Derivate
Banken planen Offensive mit Fonds

Zwei große Derivateanbieter werden ihre Angebotspalette speziell für den deutschen Markt erweitern. Nach Angaben der Deutschen Börse wuchs das verwaltete Vermögen der in Frankfurt gelisteten ETFs im ersten Quartal auf 32,3 Mrd. Euro – ein Plus von 78 Prozent.

DÜSSELDORF. Zwei große Anbieter von strukturierten Produkten planen, in Deutschland neue börsengehandelte Investmentfonds (Exchange Traded Funds, ETF) anzubieten. Sowohl die französische Société Générale als auch die niederländische ABN Amro wollen nach eigenem Bekunden stärker in das Geschäft mit ETFs einsteigen.

Anders als herkömmliche Fonds bildet die börsengehandelte Version die Wertentwicklung eines Index – etwa des Dax oder EuroStoxx 50 – nach. Damit ähneln die Finanzprodukte eher Indexzertifikaten als klassischen Fonds, die aktiv gemanagt werden.

Die Kosten für ETFs sind dafür um ein Vielfaches geringer: Sie liegen zwischen 0,1 und 0,6 Prozent Verwaltungsgebühr pro Jahr, ein Ausgabeaufschlag fällt nicht an. Die Verkaufskurse an der Börse liegen häufig weniger als ein halbes Prozent über den Kaufkursen.

Weil sich die Konstruktionen hinter Zertifikaten und ETFs ähneln, ist es für Derivateanbieter naheliegend, auch in dieses Geschäft einzusteigen. So plant ABN Amro einen Fonds auf den Index des Rohstoff–Gurus Jim Rogers – ein Produkt, dass die Bank in Form von Zertifikaten bereits seit längerem anbietet. „Die Nachfrage nach dem Index im Fondsmantel kommt vor allem von institutionellen Anlegern wie zum Beispiel Pensionsfonds, die Zertifikate wegen des Emittentenrisikos meiden“, sagt Önder Ciftci, bei ABN Amro für das deutsche Derivategeschäft zuständig.

Zertifikate sind rechtlich gesehen Inhaber-Schuldverschreibungen, also nachrangige Anleihen. Wird ein Emittent zahlungsunfähig, werden andere Gläubiger vor den Besitzern der Zertifikate bedient. Damit bergen die Papiere ein Emittentenrisiko, das mit Ratings der ausgebenden Banken gemessen wird. Bei Fonds – als Sondervermögen – ist die Rückzahlung dagegen unabhängig von der Zahlungskraft der Fondsgesellschaft.

Neben institutionellen Anlegern sollen die Produkte aber auch aufgeklärte Privatanleger ansprechen, sagt Thomas Meyer zu Drewer, für das deutsche ETF-Geschäft der Société Générale-Tochter Lyxor zuständig. Schwierig ist aber der Vertrieb der Produkte: „Die Distributionskanäle funktionieren anders“, sagt Meyer zu Drewer. Damit meint er vor allem die hohen Provisionen, die Berater normalerweise für den Verkauf von Fonds oder Zertifikaten erhalten. In manchen Fällen zahlen die Emittenten und Fondsgesellschaften sogar Bestandsprovisionen, sofern sich der Kunde des Beraters noch nicht von dem Produkt getrennt hat. Bei ETFs mit ihren geringen Gebühren sind solche Vergütungen für die Berater nicht drin – ein Vorteil für Anleger, die auf Beratung verzichten können.

Dass die beiden Anbieter jetzt auf den deutschen ETF-Markt drängen, verwundert nicht. Denn der Bereich ist in den vergangenen Monaten rasant gewachsen – wenn auch von einem niedrigen Ausgangsniveau. Nach Angaben der Deutschen Börse wuchs das verwaltete Vermögen der in Frankfurt gelisteten ETFs im ersten Quartal auf 32,3 Mrd. Euro – ein Plus von 78 Prozent binnen eines Jahres. An der Börse sind inzwischen 118 Indexfonds notiert. Der Börse zufolge läuft die Hälfte des europaweiten Handels über das Frankfurter Segment XTF. Im ersten Quartal wechselten dort Fondsanteile im Wert von 16,6 Mrd. Euro den Besitzer.

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