Biotech
Anleger hoffen auf Kursgewinne aus dem Reagenzglas

Biotech-Fonds sind wieder im kommen. Die die kleine, spezialisierte Branche profitiert von ihrer Nischenstrategie und ihrer effizienten Forschung. Investoren müssen trotzdem Ausdauer und gute Nerven mitbringen - denn die Investition zahlt sich oft erst langfristig aus.
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WERTHER. Es war im Jahr 2000. Damals erklommen Biotech-Aktien an den jungen Wachstumsbörsen rund um den Globus historische Höchststände – beflügelt durch die Entschlüsselung des menschlichen Genoms.

Es blieb eine Episode der Finanzgeschichte, denn die Genom-Euphorie war bereits nach drei Monaten Boom wieder verflogen. Kaum ein Privatanleger käme heute auf den Gedanken, sich einzelne Biotech-Aktien ins Portfolio zu packen. Muss er auch nicht – es gibt ja Biotech-Fonds, die von Experten gemanagt werden und das Anlagerisiko streuen.

Die Top-Five der etablierten Biotech-Fonds wurden alle im Jahre 2000 gegründet, einzig der Fonds aus dem Hause Pictet ist älter: Er ging bereits 1995 an den Start und kann eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorweisen. Auf zehn Jahre betrachtet bringt es der Pictet Funds Bio-Tec P-Cap auf einen Wertzuwachs von rund 165 Prozent.

Im Gegensatz zu den großen Pharmaunternehmen sind die meisten Biotech-Unternehmen eher klein, innovativ und auf Nischen spezialisiert. Biotech-Fonds investieren meist in Unternehmen, deren Medikamente sich in der klinischen Phase befinden. Diese Firmen sind damit besonders krisenanfällig. Sollte – wie zum Beispiel beim Multiple-Sklerose-Medikaments Tysabri geschehen – in der Einführungsphase ein Todesfall auftreten, und das Medikament muss vom Markt genommen werden, verlieren die Aktien rasch an Wert. Oder aber die Anteile legen rasch zu, weil es eine hoffnungsvolle Neuentwicklung gibt. So geschehen beim australischen Biotech-Unternehmen Biota. Die Aktie des Unternehmens erreichte eine Kurssteigerung von 80 Prozent wegen des Inhalierproduktes Relenza zur Behandlung von Grippesymptomen. Das Mittel zählt wie Tamiflu zu den Profiteuren der Schweinegrippe.

Die Aktien von Biota stecken im Portfolio des FCP OP Medical BioHe@lth-Trends. Dieser Fonds wurde von Oppenheim Asset Management Services aufgelegt. Der Fonds wird jedoch extern gemanagt von der auf Biotechnologie-Aktien spezialisierten Vermögensberatung Medical Strategy. „Der Fonds investiert in 80 kleine junge und mittlere Biotech-Unternehmen“, sagt Harald Schwarz, geschäftsführender Gesellschafter und Portfoliomanager bei Medical Strategy. Dass der Fondsmanager die Aktien kleiner und mittlere Unternehmen bevorzugt, liegt an deren höherem Hebel an der Börse.

Ebenfalls im Depot des Fonds steckt das Unternehmen ImmunoGen. Die Firma entwickelt das Anti-Krebsmittel Herceptin in der zweiten Generation. Damit kommt ein wirksames Mittel gegen Mammakarzinome auf den Markt. Analysten raten bei ImmunoGen-Aktien zu „Kaufen“.

Den Aktien des Unternehmens verdankt der Medical BioHe@lth-Fonds unter anderem seine Outperformance: Der Fonds legte innerhalb eines Jahres um fast 47 Prozent zu. Zum Vergleich: der Pictet Funds Bio-Tec P-Cap erreichte in diesem Zeitraum eine Wertsteigerung von 0,15 Prozent. Ein deutliches Zeichen für die Unberechenbarkeit einer Branche, die seit 2000 rasante Kurswechsel verzeichnet. Es geht ständig steil bergab und dann wieder bergauf – wie 2008. Im vergangenen Jahr gewannen die Biotech-Fonds als Krisengewinnler kräftig an Wert. Denn Wirtschaftskrisen können der Gesundheitsbranche nur wenig anhaben, weil die Nachfrage nach Medikamenten relativ starr ist und der Absatz mit Antidepressiva sogar ansteigt. Von dieser Ausnahmestellung haben Biotech-Fonds profitiert. Während der MSCI Weltindex 42 Prozent nachgab, verloren die Titel im Gesundheitssektor lediglich 17 Prozent.

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  • Der Schwindel mit den irrsinnigen branchenfonds beginnt aufs Neue ...
    Und wieder werden die banker konservative Festgeldanleger in Zockerpapiere hineinquatschen und nachher sind die Kunden wieder selber schuld !

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