Fahrtest Land Rover Defender
Keiner hat länger durchgehalten

Er ist fast ein Oldtimer ab Werk, der klassische Land Rover Defender. Als Bewahrer unkomfortabler Ursprünglichkeit und Alleskönner im harten Geländeeinsatz ist er ein rollender Anachronismus. Und ein totales Kultmobil.
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Da stehst du nun – fast noch genauso wie vor über 65 Jahren. Was sollte man auch groß an dir verändern wollen? Zumindest äußerlich jedenfalls. Sicher, irgendwann im Laufe der Jahrzehnte ist der Kühlergrill aus der Versenkung zwischen den beiden Kotflügeln hervorgetreten und ragt nun sogar ein Stück über die Scheinwerfer hinaus, die aber noch genauso rund sind wie 1948. Aber sonst? Du warst immer gradlinig und wolltest dich nie verbiegen lassen.

Klare Kante ist bis heute die Devise deiner Karosserie. Erfolgreich hast du dich gegen allzu große Eingriffe über sechs Dekaden hinweg zur Wehr gesetzt – aber das konnten deine Väter wohl nicht erahnen, als sie dich Defender (Verteidiger) tauften.

Nun, in deinem hohen Alter hast du dir die Rente mehr als verdient. Anderthalb Jahre bleiben noch, ehe der letzte deiner Art Ende 2015 vom Band rollen wird. Wie dein Thronfolger aussehen könnte, hat man der Welt auch schon gezeigt – nicht, ohne gleich zu betonen, dass das noch nicht das letzte Wort sei. Nun gut, noch bist du ja da und für unter 30.000 Euro ladenneu zu haben.

Deine Geländequalitäten stehen außer Frage, und deshalb wirst du ja auch gerne in der halben Welt gekauft – auch wenn mancher hierzulande mit dir und einem Anhänger nur vom Pferdehof zum nächsten Turnier fährt. Dein Charme strahlt aber seit Jahren immer auch wieder auf Menschen aus, die weder die große Bodenfreiheit noch den Vierradantrieb oder das Untersetzungsgetriebe benötigen.

Kult muss nichts mit Zweckmäßigkeit zu tun haben. Und mich selbst überrascht es immer wieder, wie oft man dir auf der Autobahn begegnet – ganz ohne Anhänger, martialischem Dachgepäckträger oder Schmutz auf den Kotflügeln. Nehmen wir doch einfach einmal selbst Platz.

Einstiegshilfen sind verpönt. Einen Haltgriff findet der Fahrer nicht. Das ist dir wohl allzu modisch und nur ein übertriebenes Merkmal weichgespülter SUV. Na, seien wir ehrlich, die dünne A-Säule hat überhaupt keinen Platz dafür. Also beherzt mit einer Hand in den Kranz des mächtigen Lenkrads gegriffen und über das (glücklicherweise montierte) Trittbrett hinauf- und hineingeschwungen.

Der Beifahrer kann sich an dem massiven Griff für die Geländefahrt hochhangeln, der da ist, wo andere Fahrzeuge ihr Handschuhfach oder den Airbag haben. Nein, die Windschutzscheibe steht nicht senkrecht, aber weniger als 85 Grad dürften es auch nicht sen. Fast schon ein wenig verloren wirken die Mini-Scheibenwischer von anno dazu mal, die ihre Arbeit aber auch nach Jahrzehnten noch ordentlich erledigen. 

Als dreitüriger Defender 90 Station Wagon (SW) bist Du nicht viel länger als ein Kleinstwagen, aber mit jeweils gut zwei Metern deutlich breiter und vor allem höher. Apropos Dreitürer. Du bist tatsächlich einer, denn wer hinten Platz nehmen möchte, steigt durch eine echte Hecktür ein.

Im Fond herrscht mit den beiden wuchtigen Einzelsitzen und Teppichboden fast schon Luxus, während der Fußraum vorne mit zweckdienlichen Gummimatten ausgelegt ist.

Bei aller äußeren Größe geht es vorne eng zu. Die Sitze sind sehr nah an die Tür gerückt, was im Gelände natürlich nur vorteilhaft ist. Und auch auf der Landstraße weiß man das keine vier Zentimeter entfernte Blech zu schätzen, denn Seitenhalt braucht es da nicht, den übernimmt – zumindest in Rechtskurven – ganz einfach die B-Säule. Der linke Unterarm ruht automatisch auf der Fensterkante der Tür.

Die erste Reaktion ist, den Sitz weiter nach hinten und vom bedrohlich nahen und riesigen Lenkrad (42 Zentimeter Durchmesser) wegzuschieben. Doch schon nach ein paar mickrigen Zentimetern ist überraschend Schluss. Ein prüfender Blick hinter die Lehne offenbart, warum.

Durch den kurzen „Landy“ führt direkt hinter den Vordersitzschienen eine massives Stahlrohr als Versteifungsstrebe durch den Wagen. Mehr als 40 Zentimeter lassen sich zwischen Lenkrad und Rückenlehne jedenfalls nicht bringen.

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Elektrische Fensterheber - ein Stilbruch?

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