E-Bike Vergleichstest
Was leisten Pedelecs beim Radwandern?

Wie lange halten die Akkus und wie viel Gänge braucht der E-Biker? Diesen vor allem für Radwanderer wichtigen Fragen sind wir mit drei aktuellen Pedelecs rund um thüringische Burgen an der Autobahn A4 nachgegangen.
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Drei GleichenDie Mobilität mit Unterstützung elektrischer Energie ist groß im Kommen. Die Hybrid-Zweiräder heißen "Pedelecs". Wir haben drei der Klasse, die den Radfahrer bis zum Tempo 25 km/h unterstützen,getestet. Dabei haben wir uns in den Sätteln eines "Flyer C5R Deluxe" von Biketec, eines "E-Tour" von Koga und eines "Culture hybrid rohloff" von riese und müller abgewechselt, um im Thüringischen rund um die Burgen "Drei Gleichen" diese Fahrzeuge genauer kennen zu lernen. Wir haben Antworten auf folgende Fragen gesucht: Wie bewähren sich die E-Bikes auf bergigen Straßen und Wegen, wie lange halten die Akkus, wie lassen sich die Räder per Muskelkraft bewegen, wo gibt es Möglichkeiten zum Nachladen des Akkus?

Die Vorstellung von einem Pedelec hat das "Flyer" am konsequentesten verkörpert. Mit dem tiefen Einstieg über dem Mittelmotor, der bequemen Sitzhaltung und einer auf das Nötigste beschränkten Bedientechnik war es allen Situation gewachsen. Mit der Rücktrittbremse dient es sich einer Klientel an, die den üblichen Felgen- oder gar Scheibenbremsen nicht traut. Wir empfinden jedoch die Wirkung der Bremse als zu giftig, fast schon gefährlich. Das große Plus dieses Rades ist sein kräftiger Akku. Mit 36 Volt und acht Amperestunden (Ah) sowie den acht Gängen der Nabenschaltung fühlen wir uns gut unterstützt.

Das Fahrgerät Culture besticht zunächst einmal durch seine Optik – und die Technik steht hier in nichts nach. Ebenfalls von einem Mittelmotor mit 36 Volt und acht Amperestunden angetrieben, die über 14 Gänge einer Nabenschaltung auf das Hinterrad gebracht werden, hat es sich geschmeidiger gefahren, und die Bodenunebenheiten harmonischer als das Flyer geschluckt. Dafür steht aber der deutlich höhere Preis, für den es noch ein paar Amperestunden mehr geben sollte.

Das E-Tour ist auf den ersten Blick ein klassisches Herrenfahrrad mit oberem Querrohr, einer 24-Gang-Kettenschaltung und einer dicken Radnabe im Hinterrad. Darin werkelt ein 24-Volt-Motor, der seinen Strom aus dem Zehn-Ampere-Stunden-Akku bezieht, der im Rahmen versteckt ist. Mit den 28-Zoll-Rädern ist das Rad stabiler gelaufen als die beiden 26-Zöller.

Mit seinen nur 240 Wattstunden (Wh) Akku-Kapazität ist das E-Tour zum Maßstab für den Aktions-Radius geworden, den wir laut den Herstellerangaben für die drei Räder bei 40 bis 70 Kilometer angesetzt haben, ihn aber wegen der zum Teil heftigen Anstiege – etwa zu zwei Burgen – praktisch nicht in Anspruch nehmen konnten. Wir haben uns unterwegs mit dem Abschalten der elektrischen Unterstützung auf ebenen und abschüssigen Wegen geholfen. Für geübte Radler ist das kein Problem. Das stellt sich aber sofort ein, wenn es auch nur leicht bergauf geht. Mit 25 Kilogramm und mehr sind die Pedelecs etwa doppelt so schwer wie ein übliches Mountainbike.

Zur Reichweitenerweiterung diente uns auch der Service von Gaststätten. Wir nutzen Mittags- und Kaffeepause zum Nachladen und die Freundlichkeit des Personals. Ein Gästewunsch nach einer Ladung Watt ist noch keinem Wirt untergekommen, ist aber stets gerne gewährt worden. Die weitere Verbreitung der Pedelecs wird in hohem Maße davon abhängen, wie sich Gaststätten und Freizeiteinrichtungen aufs Nachladen einstellen.

Fazit: Für das Radwandern mit einem Pedelec zählt vor allem die Akku-Kapazität. Er sollte 36 Volt haben; zu empfehlen sind zehn oder zwölf Amperestunden. Den besten Gesamteindruck mit dem Blick auf die Preise macht das Flyer, das es auch ohne Rücktritt gibt. Wer das Pendant zum Porsche haben möchte, greife zum Culture. Die Zahl der Gänge ist unerheblich, Felgenbremsen reichen aus.

Technische Daten:

Flyer C5R Deluxe: 36-V-Panasonic-Mittelmotor, Li-Ion Akku mit 8 Ah, 8-Gang-Nabenschaltung mit Rücktritt, zusätzliche zwei Felgenbremsen, Nabendynamo, Hinterradschloss, ED-Display mit Reichenweitenanzeige, kein Tachometer und kein Kilometerzähler, vom Griff aus bedienbar, Gewicht: ab 25 kg, Preis: 2.790 Euro.

Koga E-Tour: 24-V-High-Torque-Motor im Hinterrad, Li-Ion Akku mit 10 Ah, 24-Gang-Kettenschaltung, zwei Felgenbremsen, Hinterradschloss, LED-Display mit Reichweitenanzeige und allen üblichen Reisedaten, aber nicht vom Griff aus zu bedienen, Gewicht: ab 25 kg, Preis: 2.999 Euro.

Culture hybrid rohloff von riese und müller: 36-V-Bosch-Mittelmotor, Li-Ion Akku mit 8 Ah, 14-Gang-Nabenschaltung, zwei Scheibenbremsen, kein Schloss, LED-Display mit Reichweitenanzeige und allen üblichen Reisedaten, aber nicht vom Griff aus zu bedienen, Gewicht: ab 25,7 kg, Preis: 4.999 Euro.

Kommentare zu " E-Bike Vergleichstest: Was leisten Pedelecs beim Radwandern?"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • bitte welchen Typ / Hersteller fahren Sie?

    Frage an Alle:
    Kann man nicht auch ein leeren Ersatzakku schon beim Fahren mitanschließen und aufladen, z.Bsp. am Dynamo?
    Inzwischen sollte es doch schon genug Tüfftler geben, die das bereits getestet haben!?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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