Fahrbericht: Audi A4 Avant G-Tron
Windenergie im Tank

Das Fahren mit Erdgas kann auch Spaß machen. Dies stellt der neue Audi A4 Avant G-Tron eindrucksvoll unter Beweis. Zugleich soll der Alternativantrieb die Umwelt schonen.
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Im Mai hat der VW-Konzern verkündet, die Erdgasmobilität in den kommenden Jahren aus ihrem Dornröschenschlaf führen zu wollen. Passend dazu lässt Nobeltochter Audi mit dem A4 G-Tron im Juli das Flaggschiff einer in den nächsten Monaten wachsenden Erdgasflotte vom Stapel.

Mit ordentlicher Motorleistung, hoher Reichweite, finanziellem Einsparpotenzial und Kraftstoff aus klimafreundlicher Windenergie soll das knapp über 40.000 Euro teure Modell Erdgasmobilität attraktiv machen.

Herzstück im A4 G-Tron ist ein Zweiliter-TFSI-Motor, der sowohl mit Erdgas (CNG) als auch mit Benzin gefüttert werden kann. Entsprechend hat das bivalente Fahrzeug neben dem 25-Liter-Benzintank noch Gasbehälter an Bord, die bis zu 19 Kilogramm CNG aufnehmen können.

Während man bei früheren Erdgasfahrzeugen meist per Schalter zwischen den Kraftstoffarten wählen könnte, setzt Audi den A4-Fahrer vor vollendete Tatsachen: Er muss mit Gas fahren. Erst wenn der CNG-Tank - übrigens eine rostunempfindliche und im Vergleich zu früheren Stahltanks auch leichtere Konstruktion aus Verbundkunststoff - leergefahren ist, wird automatisch auf Benzinbetrieb umgestellt. Die Ingolstädter unterstellen, dass Kunden des G-Tron grundsätzlich den sauberen und günstigen Treibstoff fahren wollen. Das Benzin dient lediglich als Komfort- und Notreserve.

Eine Verzichtserklärung ist das Fahren mit Erdgas in diesem Fall nicht. Audi behauptet sogar, dass es keinen nennenswerten Unterschied bei der Performance zu einem vergleichbaren Benzinermodell gibt. Immerhin 125 kW/170 PS und 270 Newtonmeter Drehmoment schickt der laufruhige Turbo-Vierzylinder an die Vorderachse.

In Kombination mit der 7-Gang-S-Tronic, alternativ gibt es ein manuelles Sechsgang-Getriebe, sprintet der 1,7-Tonner in 8,4 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht maximal 223 km/h. Das zwischen 1.650 und 4.400 U/min anliegende Drehmoment sorgt vom Start weg für kräftigen Schub und vermittelt den Eindruck eines durchaus souveränen Vortriebs.

Will man die Höchstgeschwindigkeit erreichen, muss man allerdings etwas Geduld mitbringen. Jenseits der 180 km/h ist der Geschwindigkeitszuwachs verhalten. Mit etwas Heimweh und Rückenwind lässt sich die Tachonadel dennoch über die 220er-Marke treiben.

Unterm Strich fühlt sich der G-Tron nicht ganz so druckvoll und durchzugsstark an, wie man es von einem Benziner auf vergleichbarem Leistungsniveau vielleicht erwarten würde, was aber recht typisch für Erdgasautos ist. Hinzu kommt beim A4 G-Tron ein für einen Ottomotor etwas rauerer Lauf. Diese leichten Abstriche bei Leistungsentfaltung und Laufkultur werden im Alltagsbetrieb aber kaum stören.

Unter den Erdgasautos ist das neue Audi-Modell für Schnellfahrer jedenfalls erste Wahl. Wer gerne flott unterwegs ist, wird allerdings mit hohen Verbrauchswerten leben müssen. Nach unserer schnell gefahrenen Testrunde mit hohem Autobahnanteil lag der Verbrauch bei 7,9 Kilogramm Erdgas. Laut Normwert soll der A4 G-Tron auf 100 Kilometer eigentlich nur halb so viel verbrauchen.

Theoretisch bietet der Mittelklasse-Kombi mit seinem dank der Erdgastanks auf rund 400 Liter geschrumpften Kofferraum zwar um 500 Kilometer Erdgasreichweite, praktisch kann sich dieser Wert allerdings halbieren. Zusätzlich verfügt der Benzintank noch über Sprit für weitere 400 Kilometer, sofern man den Avant im Bereich des Normverbrauchs von rund sechs Litern bewegt.

Insgesamt bietet der A4 G-Tron ein in jedem Fall komfortables Reichweiten-Polster, zumal in Deutschland die gut 900 Erdgastankstellen eine ausreichende Versorgung garantieren. Dank Navigation hat man jedenfalls keine Probleme, auch in unbekannten Gegenden die nächste CNG-Tankstelle ausfindig zu machen.

Gelegentlich muss man dafür allerdings Umwege einplanen. Im Rahmen seiner Erdgas-Mobilitäts-Offensive will der VW-Konzern mit einigen Partnern die Zahl der Tankstellen in den kommenden Jahren mehr als verdoppeln. Ob dieser Ankündigung Taten folgen werden, bleibt allerdings abzuwarten.

