Der Anlagestratege
Ein gutes Alibi für Gewinnmitnahmen

Die Angst um Chinas Wirtschaft lässt die Märkte Achterbahn fahren. Doch sie muss nur als Alibi dafür herhalten, um aufgelaufene Kursgewinne zu konsolidieren. Wie es weiter geht, hängt nicht nur von China ab.
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In den vergangen Tagen ist es an den Weltbörsen turbulent zugegangen. Die seit April laufende Korrektur, die ihren frühjährlichen Ursprung in der Angst vor steigenden Zinsen hat, kulminierte zuletzt in eine signifikante Abwärtsbewegung. Der Korrektur der chinesischen Inlandsbörsen und der bereits seit längerem anhaltenden Talfahrt bei Rohstoffen schlossen sich zuletzt die europäischen und amerikanischen Aktienbörsen mit Verve an.

Wie immer in derartigen Bewegungen verzeichnen europäische Dividendentitel doppelt so hohe Verluste wie ihre amerikanischen Pendants. Die ETF-Welle der vergangenen Jahre mag diese Tendenzen verstärkt haben. Dies ist nicht zuletzt daran zu sehen, dass die bei ETFs weniger gefragten Nebenindizes MDax, SDax und TecDax im Gegensatz zu dem sehr liquiden Großwerteindex Dax nach wie vor sehr deutlich im Plus notieren.

Insgesamt weisen die meisten Aktienindizes in der alten Welt seit Jahresbeginn immer noch Gewinne aus, während die großen amerikanischen Aktienindizes allesamt in negativem Territorium rangieren. Der vermeintliche Weltindex MSCI World, dessen Nordamerikaanteil fast zwei Drittel beträgt, liegt in Euro gerechnet trotz starker Währungsgewinne seit Jahresbeginn nur noch mit 2,5 Prozent vorne.

Überdurchschnittlich fielen zunächst vor allem die Abschläge bei Technologieaktien aus, die jedoch zuvor besonders stark angestiegen waren. Selbst nach den jüngsten Rückgängen liegt aber der deutsche TecDax seit Jahresanfang mit 20 Plus im Plus.
Zur Begründung der aktuellen Kursabschläge verweisen Volkswirte und Analysten vor allem auf China, wo die jüngste Währungsabwertung Sorgen um die dortige Wirtschaft schürt. Tatsächlich lässt sich für das Reich der Mitte eine gewisse Wachstumsabschwächung nicht leugnen. Es ist aber fraglich, ob dieser Effekt nicht überwiegend der mittlerweile erreichten hohen wirtschaftlichen Basis geschuldet ist und weniger neuen Erkenntnissen über die derzeitige Konjunktur.

Das gemächlichere Wachstumstempo in China dürfte auch zu der anhaltenden Baisse bei den meisten Rohstoffen beigetragen haben. Zuletzt waren vor allem Energierohstoffe wie Öl und Kohle, aber auch Kupfer, deren Verbrauch in China seit Jahren stark angestiegen war, von den zurückgehenden asiatischen Wachstumsraten tangiert. Ebenso litten Exportaktien wie beispielsweise der Automobilsektor stark unter den China-Bedenken.

Durchaus überraschend schwächte sich während der Krisentage der US-Dollar ab, der für gewöhnlich in turbulenten Zeiten eher aufwertet. Der Rückgang des Greenback mag eine Reaktion auf die eher unspektakulären Halbjahresergebnisse der Unternehmen und schwindende Zinserhöhungsphantasie in den USA darstellen. Ebenso wenig sind Anleihen sichere Häfen, wie sie es in der Vergangenheit oft waren. Ein Hafen mögen Anleihen noch sein, aber angesichts negativer Zinsen kann von Sicherheit, im Sinne von Vermögenserhaltung des dort geparkten Gelds, nicht mehr die Rede sein.

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