Anlagevariante
ETFs auf aktiver Jagd nach höherer Rendite

Exchange Traded Funds sind schon lange keine rein passiven Produkte mehr. In den USA gibt es sogar bereits explizit aktiv gemanagte Versionen. Anleger sollten bei der Auswahl aktiver Produkte jedoch erhöhte Vorsicht walten lassen.

"Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich aktiv gemanagte ETFs auch in Deutschland über kurz oder lang etablieren", sagt Bruno Schmidt-Voss, Deputy Head of Institutional Business Germany bei Invesco. "Die strukturellen Vorteile von ETFs gelten nun mal auch für aktiv gemanagte Produkte, darauf werden Anleger nicht auf Dauer verzichten wollen."

Der offensichtliche Vorteil, den Schmidt-Voss anspricht, ist die hohe Liquidität von ETFs. Investments in etablierte Märkte sind mit ETFs extrem schnell und fast ohne Zusatzkosten möglich. Das liegt vor allem daran, dass Emittenten einen so genannten Designated Sponsor bestimmen müssen, wenn sie einen ETF an einem Börsenplatz anmelden. Die Aufgabe dieses Sponsors - auch "Market Maker" genannt - ist es, jederzeit An- und Verkaufskurse für den Fonds zu stellen. Der Abstand zwischen An- und Verkaufskurs - der so genannte Spread - sollte im Sinne der Anleger so niedrig wie möglich sein. Zumindest bei großen ETFs sind die Spreads häufig sehr klein, was unter anderem daran liegt, dass die Emittenten mehr als einen Market Maker bestimmen, die zueinander in Konkurrenz stehen.

Doch ausgerechnet die Arbeit der Market Maker wird durch aktiv konstruierte ETFs indirekt erschwert. Der Grund: Sie handeln am Börsenplatz direkt mit den Anlegern, damit sie die Spreads klein halten können, sind sie auf die absolute Transparenz des ETF-Portfolios angewiesen. Sie kaufen laufend die Wertpapiere, die auch im ETF enthalten sind und tauschen sie mitdemEmittenten gegen Fondsanteile. Verkaufen zu viele Anleger ihre Fondsanteile, können die Market Maker sie beim Emittenten wiederum gegen die entsprechenden Wertpapiere eintauschen. Die Folge ist, dass sie ständig einen gewisse Position Fondsanteile in den eigenen Büchern haben - und das ist bei aktiv gemanagten Fonds ein Risiko.

"Für optimale Liquidität und kleine Spreads müssen die Market Maker jederzeit exakt wissen, wie viel ein Fondsanteil wert ist", erklärt Stephan Kraus, Produktmanager für das ETF-Segment der Deutschen Börse. "Bei aktiv gemanagten Fonds ist es aber eher unwahrscheinlich, dass ein Fondsmanager zu diesemMaßan Transparenz bereit ist." Für die Emittenten ist das ein Dilemma: Einerseits könnten sie mit einer Börsennotierung den Anlegern eine höhere Liquidität und einen Handel in Echtzeit bieten, andererseits würden sie durch eine Veröffentlichung ihrer Portfolios auch Nachahmer auf den Plan rufen.

Kraus formuliert das so: "Die für ETFs nötige Transparenz steht in einem gewissen Widerspruch zum aktiven Anlagegedanken, bei dem die Entscheidungen des Fondsmanagers ein Mehrwert darstellen, der bezahlt werden soll. Wenn das Portfolio für jeden Anleger einsehbar ist und Anlageentscheidungen unmittelbar nachvollzogen werden können, wird eine höhere Managementgebühr unter Umständen nicht mehr akzeptiert." Folglich fällt auch seine Prognose eher negativ aus: "Bislang ist im europäischen Markt noch kein klarer Trend zu aktiv gemanagten ETFs zu erkennen."

Hinzu kommt, dass es bereits heute einen florierenden Börsenhandel mit aktiv gemanagten Fondsprodukten in Deutschland gibt. Anleger können tausende Publikumsfonds anstatt über ihre Hausbank ebenso gut über die Börsenplätze in Hamburg, Stuttgart oder Frankfurt beziehen - ebenfalls ohne Ausgabeaufschlag und ohne auf die Auslieferung durch den Emittenten zu warten.

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