Unfallsicherheit
Schnelle Stahlbolzen gegen den Crash

Wenn es von der Seite kracht, ist es schon zu spät: Die Flanken zählen zu den schwächsten Stellen eines Autos - und bieten bei Unfällen kaum Schutz. Das Fraunhofer für Betriebsfestigkeit-Institut und Systemzuverlässigkeit LBF hat nun ein Fahrzeug entwickelt, dessen Karosserie sich bei einem drohenden Crash selbst seitlich verstärkt - mit schnell schießenden Bolzen.

DÜSSERLDORF. Um den Mechanismus rechtzeitig auslösen zu können, soll die Technik die Gefahr eines Unfalls erkennen. Stereokameras in den Türen und Radarsensoren in den Kotflügeln messen, wie weit ein heranbrausendes Auto entfernt ist. Eine eigens entwickelte Software löst dann exakt 200 Millisekunden vor einem drohenden Aufprall den Selbstschutz aus: Ein im Sitz integrierter Stahlbolzen schnellt in Richtung Tür und stützt sich dort auf einen gleichzeitig ausfahrenden Metallkörper.

"Das System aus Bolzen und Metallbox stabilisiert die Autotür und absorbiert beim Aufprall Energie", sagt LBF-Projektleiter Björn Seipel. Erste Tests hat das System bereits erfolgreich bestanden.

Bei dem Projekt konnten die Forscher auf Mittel aus dem EU-Projekt Aprosys (Advanced Protection Systems) zurückgreifen. Dessen Ziel ist, die Zahl der Unfalltoten in der EU bis 2010 zu halbieren. Ein verbesserter Seitenaufprallschutz ist dabei eines der Hauptanliegen - denn die Bemühungen der Industrie selbst waren bislang eher bescheiden.

Die meisten Hersteller hätten sich auf den Frontaufprall konzentriert, obwohl der Abstand zwischen Insassen und Aufprallpunkt bei einem Crash von der Seite viel geringer sei, sagt Olivier Fidry, Vertriebsleiter Innenraumsysteme beim Zulieferer Faurecia. Viel Platz für schützende Materialien oder elektronische Systeme bleibt in den Seitenwänden allerdings nicht: "Wir haben maximal zehn bis 20 Zentimeter, um den bestmöglichen Schutz für die Insassen einzubauen", sagt Fidry.

Wegen des Platzmangels in den Fahrzeugseiten haben die Automobilhersteller lange Zeit vor allem auf den Einbau von widerstandsfähigere Materialen gesetzt. Faurecia beispielsweise arbeitet an speziellen Schaumpolsterungen für Türverkleidungen. Zudem entwickelt das Unternehmen Systeme, die schon vor einem Zusammenstoß aktiv sind - wie das auch bei der Fraunhofer-Lösung der Fall ist. "Diese sogenannten Before-Crash-Technologien stützen sich auf die einfache Feststellung, dass jede vor dem Aufprall gewonnene Millisekunde lebensrettend sein kann", erläutert Fidry.

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