Mangelnde Fahrpraxis ein häufiger Grund
Die Angst beim Autofahren überwinden

dpa/gms MÜNCHEN. Die Hände werden schon beim Gedanken an die große Kreuzung in der Innenstadt feucht. Und allein bei der Vorstellung, auf der Autobahn einen Lastwagen zu überholen, rast der Puls. Doch Ängste vor dem Autofahren lassen sich überwinden.

„Ich kann mir nichts vorstellen, was beim Autofahren nicht zu Stress und Ängsten führen könnte“, sagt Frank Schibalski, Verkehrspsychologe beim ADAC in München. „Das kann die Angst vor dem Parkhaus sein oder die Angst vor der Parklücke.“ Aber auch klassische Phobien machen das Autofahren zum Problem, wie Höhenangst, die dazu führt, dass Autobahnen wegen ihrer hohen Brücken gemieden werden.

Mangelnde Fahrpraxis sei ein häufiger Grund, warum Menschen das Autofahren scheuen. „Die klassische Problemgruppe sind ältere Frauen, die jahrzehntelang nicht Auto gefahren sind, obwohl sie einen Führerschein haben“, sagt Schibalski. Auch ein schwerer Unfall oder das Verhalten des Partners kann zur Abneigung gegen das Autofahren führen. „Ich hatte mal eine Lehrerin hier, deren Partner beim Autofahren pausenlos auf sie eingeredet hat“, erzählt Frank Müller, Geschäftsführer der Fahrschule „Schaffen wir“ in Berlin. Die Frau traute sich kaum noch ans Steuer.

Wird das Auto einmal stehen gelassen, setzt sich eine Spirale in Gang: Das Selbstbewusstsein wird immer geringer, die Angst wächst. „Es bahnt sich allmählich an, dass Dinge auftreten, wo Sie sich unsicher fühlen oder der Partner Sie ständig verunsichert“, sagt Frank Schibalski. Bis der Betroffene schließlich sagt: „Ich kann nicht mehr Auto fahren.“

„Wen die Angst vor dem Autofahren packt, der braucht eine Art Nachschulung“, ist Alfred Fuhr vom Automobilclub von Deutschland (AvD) überzeugt. Sonst kann es passieren, dass sich ängstliche Autofahrer in Panik zu Kurzschlussreaktionen hinreißen lassen, die sie und andere gefährden. Um Ängste zu bewältigen, sind Fahrstunden in Form von begleiteten Fahrten sinnvoll, sagt Schibalski.

Es gibt extra zugeschnittene Angebote wie die Kurse der Berliner Fahrschule „Schaffen wir“ oder den „Autoclub für Angsthäsinnen“ in Madgeburg. „Bei uns merken sie, dass sie damit nicht alleine sind“, sagt Traudel Lammert, die 1996 den „Autoclub für Angsthäsinnen“ gründete. „Bei uns lernen sie, dass sie das Auto beherrschen und nicht davon beherrscht werden.“

Gerade nach einer längeren Fahrpause müssen sich Autofahrer auch mit moderner Fahrzeugtechnik vertraut machen, sagt Schibalski. So funktioniere zum Beispiel das Anfahren am Berg mit einer Feststellbremse ganz anders als mit einer Handbremse.

Die größte Herausforderung sei die Angst vor bestimmten Räumen, sagt Müller. „Es gibt Menschen, für die fängt die Autobahn bei einer Geschwindigkeit von 80 bis 100 Stundenkilometern regelrecht an zu wackeln - ihnen wird schwindelig.“ Die Betroffenen hätten dann zum Beispiel Angst, von einem Lastwagen zerquetscht zu werden. „Das ist eine Angst vor Kontrollverlust.“

In solchen Fällen arbeitet der Fahrlehrer mit Psychologen oder Verhaltenstherapeuten zusammen. Das empfiehlt Frank Schibalski jedem, der merkt, dass seine Ängste nicht nur mit dem Autofahren zusammenhängen. Auch Traumata nach schweren Unfällen sollten mit der Hilfe eines Psychologen oder eines Therapeuten bearbeitet werden.

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