Skoda Octavia Combi RS 230 im Handelsblatt-Test
Können denn 250 Sachen Sünde sein?

Der schnellste Serien-Octavia bringt alles mit, um praktisch zu sein. Und tut gleichzeitig alles, damit sein Fahrer das vergisst. Für 36.000 Euro bekommen Familienväter viel „dicke Hose“ - und werden doch was vermissen.

Die Luft steht feucht-warm in den Straßen, ein Gewitter kündigt sich an. Ein Kollege sagt, die Luft sei heute wieder zum Schneiden. Wie schön. Wenn dem so ist, halte ich den Schlüssel zu einem Wagen in der Hand, mit dem das kein Problem sein dürfte. Denn im Feld „T“ des Kraftfahrzeugscheins steht: 250. „T“ steht für die Höchstgeschwindigkeit. „‘T‘ steht für toll“, denke ich.

Also runter in die Tiefgarage, rein in den Wolf im vier Meter achtundsechzig langen Kombipelz. Noch ehe ich die Tür schließe, lasse ich den Zwei-Liter-Vierzylinder per Startknopf an. Kann die auf Leistung getrimmte Version des Skoda-Bestsellers tatsächlich „RS“, Rallye Sport, so wie das Logo im Kühlergrill andeutet?

Die Antwort lautet: Teilweise, denn das Aggregat steht aus vorheriger Fahrt noch im Eco-Modus. Warum?! Neuer Versuch im Sportmodus: Immer noch kein Drehzahlstoß, der morgens die Nachbarn aufwecken würde, aber wenigstens ein zaghaft kerniger Sound. Geht doch.

Tür zu, rauf auf die Straße Richtung Autobahn. Dort merke ich, dass ich dem Eco-Modus zu früh die kalte Schulter gezeigt habe, denn für den lästig-dichten Innenstadtverkehr ist er die klügere weil stressfreiere Wahl. Die Gasannahme verläuft sanfter als im Sportmodus, in dem das 6-Stufen-Direktschaltgetriebe (DSG) stets mit ausreichend Drehzahl versorgt wird und den 1,5-Tonner rasch anschiebt.

Sinnvolles Detail: Die Zurückhaltung auf Knopfdruck aktiviert die Segel-Funktion, bei dem der Wagen bis 130 Stundenkilometer im Leerlauf rollt, sobald ich den Fuß vom Gas nehme. Mit welchem Ziel bin ich noch mal gestartet? Ach, ja: den Fuß eben nicht vom Pedal zu nehmen.

Endlich, die Auffahrt naht. Das Fahrprofil steht auf Sport, der eingebaute Soundgenerator ergänzt über die Lautsprecher des Soundsystems einige Hundert Kubikzentimeter Hubraum und lässt mich brubbelnd auf die letzte Ampel zurollen.

Wenn die Luft und der Asphalt schon so warm sind, dürften es die Reifen doch auch sein, denk ich mir. Es wird grün – und der Asphalt stellenweise schwarz. Das ESP hat gut in dem frontgetriebenen Tschechen zu tun, um 350 Newtonmeter auf die beiden 225er Reifen zu verteilen. Einmal gefangen, lassen das DSG und der Turbo-Benziner danach die Drehzahlschau beginnen.

Sobald die Nadel den roten Bereich touchiert, lädt das DSG den nächsten Gang nach. Dabei fällt die Drehzahl immer in den Bereich zwischen maximalem Drehmoment und maximaler Leistung zurück. So gehört es sich.

Nur im mittleren Drehzahlbereich und bei kommoder Fahrweise sackt die Leistung ab und zu beim Hochschalten zu sehr nach unten ab, sodass ich den neu einsetzenden Turbodruck gut spüren kann. Generell gibt sich der Antriebsstrang unauffällig. Gangwechsel, die die Elektronik selbst veranlasst, gehen schnell.

Einzig beim manuellen Eingreifen dauert es eine gefühlte Sekunde, bis der neue Gang drin ist. Wer direkt in den manuellen Modus wechselt und die gut platzierten Schaltwippen ihrer Bestimmung zuführt, wird nicht über Schaltpausen klagen, denn dort reagiert das Getriebe schneller.

Das schönste Geräusch, das mir vom RS230 in Erinnerung bleiben wird, ertönt nur bei hohen Drehzahlen: Ungefähr ab 4.500 Kurbelwellenumdrehungen sprotzelt es bei jedem Schaltvorgang dezent aus den beiden Endrohren. Quasi Rallyesport für Sekundenbruchteile. Persönlich gefällt mir die Lautstärke sehr gut, ich könnte aber niemandem die Fahrt zum Zubehörhändler übelnehmen.

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Mühsamer Weg zur Tempo-Spitze

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