Der schluckfreudige Zwölfzylinder fuhr mitten in Ölkrise
Als der E-Type unvergessliche Formen annahm

Im Grunde ist es immer das gleiche Spiel: Auf den Automessen stellen die Hersteller mit viel Aufwand ihre neuesten Modelle ins Scheinwerferlicht - die laufen dann ein paar Jahre vom Band und sind wieder vergessen. Nur in ganz wenigen Fällen folgt einer solchen Neuvorstellung echte Euphorie, so dass ein Fahrzeug über Jahrzehnte als Blech gewordener Traum gilt.

dpa/tmn LIVERPOOL. Der britischen Marke Jaguar ist so etwas einmal gelungen: Und zwar mit dem E-Type, der bis heute als Inbegriff des rassigen britischen Sportwagens gilt. Begonnen hat die Geschichte dieses Autos vor 50 Jahren. Jaguar konnte in den 50er Jahren mit den D-Type genannten Rennsportwagen viele Siege einfahren. Auf der anderen Seite gab die Palette der Serienfahrzeug nicht wirklich etwas her, das diese Erfolge imageträchtig auf der Straße umsetzen konnte. Der damalige Straßensportwagen hieß XK 150 S, doch der kam langsam in die Jahre.

Der erste Schritt zur Beseitigung des Problems war nicht wirklich erfolgreich. Zunächst wurde der D-Type zum Straßenfahrzeug umgebastelt. Das Ergebnis hieß XK-SS, blieb im Grunde jedoch ein Rennwagen. Also startete man die Entwicklung eines echten Straßensportwagens. Im Winter 1957/58 soll der erste Prototyp des E-Type gebaut worden sein. Doch es sollte noch weitere Versuchsmodelle brauchen, bis alles passte. Wie gut es passte, konnten dann die Besucher des Genfer Automobilsalons 1961 feststellen.

Der neue E-Type war der absolute Star jener Messe - was einerseits an seiner Form lag. Die Karosserie beeindruckte vor allem mit ihrer schier endlosen Motorhaube und den unter transparenten Abdeckungen verbauten Scheinwerfern. Doch auch die Daten zeigten, dass sich unter dem schicken Blech Bemerkenswertes verbarg. So war der 3,8 Liter große Sechszylinder-Motor aus dem XK 150 S im E-Type für 195 kW/265 PS gut - das reichte für bis zu 240 Stundenkilometer (km/h).

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Bildergalerie: Die Entstehungsgeschichte des Jaguar E-Type

Zur Auswahl stand der E-Type als FHC oder OTS - was nichts anderes bedeutete als Fixed-Head-Coupé, also eine geschlossene zweisitzige Ausführung, oder Open-Two-Seater, ein zweisitziger Roadster eben.

Auf der anderen Seite ist auch ein E-Type nur ein Auto. Und was wäre ein Auto ohne Fehler? So war es zwar schön, mit dem Jaguar schnell zu fahren - das Bremsen konnte jedoch schon mal den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Die Bremsen neigten zum „Fading“ und ließen bei mehrmaligem Betätigen in der Leistung nach.

Speziell in den ersten Modellen ging es außerdem derart beengt zu, dass sich Jaguar an eine Überarbeitung machte. Man senkte die Bodenbleche ab und entwarf eine Aussparung hinter den Sitzen, um deren Verstellmöglichkeiten zu verbessern. Nicht verändert hat sich im Laufe der Bauzeit die Tatsache, dass die Verarbeitung Mängel aufwies.

Doch auch das tat dem Erfolg keinen Abbruch. Außerdem bekam der E-Type immer mal wieder eine Modellpflege: 1965 wurde der 3,8-Liter-Motor durch einen 4,2-Liter ersetzt. Eine gänzlich neue Modellvariante folgte 1966: Zu den Zweisitzern gesellte sich ein 2+2-Sitzer mit verlängertem Radstand. 1967 mussten wegen der Gesetze in den USA die Glasabdeckungen über den Scheinwerfern weichen. 1968 kamen eine größere Kühleröffnung und größere Rückleuchten.

Probleme mit den Gesetzen in Nordamerika waren es auch, die zur letzten großen Veränderung am E-Type führten. Wegen der Abgasrichtlinien leisteten die US-Versionen nur noch 125 kW/170 PS - kaum mehr standesgemäß für ein solches Auto. Also folgte 1971 die Serie 3: Die sah mit breiteren Rädern und verbreiterten Kotflügeln nicht nur stämmiger aus - sie trug vor allem unter der Haube fortan einen Zwölfzylinder-Motor mit 5,3 Litern Hubraum und 200 kW/272 PS.

Der schluckfreudige Zwölfzylinder fuhr in die Zeit der Ölkrise hinein. Aber auch ohne dieses Handicap hätte sich die Geschichte des E-Type wohl langsam dem Ende zugeneigt. 1974 wurde die Produktion nach 72 520 Exemplaren eingestellt. Natürlich gab es einen Nachfolger: Der hieß XJS und ist vor allem ein Beispiel dafür, wie schnell Fahrzeuge vergessen sein können, die mit viel Tamtam auf einer Automesse präsentiert werden.

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