Porsche 911 Turbo S Cabrio im Test
Das Kraftwerk bleibt geheim

Länger als einen Tag Porsche zu fahren verdirbt den Charakter, sagt ein Kollege, mit Blick auf den roten Test-Sportwagen. Nach einer Woche im 911er-Turbo-Cabrio widerspreche ich. Es verdirbt einen nur für andere Autos.

DüsseldorfFrüher einmal, die reiferen Sportwagenfans erinnern sich, da stand die Wortpaarung „Porsche“ und „Turbo“ für Risiko, adrenalingesättigtes Heckschleudern, unruhige Tempojagd mit angstfeuchtem Klammergriff. Doch das ist lange her, anno 1974 sorgten die ersten Spoilertheken aus Zuffenhausen für Furore.

Heute ist der Porsche 911 Turbo mit 1,98 Meter zwar immer noch der breiteste seiner Modellfamilie, doch die extrem weit ausgestellten Kotflügel beherbergen nun Air Blades, 305er Breitreifen und Allradantrieb. Schon allein deswegen ist man meist entspannt unterwegs. Und selbst mit nur einer Hand am Steuer um einiges schneller, vor allem sicherer. Trotz eines Einstiegspreises, für den man in der norddeutschen Provinz ein hektargroßes Anwesen bekommt, ist dieser Porsche 911 Turbo S auch viel sozialverträglicher geworden.

Kein Nachbar reißt wütend das Fenster auf, wenn ich vor Sonnenaufgang den 3,8-Liter großen Sechszylinder-Boxer des roten Cabrios anlasse. Die Porsche-Ingenieure haben den grollenden, heiseren Klang beruhigt. Zwar gibt es noch einen Kaltstart-Gasstoß beim Dreh des traditionell links sitzenden Zündschlüssels, aber der Auspuff klingt nach innen heftiger als außen. Die Umwelt wird nicht genervt. Auch der Potenz signalisierende Turboflügel wurde längst auf gesellschaftsfähige Abmessungen gestutzt.

Ein Detail gefällt mir aber auf Anhieb am alten Ur-Turbo besser: Da klappte man den Heckdeckel mit dem thekengroßen Spoiler auf, und sah den Motor. Und heute? Kunststoff in rot und schwarz, ein Schriftzug, ein Teil des Klappdachs, aber kein Boxer zu bestaunen. Die Besichtigung des 580 PS-Kraftwerks bleibt dem Werkstattmonteur vorbehalten. Normalsterbliche entdecken bei leicht ausgefahrener Heckklappe nur Einfüllstutzen für Wasser und Öl. Schade eigentlich. Andererseits halb so wild, es soll in der Alltagswoche mit dem stärksten und schnellsten Porsche-Cabriolet die einzige Enttäuschung bleiben.

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