Seat Exeo im Gebrauchtwagen-Check
Ein gut recycelter Audi

Selten entdeckt man einen Seat Exeo auf unseren Straßen. Vielleicht erkennt man ihn auch einfach nicht, erinnert er doch stark an den alten Audi A4. Und genau wie der Konzernbruder überzeugt er durch Zuverlässigkeit.
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Eine Neuentwicklung ist der Seat Exeo nicht – was kein Nachteil sein muss. Schaut man sich die spanische Mittelklasse genauer an, erinnert diese bis auf die Front und das geänderte Heck an den bis 2008 gebauten Audi A4. Besonders die Seitenlinien und der Innenraum kommen dem Ingolstädter sehr nah. Was nicht verwundert, denn der ab März 2009 gebaute Exeo hat rund 70 Prozent vom Audi-Original übernommen. Wer keinen großen Wert auf das Logo legt, der wird auch mir der A4-Kopie glücklich.

Karosserie und Innenraum: Den bis 2013 gebauten Seat Exeo gibt es als Limousine und ab 2008 auch als Kombi ST. Um sich von seinem Genspender Audi A4 zu unterscheiden, erhielt der Spanier eine neu gestaltete Front sowie geänderte Heckklappen für beide Karosserievarianten. Das Platzangebot des oberhalb des Seat Toledo angeordneten Modells sowie die Funktionalität sind insgesamt gut.

Auch die Verarbeitung sowie die Materialien sind solide und keinesfalls stark veraltet. Das Cockpit stammt fast komplett vom A4 Cabrio, lediglich das Markenemblem mit den vier Ringen wurde gegen das große „S“ ausgetauscht.

Aber nicht nur das Design, sondern auch die gesamte Fahrzeugelektronik des Audis wie beispielsweise die Klimaanlage und das Navigationssystem wurden übernommen. Wer auf Wiederverkaufswert setzt, sollte zum Kombi greifen. Dieser kann zudem mit bis zu 1.354 Litern beladen werden.

Das Facelift 2011 brachte dem 4,66 Meter langen Exeo unter anderem Xenonscheinwerfer sowie LED-Tagfahrlicht. Sein Start-Stopp-System senkte den Verbrauch. Zwei Jahre später lief die Produktion aus, einen direkten Nachfolger gab es nicht.

Motoren: Technisch entspricht der im spanischen Martorell montierte Exeo dem Audi A4. Die Rohkarosserie, Antriebsstrang und Fahrwerk sind identisch. Auch die Motoren wurden größtenteils vom Ingolstädter übernommen. Die Aggregate sind allesamt brauchbar. Das Antriebsprogramm umfasste bei den Ottomotoren vom 1,6-Liter-Basisaggregat mit 75 kW/102 PS bis hin zum kräftigen 2,0 Liter großen Benziner mit 155 kW/210 PS.

Die drei angebotenen 2,0 Liter großen Dieselmotoren bieten mindestens 88 kW/120 PS und maximal 125 kW/170 PS. Vielfahrer sind mit dem mittleren Selbstzünder mit 105 kW/143 PS gut bedient. Bei den Ottomotoren bieten die mittleren Leistungsklassen mit 110 kW/150 PS, 118 kW/160 PS oder 147 kW/200 PS gute Fahrleistungen und moderaten Verbrauch.

Ausstattung und Sicherheit: Beim Euro-NCAP-Crashtest schnitt der Seat Exeo 2010 mit vier von fünf möglichen Sternen ab. Erhältlich waren Limousine und Kombi in den Ausstattungsversionen Reference, Stylance und Sport. Empfehlenswert ist die umfangreich ausgestattete sportliche Variante. So gehören unter anderem sieben Airbags, CD-Radio, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer, Lederlenkrad sowie 17-Zoll-Leichtmetallfelgen dazu.

Qualität: Der Exeo profitiert von der langen Bauzeit des Audi A4, seine Technik überzeugt. Seine Radaufhängungen sind sehr solide, die Antriebswellen und auch die Lenkung geben keinen Grund zur Klage. Allerdings teilt er sich die Schwachstellen des A4, so wie verschlissenen Kupplungen oder Zahnriemenrisse beim Diesel. Meiden sollte man das stufenlose Automatikgetriebe Multitronic im 1,8 Liter großen Ottomotor und im 2,0 Liter großen Selbstzünder. Es ist extrem anfällig.

Fazit: Stört man sich nicht daran, die abgelegte Technik des Audi A4 im Seat-Gewand noch einmal aufzutragen, dann ist der Exeo eine Option. Der Besitzer muss größere Mängel nicht fürchten. Die Preise für das Mittelklasse-Modell aus Vorbesitz starten auf den großen Internetbörsen bei etwa 5.500 Euro. Für ein gut erhaltenes Exemplar unter 100.000 Kilometern muss man mindestens knapp 8.500 Euro anlegen.

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