Anleihen
„Italien ist kein Desaster“

Der Job von Anleihehändlern ist unberechenbar geworden. Wegen der Euro-Krise. Wer Rendite einfahren will, muss blitzschnell sein, sagen die Profis. Welche Anleihen sie derzeit kaufen - und welche besser nicht.
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New YorkDie europäische Schuldenkrise lässt die Uhren der Fondsmanager im schottischen Finanzzentrum Edinburgh schneller ticken. Ihr Anlagehorizont bei Staatsanleihen hat sich deutlich verkürzt, die Finanzstrategen handeln eher auf Sicht von Tagen und nicht mehr auf Sicht von Monaten.

“Der Horizont für Anlageallokationen liegt nicht mehr bei 18 Monaten, es sind vielleicht 18 Tage”, sagt Andrew Milligan, Leiter Strategie bei Standard Life, bei einer Diskussionsrunde mit drei Kollegen anderer Gesellschaften bei Bloomberg in Edinburgh. “Man kann zu verschiedenen Zeitpunkten durch die relativen Renditeabstände unterschiedlicher Anleihen Geld verdienen.”

Angesichts der sich ausweitenden Risse im Euroraum werden Investoren, die bislang auf langfristige Trends am Markt für Festverzinsliche gesetzt haben, immer flinker und wechseln häufiger zwischen den Anleihen verschiedener Staaten. Sie wollen von den aktuellen Divergenzen innerhalb des Euroraums profitieren.

Vor der seit drei Jahren währenden Schuldenkrise tendierten die Renditen in der Region noch dazu, sich einander anzunähern. Hintergrund war die Überzeugung, dass ein gemeinsamer Markt ein ähnliches Risiko für alle impliziere, was die Kursbewegungen und Risiken begrenzte.

Standard Life Investments und Scottish Widows Investment Partnership, Edinburghs größte Fondsgesellschaft, gehen davon aus, dass die Renditen französischer Staatsanleihen näher am Niveau italienischer Papiere liegen sollten, weiter von den Renditen deutscher Bundesanleihen entfernt.

Der Stratege Ken Anderson von Scottish Widows Investment sagt, seine Gesellschaft kaufe Staatsanleihen aus Rom zu Lasten jener aus Paris. “Die Märkte bewegen sich grob in einer Bandbreite, es geht also darum, sich auf spezifische, kurzfristige, taktische Geschäfte zu konzentrieren”, fügt er an. Italien habe kein chronisches Problem mit dem Haushaltsdefizit und sei wohlhabend. “Es ist nicht in der besten Lage, aber es ist auch kein Desaster.”

Kommentare zu " Anleihen: „Italien ist kein Desaster“"

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  • Österreich ist mit im System und soweit mir bekannt ständig im Minus.

    http://de.wikipedia.org/wiki/TARGET2

  • ... es heißt, dass in Deutschland sehr viel mehr Geld aus den Krisenstaaten angelegt wird, als in Österreich.


    OK eine annähernde Erklärung, aber keine genaue, weil sonst hätte man zumindest ein kleines + oder ./.

    O bedeutet meiner Meinung nach, dass die Österreicher bei diesem Ding nicht mitmachen. Und das scheint also möglich zu sein ohne dass darüber gezettert wird.

  • ... es heißt, dass in Deutschland sehr viel mehr Geld aus den Krisenstaaten angelegt wird, als in Österreich.

    Unsere Banken müssen sich kein Geld bei der NZB bzw. EZB leihen, wenn Sie selbst Kredite vergeben. Die haben das Geld auf dem Konto.

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