Anbieter schaffen ihr Soll nicht
Windkraftfonds versprechen zu viel

Anleger sollten sich von Garantien nicht blenden lassen, sondern auf die Solidität des Anbieters achten.

DÜSSELDORF. Rund acht Prozent des in Deutschland produzierten Stroms kommt aus regenerativen Quellen. Für die Bundesregierung ein Erfolg. Den größten Teil dieser Energie liefern Windräder, die von Privatanlegern finanziert sind. Hier fällt der Erfolg vielfach geringer aus. Das belegen Zahlen des auf die Analyse geschlossener Fonds spezialisierten Analysehauses Fonds Media. Nach Auswertung von 250 Windkraft-Beteiligungen stellt der Fondsspezialist fest: 86 Prozent von 101 Fonds lieferten weniger Strom als geplant – im Durchschnitt betrug das Minus 16 Prozent. Die 14 Prozent über Plan schafften im Schnitt knapp zehn Prozent Plus. Die avisierten finanziellen Erträge – hierzu lagen Daten aus 87 Fonds vor – erreichten oder überschritten nur 23 Prozent. Diese Fonds erzielten im Mittel ein Plus von 16,8 Prozent.

Die Zahlen zeigen nicht nur die Misserfolge. Sie machen auch deutlich, dass Transparenz für viele Windparkfonds-Anbieter ein Fremdwort ist, sonst wäre für alle 250 Fonds ein Soll-Ist-Vergleich der Erträge möglich gewesen. Leistungsbilanzen würden solche Vergleiche erleichtern, werden aber oft gar nicht oder unvollständig aufgestellt.

Eine weitere Erkenntnis: Viele Windgutachten fallen viel zu positiv aus. Heinrich Röder, Geschäftsführer des Anbieters Das Grüne Emissionshaus, konstatiert „bei schwierigem Gelände massive Fehlbewertungen“. „Von verschiedenen Gutachtern prognostizierte Stromerträge für ein und dasselbe Projekt weichen bis zu 30 Prozent voneinander ab“, stellt er fest.

Die Sicherheitsabschläge von den prognostizierten Winderträgen sind allenthalben zu gering. Der Bundesverband Windenergie (BWE) empfiehlt einen Sicherheitsabschlag von zehn Prozent. Ein Wert, von dem der Anbieter WPD beim aktuellen Fonds mit vier Prozent weit entfernt ist, was auch vom Fonds-Analysehaus Fondscope kritisiert wird. Allerdings erreicht auch die Energiegesellschaft Nordost mbH (Eno) die BWE-Vorgabe nicht (s. Tabelle). Was zehn Prozent weniger Wind als prognostiziert bedeuten können, steht im WPD-Prospekt: eine um 25 Prozent niedrigere Ausschüttungssumme.

Auch die Ansätze für Reparaturkosten werden vielfach zu knapp gewählt, und die durch Reparaturen verursachten Erlösausfälle sind häufig nur eingeschränkt versichert. Ein Beispiel: Die Betriebsunterbrechungsversicherung des Eno-Fonds tritt bei jedem Schaden erst ab dem fünften Tag ein. Diverse Kleinschäden mit kürzeren Ausfallzeiten zahlt also der Anleger.

In dieser Situation werden zunehmend kritischere potenzielle Investoren mit Garantien geködert. Beim WPD-Fonds heißt sie „Ausschüttungs-Garantie“. Statt in den ersten neun Jahren acht und 2013 elf Prozent prognostizierte Ausschüttung gibt es wahlweise garantiert sechs Prozent. Wenn diese sechs Prozent überschritten werden, bleiben dem Anleger dann nur drei Viertel der Mehrausschüttung. Was oberhalb der sechs Prozent beim Anleger ankommt, mindert zudem „die Summe der insgesamt im Garantiezeitraum garantierten Zahlungen“, steht im Prospekt. Und sollte die WPD Garantie GmbH tatsächlich Garantiezahlungen leisten, darf sie sich den Betrag aus späteren Mehrausschüttungen zurückholen. Die solchermaßen rückversicherte Garantiegeberin scheint mit einer Mill. Euro wenigstens nicht unterkapitalisiert zu sein. Und was bringt die Garantie dem Anleger? Statt sich anfänglich drei Viertel einer auch dank optimistischer Prämissen (Sicherheitsabschlag, Reparaturkosten) hoch ausfallenden Prognoseausschüttung zu sichern, könnte er auch gleich einen konservativer rechnenden Fonds zeichnen.

Der Eno-Fonds operiert zweifelsohne mit zurückhaltenderen Annahmen. Doch die bei diesem Fonds mitverkaufte und zur Hälfte bei einer Bank hinterlegte Erlösausfallbürgschaft bringt maximal eine einmalige Ausschüttung von zwölf Prozent. Die im Gegenzug eingeräumte Erfolgsbeteiligung ist an die Einspeisevergütung gekoppelt. Übersteigt sie den Prognosewert, gehen 30 Prozent an ein Unternehmen der Eno-Gruppe.

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