Downsizing und Modellkürzel
Etikettenschwindel auf dem Typenschild

Sag mir, wie Du heißt, und ich sag Dir, wer Du bist - bei Autos funktioniert das in vielen Fällen nicht mehr. Seit das Downsizing die Motoren schrumpfen lässt, sind die Zahlen in der Typbezeichnung oft nur noch Makulatur.
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dpa/tmn STUTTGART/BADEN-BADEN. Früher hat meist ein Blick auf den Heckdeckel genügt: Der Name war Programm. Er gab Aufschluss über die Motorisierung. Ein Mercedes S 500 hatte fünf Liter Hubraum und ein BMW 735i schöpfte seine Kraft aus 3,5 Litern. Doch diese Zeiten sind offenbar vorbei: Die Luxuslimousine von Mercedes hat heute nur noch 4,7 Liter Hubraum, der BMW 3,0 Liter. Die Namen änderten sich aber nicht. Immer öfter haben die Ziffern im Typenkürzel nichts mehr mit dem Format des Motors gemein.

Grund für den Zahlensalat auf dem Heckdeckel ist vor allem das sogenannte Downsizing: Aus immer kleineren Motoren holen die Entwickler immer mehr Leistung bei gleichzeitig gesenktem Verbrauch. Die Techniker sind stolz auf diese Entwicklung. Die Kunden freuen sich über niedrigere Tankrechnungen. Doch die Marketing-Verantwortlichen stellt der Trend vor Herausforderungen. Bei der Wahrheit im Typenschild können sie oft nicht mehr bleiben. Denn kleinere Motoren für größere Modelle bringen die gesamte Hierarchie einer Baureihe durcheinander.

Manfred Gotta, Ideengeber für viele PKW-Namen, sagt: "Ich glaube, dass sich die Industrie mittelfristig eine völlig neue Nomenklatur ausdenken muss, die konventionelle und downgesizte Motoren differenziert." Einfach werde das zwar nicht, aber eine Lösung sei nötig, um die Positionierung der einzelnen Marken und Modelle weiterhin deutlich nach außen zu dokumentieren. "Denn die Angabe des Hubraums ist nach wie vor wichtig", meint der "Namensexperte". Dies betreffe nicht zuletzt die Außenwirkung auf andere Autofahrer frei nach dem Motto: "Ich habe es geschafft". Zum Beispiel werde ein 4.2 immer höherwertig eingestuft als ein 3.0 - selbst wenn dieser vollausgestattet viel teurer ist als der stärker motorisierte Wagen.

Die Vermarkter neuer Modelle haben es aber nicht nur mit dem Downzsizing zu tun. Auch der Entwicklungseifer der eigenen Ingenieure fordert sie heraus. Denn längst können aus ein- und demselben Motor unterschiedliche Leistungen geholt werden: Einen drei Liter großen Reihensechszylinder von BMW gibt es zum Beispiel im 325i mit 160 kW/218 PS und im 130i oder im 528i mit 190 kW/258 PS. Insgesamt werden diesem Motortyp laut BMW fünf verschiedene Leistungsstufen entlockt. Verwirrung scheint da programmiert.

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