Test + Technik
Der Fiat 850 wird 40 Jahre alt

Heute nennen es die Autohersteller Plattformstrategie - Mitte der sechziger Jahre war es schlicht und einfach eine gute Idee. Denn auch wenn der mittlerweile gebräuchliche Begriff damals noch völlig unbekannt war, setzte Fiat das Prinzip schon um.

dpa/gms TURIN. Heute nennen es die Autohersteller Plattformstrategie - Mitte der sechziger Jahre war es schlicht und einfach eine gute Idee. Denn auch wenn der mittlerweile gebräuchliche Begriff damals noch völlig unbekannt war, setzte Fiat das Prinzip schon um.

Als die Turiner Autobauer 1964 den wenig aufregenden Kleinwagen mit der Bezeichnung 850 vorstellten, reifte recht schnell die Überlegung, dass sich auf dessen Basis - also der Plattform - auch die eine oder andere sportliche Karosserievariante gut machen würde. Also folgten mit dem 850 Coupé und dem 850 Spider zwei Modelle, die heute als Klassiker gelten.

Am Anfang allerdings stand die Limousine. Die wurde im Frühjahr 1964 enthüllt und sorgte nur für mäßige Begeisterung. Im Prinzip handelte es sich bei diesem Modell um eine größere Ausgabe des damals schon bekannten Fiat 600. Neben neuem Design, mehr Platz und größerem Motor gab es noch eine weitere wichtige Änderung: Wurde der Vorgänger durch hinten angeschlagene „Selbstmördertüren“ betreten, bekam der Neue die normale Variante der Einstiegshilfen. Denn „Selbstmördertüren“ hießen nicht ohne Grund so - sie sollten wegen des Unfallrisikos alsbald verboten werden.

Als Antrieb kam ein echter Fiat-Klassiker zum Einsatz. Der 25 kW/34 PS oder 27 kW/37 PS leistende Motor mit 843 Kubikzentimetern Hubraum basierte im Grunde auf einem bereits Ende der dreißiger Jahre eingeführten Aggregat - und hatte trotz seines beachtlichen Alters noch viel vor sich. Bis weit in die achtziger Jahre kam die immer wieder überarbeitete Maschine unter anderem im Panda zum Einsatz.

Dass sich heute überhaupt noch einige Autofahrer an die Kombination des Namens Fiat mit der Zahl 850 erinnern, liegt aber nicht an dem unscheinbaren Wägelchen aus dem Jahr 1964. Vielmehr sollten zwei Modellvarianten im Gedächtnis bleiben, die im Frühjahr 1965 auf dem Genfer Automobilsalon ihre Premiere feierten: ein Coupé und ein eleganter Spider.

Schon optisch machten die beiden Neuen weitaus mehr Eindruck als die Limousine. Das Coupé konnte seine Abstammung zwar nicht ganz verhehlen, zeigte sich aber deutlich erwachsener. Beim Spider wiederum war kaum mehr etwas von den 850er-Genen zu erkennen. Denn mit dem Design hatte Fiat statt eigener Mitarbeiter das Designstudio Bertone beauftragt. Auch bei der Herstellung ging man unterschiedliche Wege - lief das Coupé in einem Fiat-Werk vom Band, wurde der Spider direkt von Bertone gebaut.

Doch Fiat beließ es nicht einfach bei neuen Karosserieformen. Die Eigenständigkeit der sportlichen Versionen ging noch weiter. Das begann bei den Motorisierungen, deren Leistung dem Erscheinungsbild angepasst wurde. So leistete der Motor im Coupé zunächst 35 kW/47 PS, im Spider gab es sogar 36 kW/49 PS. Während die Limousine im Idealfall 125 Stundenkilometer (km/h) schaffte, erreichten die rund 700 Kilogramm leichten Sportler 135 (Coupé) oder sogar 145 km/h (Spider). Tatsächlich wurden die „drei kleinen Italiener“ ein großer Erfolg. Die Limousine war besonders auf dem Heimatmarkt als zuverlässiger und bequemer Kleinwagen begehrt. Die Nachfrage nach den sportlichen Modellen ging dagegen weit über die Grenzen Italiens hinaus. Sogar in den USA wurden Coupé und Spider verkauft.

Ein Ende hatte die Erfolgsgeschichte erst Anfang der siebziger Jahre: Zuerst wurde 1971 die Produktion des Coupés eingestellt, die Limousine lief bis 1972 vom Band. Der Spider wurde bis 1973 weiter gebaut. Als am Ende zusammengezählt wurde, kam man auf fast 2,3 Mill. Exemplare der Kleinwagenfamilie. Die Plattformstrategie lohnte sich also schon, als man sie noch gar nicht kannte.

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