Handelsblatt Autotest
Mercedes C 350 CDI - der Wolf im Schafspelz

Mit einem riesigen V6-Diesel-Motor verwandelt sich die C-Klasse von Mercedes-Benz als C 350 CDI in einen Düsenjet - der auch Skeptiker im Alltagstest überzeugt. Doch der Benz offenbart auch seltsame Schwächen.
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Meine Beziehung zur C-Klasse von Mercedes-Benz stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Als der Urahn, die 190er Baureihe, von Verkaufserfolg zu Verkaufserfolg eilte, war ich tot unglücklich, wenn ich den Baby-Benz auch nur in einem Autoquartett hatte - zu protzig, zu kastig, zu langweilig, zu klein für einen echten Benz - und mit einem Tacho, der aus einem Bus hätte stammen können.

Im Wettkampf der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM) drückte ich selbstverständlich Allessandro Nannini und seinem Alfa Romeo 155 die Daumen, und nicht etwa Klaus Ludwig und dem 190er.

Während meine Klassenkameraden den gigantischen Heckspoiler des Mercedes-Benz 190E 2.5 Evolution II bejubelten, fand ich dieses Bügelbrett einfach nur peinlich. Die Vorzeichen für eine Fahrt mit der neuen C-Klasse standen also schlecht. Doch dann war da dieser Motor des perlweißen C 350 CDI Blue Efficiency T-Modell ...

Es gibt starke Motoren, die brüllen wie ein Löwe. Es gibt starke Motoren, die heiser röhrend fauchen. Es gibt starke Motoren, die ein ganzes Auto mit ihrer Kraft erzittern lassen. Und es gibt starke Motoren wie diesen Sechszylinder Diesel aus dem Hause Daimler, der sich am besten noch mit dem Düsentriebwerk eines Jumbojets vergleichen lässt.

Das Aggregat stemmt mit seinen 265 PS und 2.987 Kubikzentimetern Hubraum ein Drehmoment von schier unglaublichen 620 Newtonmetern, die schon bei 1.600 Umdrehungen pro Minute anliegen. Da können selbst etablierte Zugmaschinen für XXL-Caravans oder Bootsausleger wie etwa die V6-Maschinen aus Volkswagens Geländewagen Touareg einpacken.

Der beeindruckende Unterschied: Der Motor der C-Klasse ist kein ungehobelter Kraftprotz. Ganz im Gegenteil. Ohne Brüllen und Poltern schiebt dieses Triebwerk die C-Klasse in einer Geschwindigkeit und Laufruhe an, die man erlebt haben muss.

In die flüsterleise isolierte Kabine der C-Klasse dringt nur ein sanftes Brummen, wenn der Benz beschleunigt wie ein Jet und seine Insassen sanft aber nachhaltig in die Sitze drückt. Dass hier ein Diesel am Werke ist, kann man kaum ahnen. Dass dem C 350 CDI auf der Autobahn nur wenige folgen können, hingegen schon eher.

Als auf einem Autobahnstück ohne Tempolimit ein aufblinkender Porsche im Rückspiegel erscheint, genügt ein beherzter Tritt aufs Gaspedal, um erst den Überholvorgang in Windeseile abzuschließen und dann den Sportwagen fürs erste aus dem Blick zu verlieren - bis das Auto bei 250 Stundenkilometer in den Begrenzer läuft.

Um nicht missverstanden zu werden: Der C 350 CDI ist kein Raser, die Souveränität dieses Triebwerks überträgt sich vielmehr auf den Fahrer, der getragen von einem sehr komfortabel abgestimmten Fahrwerk über die deutschen Highways düst.

Kommentare zu " Handelsblatt Autotest: Mercedes C 350 CDI - der Wolf im Schafspelz"

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  • Das mit dem Rost ist nur zu wahr, auch noch bei den jüngeren Baujahren!!! Und wer da noch von Vollverzinkung spricht, ...ja, was soll das denn für eine Vollverzinkung sein? Wer ein bischen googelt findet genug Beiträge, die in Mercedes -Foren geschrieben wurden. Und bei der Vielzahl an fotodokumentarischen Beiträgen handelt es sich gaaaanz sicher nicht um Einzelbeispiele oder sog. Montagswagen! Es wird z. B. über junge, rostende w211 Bj. 08, !!! w204 Bj. 09 !!!, w169 Bj. 06, w203 Bj. 03 berichtet.

    Wie gut so eine Vollverzinkung sein kann, bekomme ich fast jeden Tag vor Augen geführt. Während sich bei meiner 94er C-Klasse der Rost beinah rundum zeigt, präsentiert sich der 87er Audi 80 meines Arbeitskollegen rostfrei, wenn auch mit mittlerweile stumpfem Lack.

  • Vor 8 Jahren erwarb ich einen neuen Mercedes A-Klasse,wobei mir eine "30 jährige" Rost Garantie gewährt wurde!!!
    Leider ist diese Garantie ein ganz mieser Verkaufstrick von MB. Nach 5 Jahren bekam auch mein "kleiner" MB die übliche "MB-Rostlaubenseuche".Zuerst unter den Türen und weiter unter den Kotflügeln. Da ich leider nicht alle geforderten Parameter der Rostgarantie ( wie lückloser MB Kundendienst)erfüllen konnte, ist die 30 jährige Rost-Garantie hinfällig und ich sitze auf einer wertlosen "MB-Rostlaube" Viele Foreneinträge bestätigen meinen Kummer. Bei MB sitzen wahrscheinlich die Entwicklungsingenieure im Verkauf u die Verkaufsstrategen sitzen in der Entwicklung...

  • Ich habe auch nen Mercedes (CLS); rostet zwar nicht aber dafür ist der Rest ständig defekt. (Fensterheber, Luftfederung, Motor, Vorderachse....)

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