Anzeichen für Verschlechterung der Disziplin
Hedge-Fonds kein Stabilitätsrisiko

Hedge-Fonds stellen keine unmittelbare Bedrohung für die Finanzmarktstabilität in der Europäischen Union dar. Sollten jedoch Banken außerhalb der Union Probleme durch Hedge-Fonds bekommen, könnten europäische Institute in Mitleidenschaft gezogen werden.

mak HB FRANKFURT. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Ausschusses für Bankenaufsicht (BSC) des Europäischen Systems der Zentralbanken über die Beziehungen großer EU-Banken zu Hedge-Fonds.

Zwar nehme das Engagement der Banken in der Hedge-Fonds-Industrie rapide zu, heißt es in dem Bericht des BSC, dem Vertreter der EZB, der nationalen Zentralbanken und der Bankenaufsichtsbehörden der EU angehören. Im Verhältnis zur Bilanzsumme der Banken, ihren Gesamterträgen oder im Vergleich zu dem Engagement amerikanischer Banken falle es aber nicht stark ins Gewicht. Gleichwohl ergäben sich aus dem Zusammenspiel von Banken und Hedge-Fonds Risiken. Diesen könnten die Bankenaufsichtsbehörden mit ihren Leitlinien zum Risikomanagement und der Eigenkapitalvereinbarung angemessen begegnen.

Von den gut 100 Banken, die das BSC befragt hat, gaben 40 an, dass sie Geschäfte mit Hedge-Fonds machten. Der überwiegende Teil hat allerdings nur in Hedge-Fonds investiert. 35 der befragten Institute machten qualitative und nur 22 quantitative Angaben. Nur fünf Banken ordneten sich selbst als Prime Broker ein, d.h. sie wickeln Geschäfte der Hedge-Fonds ab. Der Studie zufolge entfallen auf die EU-Hedge-Fonds-Industrie 20 bis 30 Prozent des Kapitals, das Hedge-Fonds global verwalten. Die Branche wächst schneller als die Finanzbranche insgesamt.

Gemäß der Untersuchung gibt es in der EU mindestens vier große Prime Broker: die Deutsche Bank, Société Générale, Barclays und SEB. Allerdings hätten auch einige andere deutsche, französische, britische, niederländische belgische und skandinavische Häuser einen Fuß in diesem Markt. Nach wie vor entfalle aber der Löwenanteil des Prime-Broker-Geschäfts auf die amerikanischen Häuser Morgan Stanley, Goldman Sachs und Bear Stearns. Sie verwalten mehr als die Hälfte des gesamten Hedge-Fonds-Kapitals. Von Bedeutung seien darüber hinaus die Schweizer Institute CSFB und UBS.

Die befragten Banken berichteten im allgemeinen über strenge Auflagen für ihre Beziehungen zu Hedge-Fonds. Besonderer Wert werde auf die Besicherung gelegt, heißt es. Doch die Geschäftsdisziplin seitens der Banken lasse in Folge starken Wettbewerbsdrucks nach.

Die meisten der Banken unternähmen Stresstests zur Beurteilung der möglichen Effekte schwankungsanfälliger oder illiquider Märkte auf ihre Engagements. Diese beinhalteten allerdings überwiegend historische Szenarien und würden häufig nur auf einzelne Fonds angewandt. Die Anwendung von Stresstests auf Sicherheiten war weniger verbreitet und ist nach Ansicht des BSC "verbesserungswürdig".

Der Bankenausschuss beanstandet zudem, dass die Informationsströme von den Hedge-Fonds zu den Banken - trotz gewisser Fortschritte - nicht immer adäquat seien. Das von den Banken beschriebene Risikomanagement werfe zudem die Frage auf, ob die Institute das gesamte Risikoprofil eines Fonds hinlänglich berücksichtigten beziehungsweise ihnen dazu genügend aktuelle Informationen zur Verfügung stünden.

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