Crashtests bei Toyota
Im Gruselkabinett des Akio Toyoda

Nach der Rückrufaffäre konzentriert sich Toyota wieder auf seine Technikstärke und investiert in neue Sicherheitssysteme. Getestet werden sie im Higashifuji Technikcenter in Susono - dem "Gruselkabinett" des Autobauers.
  • 0

SusonoAufgereiht sitzen sie da, über 50 Exemplare, männlich, weiblich, manche von ihnen sind noch Kinder. Bei einigen kann man die Rippen erkennen, andere haben offene Beine. Sie haben merkwürdige Namen, sie heißen „RibEye“, „Thor“ oder schlicht „AM 50“. Sogar eine Schwangere ist unter ihnen, Yoshihisa Kanno greift ohne zu zögern in ihren Bauch und zieht etwas heraus. „Das ist der Fötus “, sagt er stolz. „Das Original hier haben wir selbst entwickelt.“ Willkommen im Gruselkabinett des Akio Toyoda. Willkommen in Toyotas Werkstatt für Crash-Test-Dummies.

Im Higashifuji Technikcenter in Susono, im Schatten des magischen Berg Fuji-san, werden die Testpuppen so lebenswirklich wie möglich entwickelt, so eindrucksvoll realistisch, dass es den Betrachter schaudert, wenn beim Kalibrieren ein schweres Gewicht in den Bauch einer der Körper rast. Doch das Leiden der künstlichen Kreatur ist die sicherste Methode, Schmerzen beim Menschen zu vermeiden.

Je sicherer das Fahrzeug für den Insassen, das wissen sie hier nur zu gut, desto eher wird es gekauft. Vor allem noch der Rückrufaffäre um angeblich gefährliche Toyota-Modelle – auch wenn sich die angeblichen Technikmängel in nahezu allen Fällen als Fahrfehler herausstellten.

Und so ist dieser Tag Ende Juli, die Einladung in die Labors und auf die Teststrecken des größten japanischen Autobauers, auch dazu da, der Welt zu zeigen, dass das Unternehmen stets alles und noch mehr tut, um sichere Autos auf den Markt zu bringen. Und das in aller Bescheidenheit, wie die mehrfach wiederholte Werbebotschaft vermitteln soll. „Belohnt mit einem Lächeln für das Übertreffen Ihrer Erwartungen.“

Das Lächeln vergeht den Beteiligten allerdings zunächst, als Toyota einen Crash-Test vorführt. Wie da der Kleinwagen Vitz und die Limousine Corolla aufeinander zurasen und bei 55 km/h frontal aufeinander prallen, inmitten einer riesigen Halle, unter Scheinwerferlicht und Kamerabeobachtung, da ist auch der letzte überzeugt, dass Sicherheit keine schlechte Sache ist. „Die Insassen sind alle nicht schwer verletzt“, beruhigt der Technikbeauftragte Kanno. Die stumm in den Airbags hängenden Crash-Test-Dummies können ihn jedenfalls nicht widerlegen.

Toyotas Rechnung ist einfach. In einer zunehmend komplizierten Welt, in der die Menschen ihr Leben immer wichtiger nehmen, und mit immer mehr Autos auf den Straßen, ist Sicherheit wahrscheinlich das wichtigste Verkaufsargument überhaupt – neben Verbrauchs- und Abgasreduzierung. Deshalb wird in diesem Bereich auch nicht gekleckert, sondern geklotzt. 

Seite 1:

Im Gruselkabinett des Akio Toyoda

Seite 2:

Automatisierung ohne Gnade

Kommentare zu " Crashtests bei Toyota: Im Gruselkabinett des Akio Toyoda"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%