Peugeot RCZ-R im Test
Kraftklotz à la française

Die trauen sich was: Erst wirft Peugeot mit dem RCZ ein gut designtes, aber leicht untermotorisiertes Sportcoupé auf den Markt. Dann spendieren die Franzosen ein „R“ und 70 PS mehr – und siehe, es wirkt.
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DüsseldorfOh, er ist eine Schönheit, der Peugeot RCZ-R. Natürlich liegt die immer im Auge des Betrachters, aber mal ehrlich: Diese Linienführung, diese Proportionen, diese Farbe - hier haben die Franzosen einen echten Hingucker geliefert. Das ist nicht ganz neu, schließlich gibt es die Basis, das Sportcoupé RCZ, bereits seit dem Jahr 2010.

Der Facelift im vergangenen Jahr wurde vom Kollegen ausführlich besprochen. Aber dieses „R“, dieser magische Buchstabe in der Tradition anderer sagenumwobener Buchstaben wie „GT“ oder „S“. Dieses „R“ macht aus einem leicht verschrobenen Exoten eine brüllende Bestie.

270 geschmeidige PS hat Peugeot dem RCZ-R verpasst. Das sind 70 PS mehr als im stärksten Basismotor, über 100 PS mehr als in der von Handelsblatt Online getesteten Dieselvariante. Und diese geballte Kraft wird ausschließlich über die Vorderachse gejagt. Spinnen die Gallier? Ein wenig vielleicht. Aber das hat beim 208 GTI auch ziemlich gut funktioniert. Beschließen wir also den nicht ganz üblichen Weg mitzugehen. Oder, wie im Fall des RCZ-R, zu spurten.

Eigentlich gehörten Franzosen, speziell Peugeot, nie zu meinem Beuteschema. Hier mal ein kurzer Traum vom Renault Alpine, dort eine Fantasie über eine Landpartie im Citroën DS. Mit Peugeot verband ich lange den von mir äußerst ungeliebten 106, der den Zivis seinerzeit für Dienstfahrten in der Altenpflege, nennen wir es, zur Verfügung gestellt wurde. Aufgrund der Erfahrungen mit dem GTI war ich bereit, dem RCZ eine Chance zu geben. Nein, faktisch war ich heiß auf dieses Auto.

Knackpunkt ist vielleicht die kindliche Faszination von Heckspoilern. Nichts versinnbildlicht Geschwindigkeit, Sportlichkeit so sehr. Der RCZ-R hatte mich mit seinem auffälligen, aber eleganten Heckfortsatz sofort in den Bann geschlagen. Das Testmodell glänzte in sattem Schwarz, das Interieur noch mit Nappaleder und rot abgesetzten Nähten verziert.

Optisch haben die Franzosen bei der in ihren Maßen leicht angeschwollenen Sportkarosse eigentlich alle richtig gemacht. Das mutige Design fällt auf, ohne deplatziert zu wirken. Die Verarbeitung ist solide, ohne Aufpreise für Edles nötig zu machen. Die Linienführung verfolgt das Peugeot-Gen und verfeinert es. Aber es ist, wie es immer ist: die inneren Werte entscheiden. Und das ist gut so.

Der Fahrer hat erstaunlich viel Raum im erstaunlich großen RCZ-R. Fast zwei Meter breit und rund 4,30 Meter lang ist der Löwe. Für die erste Sitzreihe bedeutet das Komfort. Für die zweite Sitzreihe bedeutet das: Verschwendung. Nicht einmal zierliche Personen können hier wirklich sitzen – wir haben es versucht. Cleverer wäre es gewesen, hier zusätzlichen Stauraum zu schaffen, wenn der Wagen schon die Vier-Meter-Marke passieren muss.

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