Ford liegt vorn
Autokonzerne forschen am meisten

Die großen Autokonzerne liegen in der Rangliste der aktivsten Forscher und Entwickler ganz vorne. Den Spitzenplatz in der im Auftrag des britischen Industrieministeriums erhobenen Tabelle eroberte im abgelaufenen Jahr trotz massiver Probleme der US-Hersteller Ford. Der Spitzenreiter des Vorjahres, Daimler-Chrysler, fiel auf Rang vier zurück.

LONDON. Auch General Motors und Toyota finden sich unter den ersten zehn. Auch wenn die Größen der Automobilindustrie in absoluten Zahlen ganz vorne lagen, so bestätigten doch Pharma und Informationstechnologie den Ruf als forschungsintensivste Branchen. Mit den US-Pharmariesen Pfizer und Johnson & Johnson sowie der britischen Glaxo Smithkline finden sich drei Arzneimittel-Hersteller unter den ersten zehn. Microsoft und die Elektronikriesen Siemens und Samsung komplettieren die Spitzengruppe.

Deutschland ist erneut mit sechs Unternehmen unter den führenden 50 Forschern und Entwicklern am drittstärksten vertreten. Mit BMW hielt aber nur ein Konzern seinen Platz in der Rangliste; alle anderen fielen zurück. Bayer war sogar unter allen 1 250 untersuchten Unternehmen das mit dem höchsten absoluten Rückgang der Forschungsausgaben. Der Chemie- und Pharmakonzern rutschte um 15 Plätze auf Rang 46 ab. Siemens, vor drei Jahren noch auf Platz drei, sackte auf die achte Position ab, und VW verabschiedete sich aus der Gruppe der ersten zehn.

Positive Signale kommen vor allem aus der zweiten und dritten Reihe. So steigerte MAN die Forschungs- und Entwicklungsausgaben um mehr als ein Drittel, der Autozulieferer Hella und GPC Biotech sogar um mehr als die Hälfte. Zweistellig legten auch Unternehmen wie Merck, Continental, Henkel und Linde zu.

Die Autoren der Studie haben in den 16 Jahren seit der ersten Erhebung einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Forschungs- und Entwicklungsausgaben eines Unternehmens und dessen Markterfolg festgestellt. Im Branchenvergleich niedrige Investitionen in neue Produkte führten auf Dauer zu ebenfalls relativ niedrigen Gewinnen, konstatieren sie. Die vergangenen Jahre hätten zudem gezeigt, dass es sich lohne, auch während einer Rezession weiter in Forschung und Entwicklung zu investieren. So wurden 18 von 19 großen IT-Hardware-Firmen, die ihre Ausgaben in diesem Bereich auch in den schweren Jahren 2001 bis 2004 steigerten, mit wachsenden Umsätzen belohnt. Von den 17 Konkurrenten, die ihre Forschungsausgaben um mindestens zehn Prozent kürzten, mussten hingegen 13 sinkende Umsätze hinnehmen.

Die Studie zeigt weiterhin, dass kleinere Unternehmen ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung stärker steigerten als die großen. Firmen mit bis zu 500 Millionen Pfund (rund 750 Millionen Euro) Umsatz legten zehn Prozent drauf, Firmen zwischen einer halben und fünf Milliarden Pfund Umsatz neun Prozent und die großen Konzerne nur sechs Prozent. Davon profitieren vor allem die USA, aus denen zwei Drittel der kleineren Unternehmen stammen. In dieser Kategorie sind besonders viele forschungsintensive Firmen aus der Pharmabranche und der Informationstechnologie vertreten. Aus Deutschland kommt hingegen nur weniger als jeder zehnte dieser besonders forschungsfreudigen Mittelständler.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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