Chrom gab es nur am Kühlergrill
Sternbild Kleiner Wagen: Der 190er von Mercedes wird 25

dpa/gms STUTTGART. Er läuft und läuft und läuft - Volkswagen hat mit diesen Worten über den Käfer einen Höhepunkt der Autowerbung geschaffen. Mittlerweile kann dieser Slogan auch für einen Mercedes-Klassiker angewendet werden.

Bisher sah ihn kaum jemand wirklich als Klassiker an. Vor 25 Jahren brachte das Unternehmen aus Stuttgart eine Baureihe heraus, die ein neues Zeitalter für die Marke einläutete: Das schlicht 190 genannte Auto sollte jene Kunden anziehen, denen die bisherigen Baureihen zu teuer, zu groß oder auch zu bieder waren. Man schrieb das Jahr 1982, als bei Mercedes das Projekt der Baureihe W 201 zur Serienreife gelangte.

Auch wenn es niemand ahnte, kann ihr Erscheinen aus heutiger Sicht als Beispiel gelten, wie sich Geschichte wiederholt. Das Jahr 2007 steht im Zeichen der CO2-Debatte. Die Hersteller werden aufgefordert, verbrauchsgünstigere Modelle zu entwickeln. In den siebziger Jahren gab es die Ölkrise. Es wurde verstärkt über Rohöl-Knappheit und steigende Spritpreise gesprochen. Für einen Hersteller von Nobelkarossen wie Mercedes bedeutete diese Zeit das, was heute wieder gefordert wird: Umdenken.

Also wurde nachgedacht, wie ein kleinerer Mercedes aussehen müsste, was er können sollte und ob er denn überhaupt zu der Marke passte. Schon im Jahr 1974 erhielt das mögliche neue Modell die interne Baureihenbezeichnung 201. Im Vorstand setzten sich jedoch die Diskussionen fort, wie nötig und sinnvoll das Ganze sei. Erst 1977 war endgültig klar, dass etwas Neues kommen müsste.

Bei Entwicklung und Konstruktion wurde dagegen der übliche Aufwand betrieben. Laut Mercedes in Stuttgart entstanden allein 53 komplett von Hand gefertigte Prototypen. Auch beim Fahrwerk wurde viel probiert: Bis die Hinterachse so war, wie man sie haben wollte, wurden acht Grundkonstruktionen in mehr als 70 Varianten getestet.

Als der 190 präsentiert wurde, sorgte er jedoch nicht nur für Begeisterung. Aus heutiger Sicht ist der 190er ein zeitloses und sogar ganz nett anzusehendes Fahrzeug. Damals kam seine Form vor allem im Zusammenhang mit dem Mercedes-Stern aber einem Tabubruch gleich. Während zu jener Zeit noch die größere Baureihe 123 mit barocken Formen und üppigem Chromschmuck von den Bändern rollte, zeigte sich der 190er wie ein Blech gewordenes Sparprogramm.

Chrom gab es nur am Kühlergrill. Die von Designer Bruno Sacco entworfene Außenhaut präsentierte sich als Mix aus Kantigkeit und Keilform. Der Innenraum wirkte für Mercedes-Fahrer jener Zeit ähnlich ungewohnt. Es ging vergleichsweise eng zu, der Chic der übrigen Modelle war einem Gemisch aus Kunststoff und schlichten Polstern gewichen. Wer mehr Luxus wollte, musste dafür extra zahlen. Eine Folge war, dass sich der Verkaufsstart anders gestaltete, als es Mercedes gewohnt war.

Als der 190er im Dezember 1982 erschien, waren die Verkäufer damit konfrontiert, dass potenzielle Käufer von seinen Vorzügen überzeugt werden mussten. Nach und nach gewöhnten sich die Autofahrer an die modernen Formen und verfielen wieder in die gewohnte Haltung, dass ein Mercedes eben ein Mercedes war. Also konnte sich die Mercedes-Mannschaft bald zurücklehnen und dem gewohnten Zyklus einer Modellgeneration hingeben.

Der bestand darin, dass man die Motorenpalette erweiterte und Feinschliff im Detail betrieb: Mal gab es einen stärkeren Heckklappen-Griff, mal sorgte Holz im Bereich des Schalthebels für ein etwas luxuriöseres Ambiente. 1985 hielt dann der heute fast schon legendäre Hubwischer Einzug, der mit seiner Mechanik dafür sorgte, dass Regentropfen auch in entfernten Winkeln der Scheiben weggewischt wurden.

Einen Einschnitt gab es noch einmal 1988, als die so genannten Sacco-Bretter Einzug hielten: So wurden im Volksmund jene Kunststoffblenden in den unteren Bereichen der Türen genannt, die Designer Sacco so schick fand, dass sie Serienstandard wurden. Nebenbei machte der 190er auch noch eine Sportkarriere in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM). Herkömmliche Käufer durften zu den Sportmodellen 2.3-16 oder später 2.5-16 greifen.

Am Ende konnten sich die Mercedes-Chefs auf die Schultern klopfen. Das Experiment hatte sich gelohnt: Insgesamt wurden nach offiziellen Angaben mehr als 1,879 Mill. Fahrzeuge vom Typ 190 gebaut. Dass es seit der Einstellung im August 1993 keinen weiteren Mercedes mit der Bezeichnung 190 mehr gegeben hat, dafür gibt es einen einfachen Grund. Man hatte sich zwischenzeitlich von der alten Hierarchie der Modellbezeichnungen verabschiedet. Was früher 190 hieß, gilt heute als C-Klasse und ist aus der Modellpalette nicht mehr wegzudenken.

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