Der Anlagestratege
Börse hakt Ukraine-Krise weitgehend ab

Einige Wochen hat es gedauert, aber nun sind Investoren zu dem Schluss gekommen, dass die Krise in der Ukraine nicht zur Welt-Katastrophe führen wird. Die Verflechtungen zwischen den Ländern sind zum Glück zu eng.
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Erwartbarerweise haben die Finanzmärkte einige Monate gebraucht, um ein konsistentes Bild über die Ukraine-Krise zu gewinnen. Inzwischen ist der Investorengemeinschaft klar geworden, dass die Krise aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu einer Welt-Katastrophe führen wird.

Zu sehr sind Russland und Europa bereits verflochten und aufeinander angewiesen. Tatsächlich gibt es sogar in sachlich denkenden Kreisen ein gewisses Verständnis für die Haltung Russlands. Denn ganz offenbar ist der Status der Krim keineswegs je sonderlich ukrainisch gewesen. Und Nikita Sergejewitsch Chruschtschow, der die Krim zu Sowjet-Zeiten der Ukraine geschenkt hatte, war selber Ukrainer.

Geschichtlich bewanderte Menschen werden derartige Aspekte berücksichtigen, wenn es gilt, historische Phänomene zu deuten. Auch der kluge Börsianer wird die Geschichte stets wissen wollen und zu Rate ziehen, bevor er seine Anlagen tätigt. Ganz offenbar ist gar nicht hinreichend bedacht worden, dass die Sowjetunion inzwischen untergegangen ist. Russland hat aber wie jeder Nationalstaat Interessen und die seinigen in der Krim-Krise mit Geschick und ohne Blutvergießen wahrgenommen. Dabei handelt Wladimir Putin als Russe, während zu Sowjet-Zeiten Ukrainer wie Nikita Sergejewitsch Chruschtschow oder Georgier wie Josef Wissarionowitsch Stalin das Zepter führten.

Offenbar ist Westeuropa so abhängig von russischem Gas wie Russland seinerseits abhängig ist von europäischem Geld. Das ist eine gute Voraussetzung für ein einigermaßen friedliches Umgehen miteinander. Es kommt hinzu, dass allein schon aus demographischen Gründen kein Land mehr Willens sein kann, Krieg zu führen.

Krieg ist etwas für junge Männer, allem Genderwahn zum Trotz. Im Gegensatz zu 1914, als damalige junge Generation begeistert von den Schulbänken in den Krieg stürmte, kann sich kein europäisches Land mehr erlauben, den Engpassfaktor Kinder und junge Männer leichtfertig zu opfern. Der demographische Wandel bringt an dieser Stelle einen unerwarteten Vorteil mit sich.

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  • WOW HB hat die Mut für so ein einigermassen kritische Artickel...., Warscheinlich nur weil den von Amerikaner ist. :)

  • "Einige Wochen hat es gedauert, aber nun sind Investoren zu dem Schluss gekommen, dass die Krise in der Ukraine nicht zur Welt-Katastrophe führen wird."

    Die Angst ist sicherlich nicht weg. Wenn am 25.Mai keine Wahlen in der Ukraine stattfinden, wird an der Sanktionsschraube gedreht - hieran und andem, wer in diesem Fall betroffen sein wird - kann im Grunde genommen kein Zweifel bestehen.

    Im Moment überdeckt lediglich die Aussicht auf zusätzliches billiges Geld die Probleme und Krisenherde.

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