Unterwegs im schnellsten Roadster
Jede Fahrt ein Fest des Lebens

Für 1,91 Millionen Euro könnte man 48 Goldbarren in den Tresor legen, eine schnittige Yacht kaufen, oder den Bugatti Veyron Grand Sport Vitesse in die Garage stellen, den schnellsten, exklusivsten und teuersten Roadster.
  • 1

TarragonaMir bleibt die Luft weg, für einen Augenblick sehe ich nur den Himmel. Olivier hatte mich zwar vorgewarnt, dass die Beschleunigungswerte "exceptionnel" seien und er mich deshalb nicht sofort ans Steuer lassen könne. Aber als der ehemalige Rennfahrer und heutige "pilote officiel" von Bugatti S.A.S. zu Demonstrationszwecken auf einer einsamen Landstraße in den Bergen hinter Tarragona seinen rechten Fuß für ein paar Sekunden etwas kräftiger aufs Gaspedal drückt, kriege ich schon ein wenig Panik: Mein Kopf fliegt nach hinten, mit dem Anderthalbfachen der Erdbeschleunigung werde ich in den Ledersitz gepresst.

Um mich ist ein infernalisches Brüllen, als ob ich an der Spitze einer Rakete ins All starte. Während ich noch nach einem Griff taste und mich mit den Füßen gegen das Bodenblech stemme, um Halt zu finden, bricht Olivier das Beschleunigungsmanöver auch schon wieder ab: Dort, wo sich eben noch ein Hain aus Olivenbäumen bis zum Horizont zu strecken schien, sind nun Häuser einer kleinen Siedlung aufgetaucht, urplötzlich, wie eine Fata Morgana in der Wüste.

Vitesse, auf Deutsch: Geschwindigkeit, heißt die neueste Top-Ausführung des Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport, des derzeit schnellsten, stärksten und auch teuersten Roadsters der Welt. Sein Name ist Programm: Tempo 100 erreicht er im ersten Gang schon nach 2,6 Sekunden, 300 km/h nach 16 Sekunden. Und die Höchstgeschwindigkeit ist, wenn man das Hardtop aufsetzt, erst bei 410 km/h erreicht. Soll das Dach offen bleiben, muss der Fahrer sich mit 375 km/h begnügen. Zum Vergleich: In der Formel-1-Weltmeisterschaft betrug die höchste jemals gefahrene Geschwindigkeit "nur" 369,9 km/h.

"Unserem Team ist es gelungen, den weltweit stärksten Pkw-Antrieb unter Berücksichtigung aller fahrdynamischen und aerodynamischen Parameter in einen offenen Sportwagen zu transferieren", freut sich Noch-Bugatti-Chef Wolfgang Dürheimer bei der Vorstellung des Vitesse. Die Leistungsdaten des Bugatti sind in der Tat eindrucksvoll bis atemraubend: 1.200 Pferdestärken oder 882 Kilowatt Leistung haben die Ingenieure mobilisiert, um den trotz der Verwendung von reichlich Kohlefasern und anderen Leichtbauteilen immer noch knapp zwei Tonnen schweren Roadster zum allradgetriebenen Straßengeschoss werden zu lassen.

Genug Abwärme um Häuser zu heizen

50.000 Liter Luft pro Minute atmen die vier riesigen Turbolader unter Volllast ein, um die 16 Kolben des 490 Kilo schweren Motors zu befeuern. Vier Benzinpumpen saugen dabei pro Stunde 264 Liter des edelsten Kraftstoffs der Sorte Superplus in den Brennraum. Zumindest theoretisch. Praktisch müssen sie die Arbeit schon nach etwa 20 Minuten Vollgas einstellen – dann nämlich haben sie den 100 Liter fassenden Tank leergesoffen. Der Bugatti wird dabei zum Kraftwerk: Mit den über 800 Kilowatt Abwärme, die von den Hochleistungskühlern verarbeitet werden, könnte man angeblich 40 Einfamilienhäuser heizen.

Klimabesorgte Zeitgenossen werden sich spätestens hier mit Grausen abwenden. Allein, der Vitesse ist nicht mit heutigen Maßstäben zu messen und schon gar nicht mit den Maßstäben von Normalverdienern. Solche Traumwagen bewegt man nicht, um möglichst schnell, möglichst komfortabel von A nach B zu kommen – dafür sind Flieger und Schnellzug wesentlich besser geeignet. Sie zählen vielmehr zu jenen exklusiven Vehikeln, mit denen Menschen, die es sich leisten können, Breschen in den Alltag schlagen – und dem Augenblick besonderen Glanz verleihen. Jede Fahrt mit einem solchen Auto wird zu einer Erfahrung gesteigerter Lust, wird zu einem Fest des Lebens.

Kommentare zu " Unterwegs im schnellsten Roadster: Jede Fahrt ein Fest des Lebens"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Auch wenn es wirklich sinnlos ist, wer würde es nicht haben wollen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%