Wertverlust der Fahrzeuge wird immer größer
Goldene Zeiten für Gebrauchtwagen-Käufer

Die ewige Liste der wirklich üblen Jobs dürfte in diesem Jahr einen Neuzugang verzeichnen: Autoverkäufer. Die Geschäfte gehen schlecht, Neuwagen sind – von Ausnahmen abgesehen – nur mit hohen Rabatten zu verkaufen und auf den Höfen stehen sich hunderttausende von Gebrauchtwagen die Reifen platt. Goldene Zeiten also für Käufer. Vor allem für die, die sich für einen Gebrauchtwagen interessieren. Denn die günstigen Neuwagenpreise und ein Überangebot von Gebrauchten drücken auf den Zweite-Hand-Markt.

HB FRANKFURT. „Wir sind kurz davor, amerikanische Verhältnisse zu erreichen“, sagt Rolf Leuchtenberger, Präsident des Zentralverbandes deutsches Kraftfahrzeuggewerbe mit Blick auf die tobende Rabattschlacht in seiner Branche.

Die Folge: Neuwagen haben nach Angaben des Fahrzeugbewerters Eurotax Schwacke nach drei Jahren durchschnittlich nur noch einen Wert von 54 Prozent des Neupreises. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch bei 58 Prozent. Und auch diese Zahlen sind teilweise theoretischer Natur. Da das Gesetz von Angebot und Nachfrage regiert, gibt es einige Modelle, die deutlich schneller und mehr an Wert verlieren. Spitzenreiter ist die Luxuskarosse „Phaeton“ von VW, die nach drei Jahren nur noch 35 bis 45 Prozent des Neuwertes hat. Wer seinen Wagen aber wirklich verkaufen will, muss noch mehr Abstriche machen. In der Gebrauchtwagen-Börse mobile.de gab es gestern einen gerade mal zwei Jahre alten Phaeton mit 241 PS und 35 000 Kilometern auf dem Tacho für 24 000 Euro. Neu kostet der Wagen 68 000 Euro. Macht unter dem Strich einen Restwert von 35 Prozent – nach nur zwei Jahren. Gegenbeispiel ist der Mercedes-Roadster SLK, der in drei Jahren nur 28 Prozent an Wert verliert.

Unabhängig vom Wertverlust gilt: Noch nie gab es so viele Gebrauchtwagen in so guter Qualität so günstig und – wegen der neuen Garantiebestimmungen – auch so risikoarm. Die Gründe dafür sind klar: Mit über 45 Millionen Autos ist der Fahrzeugbestand in Deutschland so groß wie nie zuvor. Entsprechend umfangreich ist das Angebot. Allein die Autovermieter überschwemmen den Markt jedes Jahr mit 500 000 Fahrzeugen, die in der Regel nach sechs Monaten aus dem Mietgeschäft aussortiert werden.

In dem Maße, wie der Bestand wächst, steigt die Haltbarkeit der Fahrzeuge. Dank Verzinkung und moderner Motortechnik beträgt das Durchschnittsalter der deutschen Autos 7,6 Jahre. Laufleistungen von über 200 000 Kilometern gelten als normal. Alte Autos sind naturgemäß günstiger.

Allerdings sind selbst echte Schnäppchen nicht immer zu verkaufen. Händler hadern mit den neuen Verbraucherschutzgesetzen, nach denen sie selbst für den ältesten Gebrauchtwagen ein Jahr Garantie geben müssen. In vielen Fällen ein nicht kalkulierbares Risiko. Daher wird inzwischen jedes zehnte gebrauchte Auto exportiert: nach Polen, in den Irak oder nach Afrika. Denn dort gelten keine Garantiebestimmmungen und andere Steuer- und Versicherungsrichtlinien, die den Betrieb eines in Deutschland ausgemusterten Autos noch wirtschaftlich machen.

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