Dr. Sommers Marktdiagnose
Es gibt noch Luft nach oben

Hat der Dax auf Jahreshoch geschlossen, weil Anleger seit Wochen nur das Gute sehen wollen und schlechte Nachrichten ignorieren? So einseitig ist es nicht - und das ist auch gut so.
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DüsseldorfWann hat es das schon einmal gegeben: Mit 11.481 Punkten beendet der Dax 2016 auf einem Jahreshoch. Nach katastrophalem Start, einem Rückfall bis auf 8700 Punkte und vielen holprigen Monaten schafft unser wichtigstes Börsenbarometer ein Gesamtplus von sieben Prozent und zugleich das fünfte Gewinnjahr in Folge.

An der Börse Gewinne zu erwirtschaften, kostete eine Menge Nerven. Das wird sich auch 2017 nicht ändern. Der designierte US-Präsident Donald Trump, der am 20. Januar sein Amt antritt, ist von der Börse bereits reichlich gefeiert worden. Anleger erhoffen sich Konjunkturprogramme, was die Gewinne vieler Unternehmen und die Ausgabefreude der Konsumenten beleben dürfte – so das Kalkül.

Die Bankenkrise in Italien haben Anleger offenbar ebenso ausgeblendet wie die anstehenden Wahlen in Frankreich und den Niederlanden. Gewinnen die Rechten um Marine Le Pen und Geert Wilders, droht Europa, so wie wir es kennen, zu zerfallen.

Kann also alles nur schlechter werden als jetzt, weil alle guten Nachrichten in den Kursen stecken, die schlechten aber noch nicht? Nicht unbedingt. Die meisten Anleger kennen all die skizzierten Probleme und Gefahren schließlich auch – und dennoch sind die Kurse gestiegen.

Anders formuliert: Ohne diese vielen Störfeuer wären die Kurse vermutlich noch weit stärker gestiegen – und der Dax würde wohl ebenso wie der Dow Jones auf Rekordhoch notieren. Davon aber ist unser Börsenbarometer immer noch rund 1000 Punkte entfernt.

Und noch etwas stimmt für 2017 zuversichtlich: Aktien sind nach fünf guten Börsenjahren zwar nicht mehr billig, aber auch keinesfalls überteuert. In Relation zu den Unternehmensgewinnen sind die 30 Dax-Konzerne mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 durchschnittlich bewertet. Da ist noch Luft nach oben – solange sich die Weltwirtschaft weiter erholt, Europa nicht zerfällt und Donald Trump liefert, was sich Anleger von ihm versprechen.

Kommentare zu " Dr. Sommers Marktdiagnose: Es gibt noch Luft nach oben"

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  • Sehr geehrter Herr Dr. Sommer,

    klar hat der DAX Luft nach oben. Mit den Aussagen Ihres Artikels bin ich voll einverstanden. Aber ich würde Sie gerne gewinnen, sich hier und da eines Themas anzunehmen, das die Banken und Medien vernachlässigen.

    Eigentlich weiß jeder, dass die großen Notenbanken schon vor Jahren ihre Leitzinsen auf Null gesenkt haben. Und jeder weiß auch, dass die Notenbanken mit frisch gedrucktem Geld in großem Stil Anleihen aufgekauft haben. Sie haben die Welt mit Liqudität überschwemmt. Die überbordende Liquidität floß leider nur zu einem kleinen Teil in die reale Wirtschaft. Sie ging im wesentlichen in die Zinsmärkte dies- und jenseits des Atlantiks, so dass unvorstellbar riesige Blasen entstanden sind. In milderer Form auch in den städtischen Zentren des Immobilienmarktes. Das alles weiß jeder Zeitungsleser.

    Aber niemand beschäftigt sich damit, dass Blasen auch platzen können. Dabei weiß wiederum jeder, dass die Zinsen auch wieder steigen können und die Notenbanken die Liqudität wieder einsammeln können. Vielleicht schon morgen, vielleicht auch erst in ein paar Jahren. Aber wenn die Zinsen nur um 2 oder 3 % steigen, erleiden Hundertausende Rentenanleger und insbesondere die Banken herbe Verluste, die auch die anderen Anlageklassen mit in die Tiefe reißen.

    Ich spreche somit von der Möglichkeit eines crashs, der alle Anlageklassen betrifft. Manche Leute sagen sicher, so lange die Musik spielt, wird getanzt. Aber der Tanz auf einem Vulkan ist meine Sache nicht. Ich möchte lieber vorsorgen, dass auch im worst case das Vermögen weitgehend erhalten bleibt. Das geht nur mit cash. Dass eine hohe Kassenhaltung die finanziellen Möglichkeiten einer Aktienanlage beschneidet, versteht sich von selbst.

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