Teure Leidenschaft
Private Automuseen: In altem Glanz

Der Aston-Martin-Rennwagen 1,5 Liter Short Chassis Le Mans war 1933 eines der schnellsten Autos der Welt - mit 85 PS. Er startete in Le Mans und an allen wichtigen Rennstrecken der Welt. Schon die Bordinstrumente des in British Racing Green lackierten Wagens wären heute nicht mehr zu bezahlen: Sie stammen von Jaeger-LeCoultre, der feinen Schweizer Uhr-Manufaktur. Auf dem Tourenzähler hat ein Rennfahrer bei 4500 Umdrehungen ein Warnschild hinterlassen: "Enough".

Genug. Das Wort existiert im Sprachschatz der meisten Oldtimer-Sammler nicht. Sie geben bei ihrer Jagd nach Preziosen erst auf, wenn das Konto erschöpft ist oder der verfügbare Platz in der Schmuckgarage - oder beides. Oldtimer-Sammlungen gibt es in Hülle und Fülle. In mehr als 250 europäischen Museen zwischen Porto und Warschau sind sie zu besichtigen, die frühen Benz, Bentley, Rolls-Royce und Renault, die Porsche, Maserati, Alfa und Ferrari - neben Marken, die Legende, aber längst versunken sind, wie Borgward, Panhard, Hispano-Suiza, Delage, Delahaye und Cisitalia.

Die meisten privaten Museen unterhalten deutsche Sammler: mehr als 70. Die Geschichte des Automobils pflegen selbstverständlich auch die großen Hersteller - aber das Gros der Museen stammt von privaten Sammlern. Einige von ihnen zeigen nicht mehr als 20 Stücke, andere mehrere hundert. Für die Betreiber ist es oft ein Hobby, kein zusätzlicher Verdienst. Die Kosten sind beträchtlich: Neben der großen Immobilie müssen die Sammler Automechaniker und Aufsichtspersonal bezahlen. Durch Eintrittsgelder ist das kaum aufzufangen. Aber welche Privatmuseen lohnen überhaupt den Besuch? Wir haben uns umgeschaut.

Der Aston Martin, technisch erstklassig und liebevoll gewienert, steht neben weiteren Oldtimern von genauso mondäner Herkunft in der Halle einer ehemaligen Fabrik im fränkischen Hersbruck. Dauphin Speed Event heißt dieses Museum. Schon der Name deutet an. Dies ist kein Museum wie jedes andere. Es präsentiert die Sammlung der Büromöbelfabrikanten Friedrich-Wilhelm und Elke Dauphin aus dem benachbarten Offenhausen. Zur Kollektion gehören rund 130 Oldtimer-Automobile und 190 alte Motorräder. Ein paar Stücke sollen noch hinzukommen, aber nicht zu viele, "wir wollen das rechte Maß nicht verlieren", sagt Friedrich-Wilhelm Dauphin. Das Ehepaar bietet die Ausstellungshalle für Seminare und Hochzeiten an.

Für rauschende Feste musste die Fabrikhalle besonders hergerichtet werden. "Ohne exklusives Ambiente geht gar nichts", sagt Elke Dauphin. Hier erinnert nichts an ölverschmierte, staubige Werkstätten. Die Exponate werden klinisch sauber präsentiert, die neue Eventhalle mit ihren teuren Möbeln und der piekfeinen Cafeteria ist mit Rollos von der Ausstellungshalle getrennt - und wenn das Wetter schön ist, gehen die Gäste mit ihren Cocktails in den Garten. Der Speed Event soll ein wirtschaftlicher Erfolg werden, denn als Mäzene verstehen sich Dauphins nicht.

Ein kommerzieller Erfolg ist bereits das Meilenwerk in Berlin, gegründet von Martin Halder in einem alten Straßenbahndepot. Neben Werkstätten für Oldtimer, neben Restaurants und Geschäften bietet er Privatpersonen in 88 Glasboxen Platz für ihre Schätze. So entsteht eine wechselnde Ausstellung, denn die Besitzer stellen oft verschiedene Wagen auf ihren durchsichtigen Stellplatz. Mitte September eröffnet in Düsseldorf ein weiteres Meilenwerk in einem ehemaligen Ringlokschuppen.

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