Oldtimer-Restaurierung
Konservierung bedeutet Wertsteigerung

Gammel, Rost, Spachtel, schlecht reparierte Vorschäden: Unter dem aufpolierten Oldtimerlack kann so manche böse Überraschung lauern. Und wenn die behoben ist, gilt es das Investment zu schützen. Am besten mit Wachs.
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DüsseldorfOldtimer haben in den letzten Jahren als Geldanlage viel Reden von sich gemacht. Alleine 2011 stiegen die Preise für klassische Autos laut Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) um 9,3 Prozent. Doch anders als Aktien, Gold oder Fondsanteile brauchen die historischen Fahrzeuge auch eine spezielle Pflege, um auch weiterhin an Wert zuzulegen. Das geht schon bei der Aufbewahrung los.

Trocken sollte der Raum sein und eine kontrollierte Raumfeuchtigkeit sollte herrschen. „Es ist nicht gut, seinen Oldtimer in einer Tiefgarage abzustellen, in der alle paar Minuten jemand das Regenwasser oder den Schnee von draußen mit hineinfährt“, sagt Thomas Pentz, Sachverständiger und Oldtimergutachter bei Siggel&Co in Hamburg.

Hat man eine trockene Garage gefunden, gilt es, sich Gedanken über die Fahrzeugkonservierung zu machen. „Die Konservierung eines Fahrzeuges ist grundsätzlich je nach Maßnahme werterhaltend oder auch werterhöhend“, sagt Pentz. Gut geeignet sind seiner Ansicht nach Fettkonservierungen. In der Szene haben sich Produkte der Firmen Mike Sanders, Timemax oder Hodt einen Ruf gemacht und durch zahlreiche Tests auch bestätigt.

„Aufgrund medialer Vergleichstests kann man sagen, dass Fahrzeuge mit entsprechender Substanz – bei denen also in absehbarer Zeit keine Blecharbeiten notwendig werden - damit grundsätzlich für die Ewigkeit konserviert werden. Das wäre nicht nur eine Werterhaltende sondern eine ganz klar Wert steigernde Maßnahme für den jeweiligen Oldtimer“, erläutert Pentz.

Am Anfang einer solchen Behandlung steht zumeist eine genaue Bestandsaufnahme, am besten durch eine Fachwerkstatt. Spaltmaße und Lackzustand werden analysiert. Mit einem Lackdichtemesser werden versteckte gespachtelte Stellen entlarvt. Per Endoskop schauen die Experten in Türen und Karosserie-Hohlräume, prüfen den Unterbodenschutz und suchen nach Roststellen an verdeckten Stellen.

Nun gilt es, die Inneneinrichtung de Wagens weitgehend auszubauen und Armaturenbrett und andere nicht demontierbaren teile abzudecken. Sind alle Verkleidungen entfernt, lässt sich leichter an die Hohlräume herankommen und man muss nicht extra Löcher dafür bohren.

Unterbodenreinigung

Dann folgt die gründliche Unterbodenreinigung. Hier bietet sich eine gründliche Reinigung mittels Hochdruckreiniger an. Wer genau wissen will, wie es unter der Schutzschicht am Fahrzeugboden aussieht, kommt um eine Reinigung mit Trockeneisstrahlung nicht herum. Beim Trockeneistrahlen können Gummielemente und Kunststoffteile schonend gereinigt werden. Zudem wird die Lackierung des Bodens geschont. Ist der Unterbodenschutz entfernt, lässt sich Korrosion gut erkennen und so noch günstig längerfristig stoppen.

Ob eine Unterbodenreinigung mit dem Dampfstrahler ausreicht oder on Trockeneis angewendet werden muss, entscheidet die Bestandsaufnahme. Bei rund einem Drittel der bisher behandelten Fahrzeuge, habe man die Empfehlung für eine Trockeneisbehandlung gegeben, schreibt die Firma Timemax in Hamburg.

Jetzt ist die Zeit für den großen Schock gekommen, nackt liegt das Blech vor dem Betrachter. Größere Roststellen sollten nun mit sorgfältigen Karosseriebauarbeiten beseitigt, notwenige Punkte geschweißt und gammelnde Teile ersetzt werden. Dann geht es an die Blech- und Hohlraumbehandlung.

Die Fett- und Wachsbehandlung

Bei der Behandlung der Hohlräume und Bleche werden unterschiedliche Fette mit unterschiedlichen Eigenschaften je nach Fahrzeugbereich angewendet. Besonders kriechfähige Fette schützen Spalten und Falze. Sie durchdringen Blattrost und verhindern dauerhaft den Kontakt mit Sauerstoff. So wird Rostbildung oder -weiterbildung zuverlässig gestoppt. Mit einer darüber aufgebrachten Sperrschicht wird dann das Ablaufen der ersten, kriechfähigen Fette verhindert.

Der Unterbodenschutz

Dass das Auto nach der Trockeneis-Behandlung einen Unterbodenschutz braucht, ist logisch. Hier bieten sich diverse Möglichkeiten an. Von allen möglichen Unterbodenschutzlacken sticht in Testberichten die Hamburger Firma Timemax mit einem speziellen Lack unter den Anbietern hervor. Er stammt aus alten Rezepten aus dem Schiffsbau und basiert auf modifizierten Harzölen und Leinöl sowie Bestandteilen des Korrosionsschutz-Fettes.

In mehreren Schichten aufgebracht verhindert er langfristig Rostbildung. Ein Überlackieren sei möglich, aber nicht notwendig, erklärt Timemax. Der Gag dabei: Der Unterbodenlack lässt sich farblich nahezu an jede Farbe anpassen, muss also nicht mehr langweilig schwarz sein.

Der Weg zum Gutachter

Nach vollbrachter Konservierung - oft gibt es dazu eine Foto-Dokumentation oder ein Garantie-Scheckheft (Timemax z.B. über 20 Jahre) - steht die Fahrt zum Wertgutachter an. Schließlich wirkt sich eine dauerhafte Konservierung meist Wert steigernd auf das jeweilige Fahrzeug aus und erhöht auch die Chancen bei einem eventuell anstehenden Verkauf.

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