Suzuki Baleno
Mehr Sein als Schein

Suzuki steht in Deutschland vor allem für Allrad-Fahrzeuge sowie Klein- und Kleinstwagen. Jetzt erweitern die Japaner ihre Palette: Der Baleno lässt einen alten Modellnamen aufleben - beim Neuen ist jedoch alles anders.
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Der Suzuki Baleno war in seinen knapp sechs Jahren, in denen er hierzulande als Schrägheck, Stufenheck-Limousine und Kombi angeboten wurde, immer eine graue Maus. Doch das liegt lange zurück, rührt aus einer Zeit her, in der Rechnungen noch mit D-Mark beglichen wurden.

Bis zu seinem schnellen Ende 2001 zeichnete ihn optisch allerdings auch eine erlesene Langeweile aus, die ihn im Produktportfolio der Marke, die sich ansonsten über preisgünstige Spaß-Offroader und Klein(st)wagen definiert, wie einen Fremdkörper wirken ließ. Jetzt feiert ein neuer Baleno ein Comeback und rollt zu Preisen ab 13.790 Euro am 4. Juni in die Showrooms.

Aus welchen Gründen Suzuki die unscheinbare Silber-Metallic-Lackierung als Präsentationsfarbe auswählte, wird uns immer ein Rätsel bleiben. In diesem Outfit wirkt der neue Baleno auf den ersten Blick so, als wolle er 15 Jahre später nahtlos an das Image des Vorgängers anknüpfen.

Dabei gibt es dazu überhaupt keinen Anlass. Abgesehen vom Namen ist nämlich alles neu. So positioniert sich das viertürige Schrägheck mit exakt vier Metern Länge heute zwar bei Polo und Co. im Kleinwagen-Segment, vermittelt den Insassen aber eher das Gefühl, in der Kompaktklasse zu sitzen.

Ein Radstand von 2,52 Metern ermöglicht den größten Abstand zwischen den beiden Sitzreihen im gesamten Wettbewerbsumfeld, so dass im Fond selbst ausgewachsene Germanen nicht in embryonaler Haltung transportiert werden müssen, sofern es sich nicht gerade um gestandene Basketball-Recken handelt. Und der Kofferraum übertrifft mit 355 Litern Ladevolumen nicht nur den Klassenprimus Polo, sondern sogar den Golf. Einziges Manko: die sehr hohe Ladekante.

Zudem steht der Japaner mit dem eigenständigen Frontdesign auf einer neuen Plattform, ist bestens mit Nettigkeiten und Sicherheitsfeatures ausgestattet, die in dieser Klasse noch längst nicht Allgemeingut sind, und fährt mit einem neuen 82 kW/111 PS starken Dreizylinder-Turbo vor. Aus Gründen des Sparzwangs kommen die Dreierpacks ja immer mehr in Mode. Was nicht verwundert, denn mit den Dreizylindern vom alten Schlag, ihrem aufdringlichen Knurren und dem Temperament eines pensionierten Buchhaltungsrevisors hat die neue Generation der munteren Ein-Liter-Triebwerke nichts mehr zu tun.

Auch die „Boosterjet“-Variante von Suzuki nicht, die bemerkenswert gut am Gas hängt, dank 170 Nm Drehmoment selbst im niedertourigen Bereich mehr Vorwärtsdrang beweist als der 1. FC Nürnberg in den Relegationsspielen und erst wenn die Nadel des Drehzahlmessers über die 5000 Touren klettert, den Fahrer missmutig nach alter Sitte lauthals anknurrt.

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