Maserati Ghibli Diesel im Autotest
Eine italienische Affäre

Mit dem Ghibli will Maserati die Fahrer großer Diesel-Limousinen von Audi, BMW und Mercedes verführen. Hat die italienische Schönheit das Zeug für eine langjährige Ehe oder bleibt es doch bei einer kurzen Affäre?
  • 0

DüsseldorfDer Deutsche und sein Dienstwagen: Groß, praktisch und vernünftig muss er sein – ach ja, ein bisschen Prestige sollte er auch noch haben, wenn wir schon dabei sind. Und bitte möglichst wertstabil, versteht sich. Wenn man so will: eine Vernunftehe.

Kurz gesagt: Asiaten wie der Lexus GS oder der Infiniti Q70 (ehemals M35) sind raus, Autos wie der Lancia Thema von vorne herein ausgeschlossen, bleiben also Audi A6, der 5er von BMW und die Mercedes E-Klasse. Je nach Budget mit Vier- oder Sechszylinder-Diesel, gerne auch als Kombi.

Letzteres kann die neue Alternative Maserati zwar nicht bieten, dafür aber viel Prestige und einen Diesel. Einen Diesel in einem Maserati? Richtig gelesen, in den rund fünf Meter langen Ghibli bauen die Italiener jetzt auch einen Selbstzünder ein. In den 30 Zentimeter längeren Quattroporte übrigens auch.

Die Eckdaten des Vernunft-Triebwerks: 275 PS aus drei Litern Hubraum, 600 Newtonmeter, im Verbund mit der serienmäßigen Acht-Gang-Automatik von ZF soll das einen Normverbrauch von gerade einmal 5,9 Litern ergeben. Zumindest auf dem Papier ist das überzeugend, da gehen selbst dem nüchternsten TDI-Fahrer die Einwände aus.

Kann die auch so vernünftige, aber trotzdem rassige Schönheit aus Modena die deutschen Dienstwagen-Ehen ernsthaft gefährden?

Was aber kein Zahlenwerk der Welt erfassen kann, ist das Design. Von dem skulptural geformten Kühlergrill mit dem Dreizack-Logo ziehen sich geschwungene Linien über die Flanke – selbstredend mit den drei markentypischen Kiemen hinter dem Vorderrad – und die ausgestellten hinteren Radhäuser zum knackigen, eleganten Heckabschluss.

Der Ghibli fällt auf, aber durchweg im positiven Sinne. Selbst eine vernünftige Business-Limousine kann so aufregend und emotional gezeichnet sein. Wer allerdings nicht auffallen will und sich aus diesem Grund gerne hinter seinem Einheits-Audi-Design versteckt, sollte das auch weiter tun.

Der Maserati zieht interessierte Blicke auf sich, und das nicht nur wegen der Optik. Schon im Stand brabbelt das von der Fiat-Tochter VM-Motori entwickelte Triebwerk wie ein fetter V8 – von entlarvenden Diesel-Nageln keine Spur.

Der bassige Soundtrack kann an der Tankstelle durchaus für Verwirrung sorgen, wenn der Ghibli-Fahrer Super Plus verschmäht und stattdessen zur Diesel-Zapfpistole greift.

Sogenannte Soundmodulatoren, die zwischen den vier Endrohren sitzen, verleihen dem Diesel-Ghibli seinen herausragenden Klang. Diese akustische Blenderei ist übrigens keine rein italienische Erfindung, Audi und BMW greifen auf ähnliche Weise dem ein oder anderen Diesel-Modell helfend ein.

Kommentare zu " Maserati Ghibli Diesel im Autotest: Eine italienische Affäre"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%