppwagen der Welt“, versichert Connolly mit rauer Stimme und stellt stolz die antiken Prunkstücke der Sammlung vor. „Bubble Nose“ wird der rot-weiße, 60 Jahre alte Laster mit der dicken Nase liebevoll genannt. Ein alter Chevy-Schlepper schrumpft neben einem riesigen Militär-Laster zum Zwerg. Glänzende Automobile mit komplizierten Kabelzügen lassen jahrzehntealte Geschichten von der Rettung liegen gebliebener Automobile plastisch werden.

„Wenn man den Job als Abschleppwagenfahrer mal eine Weile gemacht hat, dann muss man ihn einfach mögen“, sagt Conolly brummend. „Oder wer verlässt morgens um 3.00 Uhr freiwillig das warme Bett, um bei Wind und Wetter einem Autofahrer aus dem Graben zu helfen?“ Aber es gibt auch eine andere Seite: Immer wieder werden professionelle Abschlepper bei ihrer Arbeit auf dem Highway angefahren. „Da kommt ein Laster aus dem Nichts und reißt dich um“, beschreibt Conolly diese Unfälle. „Du wirst einfach über den Haufen gefahren.“ Viele Kumpel habe er auf diese Weise schon verloren.

Es gibt keine exakten Opferzahlen, aber zum Gedenken an jene, die im Abschleppgeschäft ihr Leben ließen, hat das Museum eine Wand mit den Namen von Todesopfern errichtet. Einmal im Jahr werden sie anlässlich der Abschleppfeier in Chattanooga verlesen, und für die Hinterbliebenen wurde ein Spendenfonds eingerichtet. „Seit Ende der 80er Jahre sind wir organisiert wie die Polizei und die Feuerwehr“, erläutert Conolly.

Die Initiative geht auf John Hawkins Senior aus Chattanooga zurück. 1988 begann der inzwischen gestorbene Hawkins, die Abschleppindustrie in den USA und weltweit zu organisieren. Seither hat die „International Towing and Recovery Museum and Hall of Fame“ schon Mitglieder aus 16 Ländern, darunter auch Deutschland. Die Abschlepper von Chattanooga sind stolz auf ihre internationalen Verbindungen. Ein Gratulationsschreiben des VBA (Verband der Bergungs- und Abschleppdienste e.V.) hängt im Museum gerahmt an der Wand. 1993 wurde der Frankfurter Straßen- und Notdienstpartner Jürgen Fieres als Mitglied des VBA als seinerzeit jüngster Abschleppvertreter in die Hall of Fame aufgenommen. Darauf sei er heute noch sehr stolz, versicherte Fieres in Frankfurt.

An der Existenzberechtigung seiner Ruhmeshalle für Abschleppwagen hat Connolly nicht die geringsten Zweifel. „Die amerikanischen Football-Spieler haben eine Hall of Fame, die Baseballspieler auch, warum also nicht die Retter der Autofahrer?“ Das Museum sei ständig auf der Suche nach Abschlepp-Oldtimern, um die Sammlung zu vergrößern. Vergessene Rostlauben werden liebevoll restauriert und mit Lebenslauf und technischer Beschreibung auf einem Podium präsentiert. Die Ruhmeshalle von Chattanooga gibt den alten Karren eine zweite Karriere - abseits des Highways.

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