Toyota GT 86
Sporttalent mit Potenzial

Sie bauen pfiffige Kleinwagen, unauffällige Familienkutschen und sparsame Hybridautos. Von Lust und Leidenschaft war bei den Toyota-Ingenieuren allerdings zuletzt nicht viel zu spüren. Das ändert sich mit dem GT 86.
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Berlin13 Jahre nach dem Debüt des letzten Celica kehrt Toyota mit einem Sportwagen auf die Überholspur zurück. Die Bodenhaftung verliert der japanische Hersteller dabei nicht: Denn mit einem Preis von 29 990 Euro liegt das Coupé des GT86 bei vergleichbarem Motor auf einem Niveau mit Konkurrenten wie dem VW Scirocco oder dem Peugeot RCZ.

Für das Sportwagen-Comeback hat Toyota nicht einfach eine bestehende Plattform übernommen, sondern ein völlig neues Auto entwickelt. So ist ein für japanische Verhältnisse messerscharfer Zweisitzer entstanden, der sich tief in den Wind duckt. Kurze Überhänge, ein knackiges Heck und eine Silhouette, die flacher ist als bei einem Ferrari – selten haben einem Toyota so viele Passanten hinterher geschaut wie diesem.

Dass sich der Wagen so flach auf die Straße ducken kann, ist ein Verdienst des Boxer-Motors, den Toyota für den GT 86 beim Konzernpartner Subaru einkauft. Zum Dank darf die Schwestermarke den Wagen dafür minimal modifiziert auch als BRZ verkaufen. Der extrem flache Vierzylinder leistet 147 kW/200 PS und bringt den Wagen schnell auf Trab.

Wer am kurz gestuften Getriebe spät schaltet und die Drehzahl hoch hält, erlebt den GT 86 als giftigen Heißsporn: Jede rote Ampel lockt zum Sprintduell, Überholen wird zum Kinderspiel und es gibt nichts Schöneres, als druckvoll aus einer Kurve heraus zu beschleunigen. Allerdings lässt der Spaß mit höherem Tempo schnell nach. Auf der Autobahn klingt der Motor eher rau als kernig, und bei 226 km/h geht dem Sportler die Puste aus.

Auf einer eng gewundenen Landstraße ist die Fahrt aber ein Genuss: Mit knackigem Fahrwerk, direkter Lenkung und natürlich mit seinem Hinterradantrieb schnürt der GT 86 leichtfüßig durch die Kurven. Er lenkt schnell ein, kommt flott um die Ecke. Und wer dabei die Elektronik pausieren lässt, der kann den Wagen sogar ein wenig schwänzeln lassen und mit dem Fuß lenken.

So lustvoll die Japaner Fahrwerk und Lenkung abgestimmt haben und so viel Mühe sie sich bei der Suche nach dem richtigen Motor gemacht haben, so lieblos ist das Interieur. In dem Viersitzer sitzen vier Personen nicht bequem - das hat bei dem gerade mal 4,24 Meter langen und nicht einmal 1,30 Meter hohen Wagen aber keiner ernsthaft erwartet.

Deshalb stört sich auch niemand an der Kletterpartie in den Fond und an der klaustrophobischen Enge. Doch Easy-Entry-Sitze könnten die Sache deutlich vereinfachen. Und ein wenig mehr Finesse beim Finish hätte auch nicht geschadet: Ein paar bunte Nähte im Leder und die hohen Seitenwangen der Sitze sind zu wenig, um aus der dunklen Plastikhöhle ein Sportstudio zu zaubern.

Dabei sind die Voraussetzungen sonst nicht schlecht. Man sitzt tief auf der Straße, findet schnell die richtige Sitzposition und hat das Auto perfekt unter Kontrolle. Das Lenkrad liegt gut in der Hand, der kurze Schaltstummel liegt griffgünstig und alle Schalter und Hebel sind schnell erreichbar.

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Ein Athlet am Anfang sener Karriere

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