Luxus-Wohnmobile
Pompöses Reisen auf Truckrädern

Es gibt Wohnmobile, die sind größer als Nachbars Haus und auch deutlich teurer. Dort gibt es Marmor anstatt „Eiche Rustikal“, Fußbodenheizung und eine Garage, in die neben dem Auto noch E-Bikes samt Ladestation passen.
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Beim Stichwort Camping denken viele an kleine Wohnwagen im Grünen, grillende Familien, Männer in Feinripp-Unterhemden und Mückenstiche. Wer jedoch vor einem Performance II von Volkner oder einem der anderen Luxusmobile neuster Generation steht, sieht Camping plötzlich mit anderen Augen.

Denn hier findet man keine Spur von spartanischer Behausung, Plastikgeschirr oder Klappstühlen. Mit einem Standard-Wohnmobil hat der fast vier Meter hohe Reisebus nur noch wenig gemein. Das macht sich bereits beim Einsteigen bemerkbar: Links neben der Eingangstür befindet sich ein elektronisches Zahlenschloss mit Klingel. Ist man das Treppchen hochgestiegen, geht es im Innenraum imposant weiter: Das weiche Ledersofa würde in eine Hotellobby passen, der Esstisch reicht für eine komplette Familie und der ausfahrbare Flachbildschirm übertrifft Modelle in manchen Wohnzimmern. Auch auf Fußbodenheizung und beheizte Betten müssen die Urlauber nicht verzichten.

Halb integriert in den großen Wohnbereich ist die mit Kühlschrank, Induktionsherd, Mikrowelle und Backofen gut ausgestattete Küche. Abwaschen muss hier natürlich auch niemand: Eine Spülmaschine findet genauso ihren Platz, wie die Waschmaschine mit integriertem Trockner. Auch das Badezimmer lässt keine Wünsche offen. Eine große Regen-Dusche mit Sternenhimmel, eingefasst in Mosaikfliesen, sorgt für Bequemlichkeit, die einem exklusiven Hotel-Zimmer gleichkommt.

Als technische Basis des Riesenwohnmobils dient ein Volvo-Busfahrgestell. Ein Sechszylinder-Viertakt-Turbodieselmotor bringt es bei 12 Litern Hubraum mit Direkteinspritzung auf 315 kW/428 PS. Über den so genannten Brain-Pilot lassen sich die getrennten Klimaanlagen für Bad, Ess- oder Schlafbereich oder auch die Garage während der Fahrt ebenso wie im Stand steuern.

Damit man auch in Gassen, die für den Bus zu eng sind, nicht laufen muss, gibt es Platz für den eigenen Pkw. Dabei darf es schon etwas mehr sein als beispielsweise ein Smart. Eine Solaranlage auf dem Dach sorgt für grünen Strom. Mit einem Preis von über einer Million Euro ohne Pkw bleibt der Performance II jedoch nur einer handverlesenen, solventen Kundschaft vorbehalten.

Das Campingurlaub keineswegs ausschließlich die Urlaubsform der unteren oder mittleren Einkommensgruppen ist, wird auch am Centurion von Concorde deutlich. Eintritt erhält man per Fingerscan. Der Wohnbereich fährt sich auf Knopfdruck drei Meter breit aus und ist bis unters Dach mit edlen Materialien und umfangreicher Technik ausgestattet.

Angetrieben wird der Centurion vom 12,8-Liter-Sechszylindermotor des Mercedes Actros, auf dessen Basis das Wohnmobil steht. Die 310 kW/421 PS setzten den bis zu 26 Tonnen schweren Camper in Bewegung. Selbstverständlich für Camping-Fahrzeuge der Superreichen ist auch dieses Fahrzeug autark: Neben einem 500-Liter-Dieseltank befinden sich im Technikbereich ein 560-Liter-Frischwasserbehälter, drei Heizungen, 12 Batterien und ein 500-Watt-Dieselgenerator. Der Preis beginnt je nach Ausstattung bei einer halben Million Euro. Das Fahrzeug zu stehlen dürfte keine Alternative sein, denn der Concorde Centurion wird außen von 16 Kameras überwacht.

Wer aber nicht nur privat auf Reisen gehen will, wirft einen Blick auf den Continental von Ketterer. Hier sind dem wohlbetuchten Kunden in Sachen Individualität keine Grenzen gesetzt. Büro, Lager oder Fitnessraum, aber auch völlig andere Individualisierungen sind machbar, wie ein mobiles Tonstudio oder ein Heimkino. Als Basis dient ein MAN-Chassis. Auf über elf Metern Länge bietet der Continental viel Platz, der sich durch zwei Pop-Outs nochmal vergrößern lässt. So viel Individualität hat ihren Preis: mindestens 740.000 Euro werden als aufgerufen.

Kommentare zu " Luxus-Wohnmobile: Pompöses Reisen auf Truckrädern"

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  • Alltag in der USA, kaum einer hat ein Wohnmobil (RV) unter 30 Fuß, meines ist ein cute little Motorhome mit nur 7.70m. Dagegen ist das dort in doog old Germany ALLES ein joke.

  • >> So viel Individualität hat ihren Preis: mindestens 740.000 Euro werden als aufgerufen.<<

    Im letzten Satz des Artikels sieht es etwas zu leer aus. Wie wäre es, wenn der Satz vervollständigt würde - oder sollen das die Leser machen und raten, was dort fehlt? Dann vermisse ich aber die Belohnung für die richtige Lösung.

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