Ursprünglich mit 18 PS ausgestattet
Nicht von Pappe

dpa/tmn ZWICKAU. Der Name „Trabant“ weckt ganz unterschiedliche Assoziationen - die einen machen Witze über den Kleinwagen aus der DDR, die anderen denken vielleicht wehmütig an Urlaubsfahrten zur Ostsee. Ganz nebenbei ist das Auto inzwischen ein Oldtimer geworden.

Der Trabbi feiert dieses Jahr sein 50. Jubiläum. Die Geschichte des kleinen Autos begann in den fünfziger Jahren, als die DDR noch den Willen hatte, dem Westen zu zeigen, wozu ein solches System auch wirtschaftlich fähig ist. Da passte es nicht, dass die Automobilindustrie im Westen bereits wieder in Schwung kam, während die Bevölkerung Ost in dieser Hinsicht darben musste. Also wurde 1954 auf politischer Ebene ein Entschluss gefasst: Ein neuer Kleinwagen sollte konstruiert werden, einer der bezahlbar war und gleichzeitig robust.

Doch Bleche für die Herstellung einer Karosserie nach üblichen Standards waren in Deutschlands Osten teuer. Das Problem sollte mit dem Einsatz von Duroplast gelöst werden, einer Kombination aus Baumwollfasern und Kunststoff. Auf eine Faserlage kamen Phenolharzteilchen, darauf wieder eine Lage Fasern und so weiter. Am Ende wurde das Ganze mit Hitze in Form gepresst - und fertig war das Karosserieteil, das dann am Ende auf dem Metallgerippe des Wagens befestigt wurde.

Im Jahr 1957 war das Autmobilwerk Zwickau (AWZ) so weit, dass eine erste Testserie des künftigen Kleinwagens produziert werden konnte. Insgesamt wurden 50 Exemplare des so genannten P50 hergestellt. Weil die Zeichen damals noch auf Aufbruch standen, war eine schlichte Bezeichnung wie P50 für ein so modernes Produkt sozialistischer Ingenieurskunst kaum haltbar.

Da passte es gut, dass just im Oktober 1957 die Sowjetunion den ersten Sputnik-Satelliten in die Umlaufbahn gebracht hatte. Was wiederum zu der Bezeichnung „Trabant“ führte, die ebenso wie der Begriff „Sputnik“ „Begleiter“ bedeutete.

Während der Trabant in späteren Jahren noch oft belächelt werden sollte, erntete er zunächst einmal Anerkennung. Schließlich waren selbst in Westdeutschland in den fünfziger Jahren wesentlich skurrilere Konstruktionen unterwegs - man denke nur an die Isettas und Kabinenroller. Auch die ursprünglichen 18 PS waren von den Käfern und Enten des Westens nicht weit entfernt.

Mit dem Beginn der Serienfertigung wurde das Urmodell fortwährend verbessert - und im Jahr 1964 gab es sogar wirklich Neues: Das Modell 601 erschien und zeichnete sich vor allem durch eine neue Karosserie aus. Das Auto wirkte nicht mehr ganz so rund, und es gab kleine Andeutungen der damals vor allem in den USA beliebten Heckflossen.

Nach 1964 hat sich im Grunde nichts mehr am Trabant geändert. Die „Asphaltblase“ wurde in den kommenden Jahrzehnten nur noch in Details überarbeitet. Mangelnder Innovationsreichtum der Entwickler war allerdings nicht der Grund für den automobilen Stillstand Ost. Tatsächlich gab es immer wieder Projekte zur Weiterentwicklung der Trabant-Idee. Die Entwicklung wurde aus Geldmangel gestoppt.

Erst als das Ende der DDR nahte, gab es doch noch einmal Neues vom Trabant: Nach der Mitte der Achtziger konnte mit einer Volkswagen-Lizenz ein Vierzylinder-Viertaktmotor mit 1,1 Liter Hubraum und immerhin 40 PS gebaut werden. Der kam zum einen im größeren Wartburg und eben auch im Trabant zum Einsatz. Äußerlich unterschied sich der 1,1 genannte neue Trabant kaum vom Original - auffälligstes Merkmal war ein veränderter Kühlergrill.

Doch als es so weit war, dass der Wagen gekauft werden konnte, war die Geschichte des Trabant als Neuwagen schon fast beendet. Mit Wende und Wiedervereinigung wurde das Fortbewegungsmittel des sozialistischen Ostens zum gesamtdeutschen „Trabi“: Während die einst stolzen Trabant-Besitzer auf neue und gebrauchte West-Fahrzeuge umstiegen, bildete sich gerade im Westen eine gar nicht so kleine Gemeinde, die den Trabant bis heute als Kultobjekt und sogar erhaltenswerten Oldtimer pflegt.

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