Mercedes E-Klasse T-Modell 220d im Handelsblatt-Test
Ein Lastenträger für die Tiefenentspannung

Die Mercedes E-Klasse nimmt ihrem Fahrer einen Großteil lästiger Alltagsaufgaben ab. Sogar Überholen kann man delegieren. Ist das nun ein Traum oder ein Albtraum, sein eigener Co-Pilot zu sein?

DüsseldorfWas bleibt nach zwei Wochen Alltagsfahrtest der stärkste Eindruck von Mercedes' neuem E-Klasse-Kombi? Entspannung pur. Obwohl man ein fast fünf Meter langes und rund 1800 Kilo schweres Schiff durch die City navigiert, bleibt alles easy, alles cool. Eine ganze Armada sensibel eingreifender Assistenten wacht über die obere Mittelklasse samt Passagieren und bis zu 1.820 Liter Zuladung im Heck.

Und diese himmlische Ruhe an Bord. Hier ist wirklich alles so, wie man sich die erste Klasse vorstellt: Ein großzügig bemessener Innenraum, hell und hochwertig, mit guter Kopf- und Kniefreiheit auf wirklich allen Plätzen. Klimazonen, Hot-Stone-Sitzmassage und ein sehr gutes Soundsystem verwöhnen uns, während modernste Elektronik das Verkehrsgeschehen überwacht.

Die nahezu perfekt vernetzte Maschine nimmt ihrem Fahrer einen Großteil lästiger Alltagsaufgaben ab. Navigation, Vollbremsungen, Mindestabstände, Spur halten, intelligent um die Kurve leuchten, der Benz hat das locker und unaufdringlich im Griff. Fast entkoppelt vom direkten Fahrgefühl gleitet das Raumschiff auf Langstrecke mit traumwandlerischer Sicherheit über meist linke Fahrstreifen, und schluckt dank Luftfederung Bodenwellen wie Kinobesucher warmes Popcorn. Von der klammen Kommune vernachlässigter Schlaglochasphalt ist plötzlich kein Thema mehr. Das T-Modell bügelt einfach sanft drüber weg.

Das gibt dem Fahrer die Chance, sich vor allem in den ersten Testtagen auf die zunächst schwer zu bedienende Unterhaltungselektronik, die ungewohnten Touchpads und die komplexen Einstellungsmöglichkeiten von tausend und einem Extra zu konzentrieren. Mittlerweile machen gleich zwei riesige Displays das Cockpit zum Widescreen-Kino, eine Touch-Funktion gibt es aber immer noch nicht.

In einer Hand das Lenkrad, in der anderen die Betriebsanleitung, so brettern wir an Kleinwagen vorbei, ohne ihnen auch nur ein Härchen zu krümmen. Die Elektronik hält die Spur von alleine, ja sie führt sogar Überholvorgänge auf Wunsch alleine aus, greift immer wieder unmerklich in die Lenkung ein. Im Stau macht der Wagen ohnehin die ganze Arbeit allein. Wir tragen ja schon die Verantwortung, das muss reichen.

Neun Gangstufen sortiert das Getriebe selber, es erledigt die Arbeit im Alltag stets so perfekt, dass der Fahrer sich mit einem Lächeln den Impuls verkneift, von Hand einzugreifen. Wer mehr spüren möchte als pure Entschleunigung, der wählt aus den fünf Fahrmodi einfach Sport, und lässt sich von einer immerhin 400 Newtonmeter starken Drehmomentwoge davontragen.

Meistens verkneifen wir uns aber sogar das und stellen alles auf Komfort. Und manchmal ist man dann auf dem Weg von Düsseldorf über Köln nach Siegen schon hinter Olpe, bevor man merkt, dass man kurz eingenickt ist.

Dieser unendlich bequeme, unendlich unaufgeregte Touren-Schwabe, er stellt Komfort über Leidenschaft. Weil das Gaspedal nicht nach Sport+-Modus ruft, schippert man den Lademeister gemächlich in den heimischen Hafen.

Ein Nebeneffekt: Der tiefenentspannte Pilot hat auch keinen verkrampften Bleifuß, was zu Verbrauchswerten um die fünf Liter führt und die einen nicht murren lassen, denn sie sind für eine Karosse dieser Größe ungewöhnlich gut.

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