Lautlose „Wespen“ im Anflug
Piaggio lässt das Dreirad auferstehen

In Italien feiert ein weiterer Klassiker Renaissance: Nach dem Comeback der Fiat-Modelle 500 und Panda lässt auch der Zweiradhersteller Piaggio nicht auf sich warten. Der Hersteller mit der Kultmarke Vespa bringt den ersten Motorroller mit doppeltem Vorderrad – und der wird mit Hybridantrieb zum Ökomobil.
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Die dreirädrige Ape Calessino des italienischen Zweiradbauers Piaggio rattert, röchelt und stinkt im Zweitaktsound vergangener Jahrzehnte. Das blaue Gefährt mit den weißen Ledersitzen ist aber kein Oldtimer, sondern ein neues Dreirad im Retrostil der Fünfzigerjahre. Die Transporterserie Ape (Biene) gibt es seit 1947, ist eigentlich ein Vespa-Roller mit Ladefläche und gehört zu Italien wie Spaghetti und die Mafia.

Doch stinkende laute Zweitakter auf drei Rädern sind in feinstaubgeplagten Städten nicht mehr angesagt. Deshalb fasste der Piaggio-Konzern, zu dem die Marken Vespa, Gilera, Aprilia und Moto Guzzi gehören, Mut und baut Roller, die das Doppelrad vorne tragen. Konsequent weitet Piaggio die dreirädrige Reihe MP3 und die hubraumstärkeren Fuoco-Versionen von Gilera zu komfortablen Technologieträgern aus. Roberto Colannino, italienischer Milliardär und Chef des Piaggio-Konzerns, gibt sich damit noch nicht zufrieden: Vor Kurzem präsentierte er in der norditalienischen Stadt Pontedera den ersten serienreifen Hybridroller mit drei Rädern, der einen Verbrennungsmotor mit einem emissionsfreien Elektroantrieb kombiniert.

Der 62-Jährige, der sich selbst gerne als „mutiger Unternehmer“ und „Retter von Piaggio“ preist, wagte als Erster den Schritt zum serienreifen Dreirad mit doppeltem Vorderrad. Mut, der anderen Unternehmen fehlte: Die Versuchsfahrzeuge von Daimler-Chrysler wie der F 300 Life Jet, der 20Cup von Peugeot oder der GX3 von Volkswagen landeten nach publikumswirksamen Erprobungsfahrten allesamt im Werksmuseum. Zu teuer oder zu unsicher lautete das Fazit.

Dabei prophezeien Fachleute wie Walter Hell, Leiter des Instituts für Mobilitätsforschung in Berlin (eine Forschungseinrichtung von BMW sowie der Lufthansa und der Deutschen Bahn) schon länger, dass „künftig immer mehr Menschen multimobil werden“. Das bedeutet, dass sie unterschiedliche Verkehrsmittel zu ihrem Ziel nutzen. Pendler fahren je nach Bedarf Auto, Zug, Fahrrad und eben mit dem Motorroller zur Arbeit und zurück nach Hause.

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