Nanotechnologie
Wenn das Auto zum Chamäleon wird

Ungewöhnliche Extras könnten das Auto der Zukunft auszeichnen: Je nach Stimmung des Fahrers ist der Wagen ein roter Flitzer oder eine schwarze Limousine. Das klingt sehr futuristisch – „die schaltbare Farbe und die sich selbst verformende Karosserie haben aber trotz ihres visionären Charakters einen realistischen Hintergrund: die Nanotechnologie“, sagt Ulf König von der Daimler-Chrysler-Forschung in Ulm.

BERLIN. Schon heute setzen Automobilhersteller die Zukunftstechnologie ein. Daimler-Chrysler hat beispielsweise einen Nanolack entwickelt, der eine höhere Kratzfestigkeit bietet. „Nach hundert Fahrten durch die Waschanlage ist das Auto immer noch glänzend – ein herkömmlicher Lack hat dann ein Drittel seiner Brillanz verloren“, sagt Edith Meissner, Sprecherin bei Daimler-Chrysler in Stuttgart. Die Nanopartikel werden dem Lack zugesetzt, beim Trocknen verbinden sie sich zu einer dichten, regelmäßigen Netzstruktur – die eine robuste Schutzschicht bildet.

„Keine Technologie wird in der Automobilindustrie in den kommenden Jahren so wichtig sein wie Nanotechnologie“, prognostiziert Ashika Antony, Analystin bei Frost & Sullivan. Der Markt werde bis 2015 ein Volumen von 6,46 Milliarden Dollar erreichen. Eine der Hauptanwendungen seien Lacke, dazu kommen Sensoren, Reifen und Motoren. Nanotechnologie verändere das Aussehen und die Funktionalitäten der Materialien, so die Analystin. Beispielsweise muss ein Fahrer den Sitz des Autos nicht mehr einstellen – Nanomaterial passt die optimale Position an.

Auf der Hannover Messe diskutieren Experten auf dem „Automotive Materials Forum“ über neue Materialien im Fahrzeugbau. In Vorträgen stehen Themen wie Materialeffizienz, Kosteneinsparungen im Materialeinsatz und Verbundwerkstoffe auf dem Programm. Hersteller wie Bayer Material Science präsentieren Produkte: Die Kunststoffe des Leverkusener Unternehmens sind fast überall zu finden: in der Karosserie, im Innen- und Motorraum, bei der Elektrik und Elektronik. Das von Bayer entwickelte Polycarbonat Makrolon etwa ersetzt Autoscheiben – und wiegt dabei viel weniger.

„Eine Herausforderung der Werkstoffentwicklung im Karosseriebau ist die Erfüllung unterschiedlicher Anforderungen“, sagt Hans-Georg Kusznir von der Volkswagen AG in Wolfsburg. Weniger Gewicht sei eines der Hauptziele, denn das bedeutet geringeren Kraftstoffverbrauch und verminderten Schadstoffausstoß. Der Kunde fordere zudem mehr Sicherheit, Leistung und Bedienkomfort. Die Autobauer müssen dafür nicht immer völlig neue Materialien entwickeln.

Bewährte Werkstoffe wie Aluminium und Stahl bleiben wichtig. Die Karosserie des neuen Passat beispielsweise besteht zu rund zwei Dritteln aus Stahl. Aber auch dieser verändert sich. Er wird mit Zusatzstoffen angereichert und anders bearbeitet als früher. Die hoch- und höchstfesten Stähle erhöhen die statische Steifigkeit des Wagens um mehr als 50 Prozent und somit auch die Crash-Sicherheit – bei gleichem Karosseriegewicht im Vergleich zum Vorgängermodell.

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