Mit den G-Tron-Modellen, neben dem A4 bietet Audi noch den A3 und den A5 mit Alternativantrieb an, wollen die Ingolstädter vor allem Kunden locken, denen der Klimaschutz am Herzen liegt. Was den CO2-Ausstoß angeht, ist Erdgas allein ob seiner chemischen Zusammensetzung gegenüber dem Benzin im Vorteil.

Der Alternativtreibstoff soll 25 bis 30 % weniger Kohlendioxid verursachen. Auch bei Rußpartikeln und Stickoxiden ist Erdgas umweltfreundlicher. Zusätzlich hilft Audi seinen Kunden mit E-Gas, eine bessere Klimabilanz zu erzielen. Den Strom aus eigenen Windkrafträdern wandelt der Ingolstädter Autobauer nämlich in einer Power-to-Gas-Anlage in klimaneutrales Methan, von Audi E-Gas genannt.

An den Zapfsäulen tanken Kunden zwar überwiegend fossiles Methan, doch Audi sichert im Gegenzug die entsprechende CO2-Reduktion, indem die getankte Menge in Form von E-Gas ins Erdgasnetz einspeist wird. Bislang mussten E-Gas-Kunden 15 Euro pro Monat für diese Dienstleistung zahlen. Künftig können Käufer des A4 G-Tron diesen Service in den ersten drei Jahren kostenlos nutzen.

Apropos Kosten: 40.300 Euro muss man mindestens für den A4 Avant G-Tron investieren. Ein direkter Vergleich mit Benzin- oder Dieselmodellen der Baureihe ist schwierig. Laut Audi sollen sich die Mehrkosten bei der Anschaffung im Vergleich zu einem reinen Benziner auf etwa 2.500 Euro belaufen.

Damit liegt der Kaufpreis für das Erdgasmodell auf dem Niveau eines Diesels. Da noch bis 2026 Erdgas als Treibstoff staatlich subventioniert wird, dürfte sich die Mehrinvestition bei der Anschaffung nach einigen zehntausend Kilometern bezahlt machen.

Technische Daten – Audi A4 Avant G-Tron S-Tronic: Länge: 4,73 Meter, Breite: 1,84 Meter, Höhe: 1,43 Meter, Radstand: 2,82 Meter, Kofferraumvolumen: 415 Liter. Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo-Ottomotor mit Benzin-Direkt- und Gassaugrohreinblasung, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb, 125 kW/ 170 PS, maximales Drehmoment: 270 Nm bei 1.650 - 4.400 U/min, Bescheunigung: 0 - 100 km/h: 8,4 Sek., Vmax: 223 km/h, Durchschnittsverbrauch: 4,2 Kilogramm Erdgas/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 111 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: A+, Preis: ab 40.300 Euro.
Kurzcharakteristik
Warum kaufen? Weil er Umwelt und Geldbeutel schont
Warum nicht? Weil man bei Performance und Kofferraumvolumen Abstriche hinnehmen muss
Was sonst? Hybrid-, Plug-in-Hybrid- oder Elektroantrieb

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  • Autos mit Erdgasantrieb gibt es viele. Sinn macht dies durch den geringeren Erdgaspreis vergl. mit Benzin/Diesel und die geringere Besteuerung.

    Erfrischend ist die (öko)religiöse Werbung "Windenergie im Tank"

    Theoretisch lässt sich Strom, auch wertloser, umweltschädlicher Strom aus Windmühlen, in Erdgas transformieren. Das ist technisch aufwendig, solches Erdgas könnte ein 20-faches gegenüber fossilem Erdgas kosten. Die ökoreligiöse Vision einer feudalistischen Gesellschaft in der sich nur mehr wenige eine individuelle Mobilität leisten können, käme man damit sehr nahe.

    Technisch ist dies sehr aufwendig. Strom lässt sich mittels Elektrolyse in Wasserstoff umwandeln und verdichten. Aus Wasserstoff und CO2 welches man aus der Luft abtrennen müsste lässt sich in einem 2-stufigen Prozess Methangas synthetisieren. Technisch herausfordernd ist dass Windstromüberschüsse etwa 500 - 800h im Jahr zur Verfügung stehen, eine derartige Anlage jedoch nach heutigem Stand der Technik kontinuierlich betrieben werden muss.

    Wirtschaftlich bedeutet dies dass Windstromüberschüsse, Subventionssatz ca. 6c/kWh x 2,5 (Wirkungsgrad 40%*) (Der Grenzübergangspreis für Erdgas beträgt ca. 1,7c/kWh) in einer recht komplexen, mehrstufigen Anlage die dann lediglich 500 - 800 Betriebsstunden betrieben wird, in Erdgas umgewandelt wird.


    *Ein Wirkungsgrad von 40% ist optimistisch wenn eine solche Anlage regelmässig an/abgefahren wird oder in einem Teilbetrieb gefahren wird. Kosten von einem 20-fachen fossilem Erdgases sind eher optimistisch.

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