Mercedes SL 65 AMG Black Series
Ein schwarzer Ritter für Küste und Curbs

Dieser schwarze Ritter fährt in einer ganz eigenen Kategorie: Eine absurd teure SL Black Series des Mercedes Haustuners AMG wird nur 350 mal gebaut - und ist schon fast ausverkauft.
  • 0

dpa-infocom HAMBURG. Dieses Auto soll ein Mercedes sein? Das ist man von den Schwaben beim besten Willen nicht gewohnt. Nicht, dass ihnen die Erfahrung mit Sportwagen fehlen würde, schließlich bauen sie mit Formel-1-Partner McLaren ja auch den SLR. Doch was da jetzt als SL 65 Black Series aus dem Perfomance Studio des Haustuners AMG rast, lässt selbst die Neuinterpretation des Silberpfeils zahm und züchtig wirken. Zumindest diesseits der Rennstrecke gab es schon lange keinen Mercedes mehr, der so aggressiv, ambitioniert und adrenalingeladen daherkam wie dieser Renner mit der schwarzen Seele.

Karosserie im Rausch von Testosteron

Davon zeugt schon die wie in einem Rausch von Testosteron gezeichnete Karosserie des Zweisitzers, der vom Serienmodell soweit abgerückt ist wie Lewis Hamiltons Dienstwagen vom SLR. Nicht nur, dass die Krafttrainer zugunsten des Gewichts das versenkbare Stahlverdeck ausgebaut und stattdessen eine flachere Karbonkappe über die Schalensitze gespannt haben.

Auch jedes andere Blechteil haben die AMG-Ingenieure angefasst: Die Frontschürze ist jetzt so weit aufgerissen wie ein Scheunentor zur Erntezeit, in der Motorhaube klaffen zwei gewaltige Löcher für die Motorkühlung. Aus dem Heckdeckel surrt auf Knopfdruck ein Spoiler von der Größe eines Bügelbretts. Am schärfsten allerdings wirkt die Flanke der Flunder, weil die Kotflügel um beeindruckende 14 Zentimeter verbreitert wurden und so Platz machen für die endlos breiten Gummiwalzen und Lüftungs-Kiemen von der Tiefe einer Gletscherspalte.

Rennen ja, schwitzen nein

Während der Black Series von außen aussieht wie ein waschechter Rennwagen, gibt er sich innen so komfortabel, wie es verwöhnte Sehr-Viel-Besserverdiener bei einem fast schon absurden Preis von 327 250 Euro erwarten. Natürlich sind die neuen Schalensitze etwas stärker konturiert, das unten flache Lenkrad ist griffiger und im neuen Kombiinstrument gibt es Lichtblitze zur Schaltempfehlung sowie einen Racetimer für die persönlichen Bestzeit. Doch weil man mit dem Wagen nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch auf dem Weg dorthin Spaß haben soll, sind eben auch Navigation, alle elektrische Helfer, viel Leder und die Klimaautomatik an Bord. Leistungssport ist schön und gut, aber Schwitzen muss man deshalb ja noch lange nicht.

Diesen Spagat macht der Spitzensportler auch beim Fahren: Auf der Rennstrecke gibt sich der Dampfhammer mit seinem neuen Gewindefahrwerk nicht hart wie ein Brett, sondern gar wie eine Granitplatte. Die Bremsen beißen so kompromisslos wie der Weiße Hai und die Automatik wechselt im schnellsten der vier Schaltprogramme ihre fünf Gänge so schnell und mit so viel Zwischengas, dass einem Hören und Sehen vergehen. Doch sobald man über die Zielgerade in die Boxengasse kommt, der Wagen und das eigene Gemüt ein wenig heruntergekühlt sind und man statt der Ideal- etwa der Küstenlinie folgt, wird der Fighter zum Gleiter und bollert mit gar nicht so stillen Reserven entspannt im gehobenen Bummeltempo nach Hause.

Seite 1:

Ein schwarzer Ritter für Küste und Curbs

Seite 2:

Kommentare zu " Mercedes SL 65 AMG Black Series: Ein schwarzer Ritter für Küste und Curbs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%