Volvo V60 D5 im Handelsblatt Autotest
Ich will doch nur fahren!

Er fährt sich toll, er sieht gut aus, er schreibt Sicherheit groß. Eigentlich wäre der Volvo V60 der perfekte Dienstwagen – wenn der Schwede mit chinesischen Eltern nicht bei so vielen Details nerven würde.
  • 9

DüsseldorfKennen Sie das, wenn Sie Ihre Mutter (und das egal wie alt Sie sind) regelmäßig ermahnt, doch auf jeden Fall eine Mütze anzuziehen, sobald das Thermometer unter die 20-Grad-Marke sinkt? Oder wenn ihnen die Nachbarin immer wieder Ihren selbstgekochten, leider viel zu sauren Holundersaft aufdrängt, weil der doch so gesund ist? Und wenn Sie beim zehnten aufdringlichen Angebot dann nicht mehr ganz so freundlich ablehnen, ein beleidigtes „War doch nur gut gemeint“ kommt?

Dann haben Sie ungefähr das Gefühl erfasst, das mich in meinem Volvo V60 nach kurzer Zeit beschlich. Kaum traut man sich noch, mal kräftig Gas zu geben oder die Spur zu wechseln. Denn sofort blinkt irgendwo eine Warnlampe, ertönt ein Klingelton, vibriert das Lenkrad. Und das ist natürlich immer nur gut gemeint.

Sicherheit ist bei Automobilen von Volvo Teil des Markenversprechens. Die schwedische Marke hat 1959 als erster die Drei-Punkt-Sicherheitsgurte einführt, vor allen anderen 1968 Kopfstützen eingebaut und als erster einen nach hinten gerichteten Kindersitz entwickelt. Auf seiner Website wirbt der Hersteller mit dem Satz: „Wer sich für einen Volvo entscheidet, kann sich darauf verlassen, dass er eines der weltweit sichersten Automobile erwirbt.“ Und das scheint sich mit der Übernahme der traditionsreichen Schweden-Marke durch den chinesischen Autobauer Geely nicht geändert zu haben.

Doch in meinen Volvo V60 D5 Summum, ausgestattet mit allem was die Sicherheitsingenieure so erdacht haben, haben sie es eindeutig übertrieben. Und sie scheinen nicht akzeptieren zu wollen, wenn ich mal ein bisschen weniger bemuttert werden will.

Das größte Nervpotenzial dabei hat ein Feature, das sich hinter der kryptischen Abkürzung BLIS versteckt. Das „Blind Spot Information System“, erkennt über Kameras, die an den Seitenspiegeln angebracht sind, wenn ein Auto auf der Nebenspur im toten Winkel fährt und warnt den Fahrer mit einer Blinklampe vor einem Spurwechsel im falschen Moment. Theoretisch ja hilfreich. In der Praxis aber leuchtet es fast permanent, weil es nicht nur auf andere Autos reagiert, sondern zuweilen auch auf Lärmschutzwände oder spiegelnde Pfützen auf der Straße. Und der Schulterblick muss ja trotzdem noch sein.

Wer nun meint, man könne das System doch einfach abschalten, hat die Rechnung ohne das Helfersyndrom von Volvo gemacht. Zwar hat der Hersteller die verwirrende Vielzahl von 38 Tastschaltern und sechs Drehreglern allein in der Mittelkonsole untergebracht, aber angesichts der vielen Funktionen des Testwagens war leider kein Platz fürs BLIS. Also muss der Fahrer tief in die Menüstruktur des Bordcomputers eintauchen, um es zu deaktivieren. Und Überraschung: Bei der nächsten Fahrt ist es zuverlässig wieder aktiv.

Kommentare zu " Volvo V60 D5 im Handelsblatt Autotest: Ich will doch nur fahren!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Fahre auch einen V60 und wenn mich BLIS stört, genügt ein Knopfdruck und das System ist ausgeschaltet. Seit ich aber fast rechts ein Auto beim rüberziehen touchiert habe, lasse ich BLIS drin und schau auf das Lämpchen. Bin nach ca. 20 TSD Kilometer voll zufrieden und stimme den Fahrleistungen im Bericht zu. Den Spurassistenten habe ich rausgenommen, das piepen (kein Lenkrad vibiert) hat mich gestört und hier habe ich auch kein vermehrtes Sicherheitsgefühl. Genial ist der adaptive Tempomat, auf der Autobahn rein und Entspannung pur. Mein Volvo bremst automatisch wenn der Vordermann zu langsam wird und wenn ich auf die linke Spur fahre gibt das Auto wieder Gas bis zur eingestellten Grenze. Da ich viel Autobahn fahre, möchte ich dies nicht mehr missen.Super Auto, meine Frau+Tochter sind auch begeistert und den Getränkeeinkauf bekomme ich locker im Kofferraum unter (auch das Gepäck für drei im Urlaub)

  • Die optionalen Sicherheitssysteme sind nicht kennzeichnend für den V60 und daher ist es auch für mich nicht verständlich, warum dies zum Hauptthema inkl. Überschrift gemacht wurde.

    Aus dem Testbericht kann man letztendlich ja herauslesen, dass es sich um ein wirklich gelungenes Fahrzeug handelt. Ich kann dies als Fahrer eines V60-D5 nur bestätigen: Soliger Wagen mit tollem Motor und gelungenem Design außen wie innen. Mir reicht auch das Ladevolumen vollkommen und Mitfahrer auf den Rücksitzen haben sich auch noch nicht beklagt.

    Nach einer Probefahrt habe ich mich gegen das verschriebene BLIS-System entschieden, weil es mir zu oft aufleuchtete. Ist aber sicherlich Geschmackssache. Das serienmäßige City-Safety-System ist sinnvoll und bremst den Wagen tatsächlich (zumindest wenn man etwas zu sportlich auf eine Schranke oder Garagenwand zufährt). Wenn es dann in einem Autoleben einen Verkehrsunfall verhindern sollte, dann hat es sich schon gelohnt.

  • Auch der Hinweis auf das vibrierende Lenkrad verwirrt mich etwas - seit wann gibt es das für den V60? Mich warnt ein Audiosignal (und das meistens im passenden Moment). Wie auch BLIS und Driver Alert ziemlich genau da weiterhelfen, wo ich das gerne hätte. Ein unaufdringliches "auf-mich-eingehen" wie ich es noch bei keinem anderen Hersteller erlebt habe.

    Ich frage mich also: mit welchem Auto ist der Autor gefahren :-)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%